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01.02.2018

Neuer Stau-Rekord auf deutschen Autobahnen

Jedes Jahr ein neuer Rekord. Mehr Staus, längere Staus und mehr und mehr Stunden im Stau verbracht. Die Wartezeit ist ein nicht zu unterschätzender volkswirtschaftlicher Schaden. Wer auf den Kosten sitzen bleibt, sind oft die Unternehmer. Dabei gäbe es durchaus Abhilfe.

ADAC Staubilanz 2017  

Stau-Rekord: Die A 3 ist die schlimmste Staustrecke. Das ist die Autobahn zwischen der niederländischen und österreichischen Grenze. Von den überregional bedeutsamen Fernautobahnen war sie schon in den Vorjahren am meisten von Staus betroffen. Auch 2017 wurden auf ihr 208 Kilometer Stau je Autobahnkilometer gemessen. Das ist eines der Ergebnisse der ADAC Staubilanz 2017. Darin sind eigenen Angaben zufolge rund 723.000 Staus verzeichnet – etwa vier Prozent mehr als 2016.

Auch die Staukilometer legten zu. Sie summierten sich auf eine Gesamtlänge von 1.448.000 Kilometer – ein Plus von fünf Prozent. Im Schnitt bildete sich damit jeden Tag eine Blechlawine von knapp 4000 Kilometern.

Stau-Rekord: Mehr Kfz-Fahrleistung, rege Bautätigkeit

Verkehrsteilnehmer verbrachten 457.000 Stunden und damit neun Prozent mehr als im Vorjahr im Stau. Als Ursachen für die Zunahme nennt der Automobilclub eine um 1,3 Prozent gestiegene Kfz-Fahrleistung sowie eine anhaltend rege Bautätigkeit. 2200 Kilometern Autobahn hätten bis 2015 ausgebaut sein sollen. Davon konnte aber, so der Club, bislang nur etwas mehr als die die Hälfte realisiert werden, was zu diesem Stau-Rekord führt.

Kontrollen der Grenzbehörden

Platz zwei der am meisten unter Stau leidenden Autobahnen belegt die A 5 mit 180 Kilometer vor der A 8 mit 177 Kilometer. Der mit Abstand am meisten von Stau betroffene Streckenabschnitt war die A 3, Passau-Linz. Die Ursache dafür sieht man beim ADAC in den Kontrollen der Grenzbehörden bei der Einreise von Österreich nach Deutschland.

Die Kontrollen an anderen österreichisch-bayerischen Grenzübergängen führten zu Staus auf österreichischem Staatsgebiet. Die Kontrollen an der A 3 fänden aber auf deutschem Gebiet statt und verursachten dabei regelmäßig Rückstaus. Als weitere Top-Stauabschnitte machen die Stauforscher die A 3 zwischen Oberhausen und Köln sowie die A 8 von Stuttgart nach Karlsruhe aus.

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Unternehmer bleiben auf Stauschäden sitzen

Das ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC), eine gemeinsame öffentlich-private Institution zur Förderung des Kombinierten Verkehrs, sieht gerade in der Wartezeit im Stau die Quelle für einen nicht zu unterschätzender volkswirtschaftlicher Schaden. Auf den Kosten blieben die Unternehmer oft sitzen. Das Zentrum sieht die Ursache zwar wie der ADAC auch in einer verstärkten Bautätigkeit auf den Autobahnen, aber nicht nur. Seiner Ansicht nach ist auch der verkehrte PKW– und Güterverkehr mit für das steigende Stauaufkommen verantwortlich.

Einstellung zu PKW- und Güterverkehr

Die vielen Baustellen seien ein Beleg für den in den letzten Jahren aufgestockten Verkehrsetat. Es stehe mehr Geld zur Verfügung als früher. Das SPC bewertet diesen Umstand als absolut positiv, auch wenn Baustellen und dadurch verursachte Staus nerven. Änderungsbedarf sieht die Organisation allerdings in der Denkweise über PKW- und Güterverkehr. Dieser werde auch zukünftig weiter wachsen.

Daher sei die jährliche Veröffentlichung der ADAC Staubilanz ein guter Grund darüber nachzudenken, ob Binnen- und Küstenschifffahrt und der kombinierte Verkehr nicht stärker berücksichtigt werden können. Beim SPC ist man sich ziemlich sicher, dass man dies könnte. Geschieht dies nicht, werde auch künftig der ADAC wieder neue Stau-Rekorde zu vermelden haben.

Stau-Rekord auf der A 3 durch Nutzung der Donau vermeidbar

Bereits 2013 hat der Verfasser in dem Buch „Im Fadenkreuz der Libellen-Mafia“ anhand der damaligen Stau-Karte des ADAC auf die vielfältigen Ausweichmöglichkeiten der Gütertransporte auf die Wasserstraße hingewiesen. Die Güterverkehre auf der A 3 allein ließen sich danach um mindestens ein Drittel auf die parallel dazu verlaufende Wasserstraße Donau-RMD-Kanal-Main-Rhein verlagern, zu noch mehr, wenn sich der ADAC 2012 für einen Ausbau der bayerischen Donau zwischen Straubing und Vilshofen stark gemacht hätte.

Mehrere Wochen auf dem Meer

Eine individuelle, durch EDV gestützte Verteilung von Gütertransporten vor allem auf die Wasserstraße, aber auch auf die Schiene wäre jederzeit möglich. Entsprechende Softwareprogramme werden von Dienstleistern des Kombinierten Verkehrs vorgehalten.

Das Problem sind allerdings weniger die Transportunternehmen als viel mehr deren Kunden. Sie tolerieren Transportzeiten von mehreren Wochen auf dem Meer bzw. bis zu den Nordseehäfen. Der anschließende Transport auf dem europäischen Festland kann es für sie dann nicht schnell genug gehen.

Bei ihnen herrscht weitgehend immer noch die längst überholte Vorstellung vor, wenig und schnell ginge am Ende schneller als viel und langsam, sprich: schnellere Lkw-Transporte mit weniger Nutzlast wären schneller als langsamere Transporte mit dem Schiff mit größerer Nutzlast.

Größeres Straßenangebot – größeres Verkehrsaufkommen

Solche Überlegungen stellt der ADAC nicht an. Er plädiert zur Vermeidung baustellenbedingter Staus für eine Aufrechterhaltung der Zahl der Fahrstreifen sowie eine Verkürzung der Bauzeit. An vielen stauträchtigen Stellen ruhten die Arbeiten oftmals lang. Der ADAC weiß dabei sehr wohl, dass ein größeres Platzangebot auf der Straße auch ein entsprechend größeres Verkehrsaufkommen der Straße nach sich zieht – auch egal, wie schnell ein vermehrtes Straßenangebot dann zur Nutzung bereit steht.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)

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