09.02.2021

Nornickel garantiert Rohstoff-Herkunft per Blockchain

Der Kampf um die Rohstoffe nimmt an Härte zu. Damit wächst offenbar die Gefahr von Fälschungen. Um sicherzustellen, dass der Rohstoff Nickel aus seinen Gruben echt ist, setzt der russische Konzern Nornickel auf die Blockchain-Technologie. Sie soll zugleich den Börsengang flankieren.

Nornickel Blockchain

TokenTrust zeichnet Metall-Informationen auf Atomyze auf

Der russische Bergbaukonzern Nornickel will die Herkunft der von ihm angebotenen Rohstoffe mittels einer Blockchain-Plattform der verteilten Kassenbücher (engl. Distributed Ledger Technology DLT) garantieren. Das berichtet u.a. „Finanzen.net“. Dazu arbeitet Nornickel demzufolge mit der TokenTrust AG zusammen. Das Schweizer Unternehmen ist verantwortlich für:

  • Verwahrung der Metalle,
  • unveränderliche Aufzeichnung der Metall-Informationen mittels seiner Blockchain-Plattfom „Atomyze“,
  • das Erarbeiten einer Tokenisierungsstrategie.

Neben konventionellen Methoden will Nornickel so mit Metallen versehene Token ausgeben. Memo Üzbek von „Decentralbox“ erklärt Token als einen Vermögenswert, Vermögensgegenstand oder ein Wirtschaftsgut in der Welt der Kryptowährungen auf Basis von DLT.

Er ist demnach kein klassischer Coin, also keine virtuelle Münze in dem Sinne und besitzt daher keine eigene Blockchain oder verteilte Kette von Kassenbüchern. Token benutzen stattdessen andere existierende Blockchains, die mit Standardvorlagen, wie beispielsweise Smart Contracts auf der Ethereum Blockchain, generiert werden. Token sind also Smart Contracts, intelligente Verträge, denen ein Wert oder eine Funktion zugesprochen wird.

Vier ETC an die Börse gebracht

Die Umstellung auf Blockchain durch Nornickel erfolgt im Rahmen eines Rohstoff-Fonds, den das Unternehmen zum 18. Januar 2021 an der Deutschen Börse herausgebracht hat. Der Konzern hatte zuletzt gegen Umweltskandale zu kämpfen. Dem dadurch beeinträchtigten Image will der Palladium-Produzent dank digitalen Technologien nachhelfen.

Nornickels Global Palladium-Fonds (GPF) umfasst vier Exchange Traded Commodities (ETC) für:

  • Palladium,
  • Platin,
  • Gold und
  • Silber.

Sie werden zum Spotpreis der Londoner Metallbörse LME angeboten und sind physisch durch entsprechende Metallbarren im Tresor eines Treuhänders hinterlegt. Dadurch wird das Emittentenrisiko bei physischen ETCs eliminiert. Zielgruppe hierfür sind

  • Vermögensverwalter,
  • Family Offices,
  • institutionelle sowie
  • andere professionelle Anleger.

Anlegern Investition in Rohstoffe ermöglichen

Bei solchen ETCs handelt es sich um börsengehandelte Wertpapiere, die Anlegern eine Investition in Rohstoffe erlauben und vielfach auch als Rohstofffonds bezeichnet werden. Genau genommen sind es aber, so finanzen.net, keine Fonds im eigentlichen Sinne, sondern ganz spezielle Zertifikate oder Schuldverschreibungen, die Basiswerte abbilden und somit an die Wertentwicklung von Rohstoffpreisen gekoppelt sind.

Nickel verteuerte sich laut „Börse online“ innerhalb eines Jahres um rund 30 Prozent auf rund 18.000 US-Dollar pro Tonne. Das silberglänzende Schwermetall ist eine wichtige Komponente bei der Herstellung von Batterien mit einigen Vorteilen gegenüber anderen Technologien hierfür. Akkus auf Nickelzinkbasis:

  • entzünden sich nicht,
  • bieten eine höhere Energiedichte und
  • eine größere Reichweite als Lithium-Ionen-Batterien.

Elektromobilität Treiber für Nickelnachfrage

Mit zunehmender Verbreitung von Elektromobilität sehen die Beobachter für die kommende Dekade eine Zunahme von Elektroautos als wichtigsten Treiber für die Nickelnachfrage. Noch ist die Edelstahlindustrie mit einem Anteil von rund 70 Prozent der größte Nickelnachfrager. Der Zusatz von Nickel macht Stahl hart und korrosionsbeständig.

2020 lief die Wirtschaft pandemiebedingt auf Sparflamme. Jetzt habe sich einiges aufgestaut. Die chinesische Wirtschaft etwa steuere laut Prognose des Verbands der Edelstahlproduzenten 2021 auf ein Produktionsrekordniveau zu. Bei Palladium spielen China und die Automobilbranche eine bedeutende Rolle.

Der Preis für das Edelmetall hat sich laut „Börsen online“ in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Derzeit notiert die Unze bei 2.360 Dollar. Seit Jahren übersteigt die Nachfrage regelmäßig das Angebot. Vor allem die Automobilindustrie braucht Palladium für hochwertige Katalysatoren. Wer auf dem größten Automarkt der Welt anbietet, muss strenge Emissionsvorschriften einhalten. In China gilt: entweder Elektroauto oder Verbrenner mit hochwertigem Katalysator.

Von der Entwicklung profitiert Nornickel als weltweit größter Palladiumproduzent und zweitgrößter Förderer von Nickel neben Mengen an Gold und Platin sowie Kupfer, dessen Preis neue Hochstände erreicht. Das Metall ist in vielerlei Hinsicht unentbehrlich für Elektrifizierung, Gold und Platin bei Investoren beliebt. Auch diese Nachfrage bedient Nornickel neuerdings.

Herausforderung des globalen Klimawandels

Anton Berlin, Vizepräsident für Vertrieb und Distribution bei Nornickel, erwartet von dem Börsengang eine größere Nachfrage vonseiten der Anleger nach Metallen in den nächsten zehn Jahren. Die Wirtschaften vollzögen die Energiewende und konzentrierten sich auf die Bewältigung der Herausforderung des globalen Klimawandels.

Berlin: „Als Bergbauunternehmen trägt die Bereitstellung des Zugangs zu Metallen für einen breiteren Kreis von Marktteilnehmern dazu bei, die Marktliquidität und Preisfindung zu verbessern.“

GPF-CEO Alexander Stoyanov sieht in der Digitalisierung von Rohstoffen eine Möglichkeit, die Quelle der zugrundeliegenden Metalle und die Art und Weise, wie sie produziert wurden, zu erfassen und zurück zu verfolgen.

Stoyanov: „Und das in Verbindung mit Angaben zu Ökologie, Sozial- und Governance-Aspekten (Ecology, Social, Governance ESG).“

Nornickel halte den neuen Standard für verantwortungsvollen Bergbau nach der UN2030-Charta und die bestehenden LBMA-Metallquellenstandards vollständig ein. Nornickel ist im Januar 2021 der RSBN-Initiative (Responsible Sourcing Blockchain Network) beigetreten, um die Lieferkettenaufzeichnung von der Mine bis hin zum Markt transparenter zu machen. Die RSBN-Plattform basiert auf einer Blockchain-Technologie von IBM.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)