06.12.2022

Nestlé nimmt E-Truck in Betrieb

Mit Elektro-Antrieb emissionsfrei ans Ziel: Nestlé nimmt ersten Volvo E-Truck in Deutschland in Betrieb. Logistik-Partner ist dabei Dienstleister Ansorge aus Biessenhofen, der mit entsprechenden Konzepten bereits weitreichend Vollelektrik im Schwerlastverkehr um 40 Tonnen realisiert.

Nestlé E-Truck

Nachhaltige Logistikstrategie von Nestlé

Der schweizerische Lebensmittelkonzern Nestlé will grüner werden. Bis 2050 die Grüne Null erreichen – an diesem Ziel arbeite man mit Hochdruck. Dazu hat der Konzern die CO2e-Reduktionsstrategie entwickelt. Auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Logistik sieht er sich einen weiteren großen Schritt vorangekommen. Seit November befindet sich eine rein elektrisch angetriebene Sattelzugmaschine von Volvo in der Erprobung bei Logistik-Partner Ansorge. Der Sattelzug wartet mit folgenden Daten auf:

  • maximales Gesamtgewicht von 44 Tonnen
  • Reichweite von 300 km
  • Für intermodalen Verkehr wie auch Belieferung von Kunden mit Sortimenten von Nestlé Waters und Maggi.

Im Vergleich zu herkömmlichen Diesel-Verbrennungsmotoren senke man so die Emissionen an CO2 und Stickoxiden um etwa 80 Prozent. Bei einer Aufladung mit dem aus der eigenen Photovoltaikanlage generierten Strom am Standort Singen wäre der E-Truck sogar komplett CO2e-neutral unterwegs. Damit trage der elektrische Lastwagen zur nachhaltigen Logistikstrategie von Nestlé bei.

Was ist CO2e?

Das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) wird zum Beispiel von Autos und Flugzeugen ausgestoßen und trägt zur Erderwärmung bei. Für die CO2-Ermittlung werden die einzelnen Werte nicht täglich und überall gemessen, sondern auf Basis von bestehenden Daten aus der Vergangenheit und Standards berechnet. Kohlenstoffdioxid ist das dominierende Treibhausgas, welches aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, der industriellen Produktion und der Landnutzung stammt.

Es ist nicht das einzige Treibhausgas, das den Klimawandel antreibt. Daneben gibt es weitere sieben Treibhausgase wie u.a. Methan (CH4) und Lachgas (N2O) etc., deren Wirkung auf die Erwärmung der Erdatmosphäre in die äquivalente Menge von CO2 umgerechnet wird, damit die Erwärmungswirkung eines Treibhausgas-Gemisches durch eine einzige Zahl angegeben werden kann. Für diese Umrechnung und Einbeziehung steht der Begriff „CO2e“ für „CO2 equivalent“ als eine Maßeinheit, die den Effekt aller Treibhausgase aufs Klima vergleichbar machen will. Die wichtigsten Gründe dafür sind Transparenz und Vollständigkeit.

Methan 25-mal schädlicher als Kohlendioxid

Für die Berechnung vergleicht man die Wirkung einer Tonne CO2 mit der von einer Tonne Methan – meistens über einen Zeitraum von 100 Jahren. Eine Tonne Methan ist rund 25-mal klimaschädlicher als eine Tonne CO2. Eine Tonne Methan entspricht also etwa 25 Tonnen CO2e.

Noch stärker wirkt Lachgas, das beispielsweise durch stickstoffhaltigen Dünger verursacht wird. Es ist etwa 300-mal so klimaschädlich wie Kohlenstoffdioxid. Eine Tonne Lachgas entspricht damit etwa 300 Tonnen CO2e. Für den CO2e-Fußabdruck des Produkts bedeutet dies, dass alle Treibhausgase einbezogen werden, die während des gesamten Lebenszyklus des Produkts entstehen, also emittiert wird: von der Herstellung der Rohstoffe bis zum Ende der Lebensdauer des Produkts.

Weniger Emissionen im Transport

Matthias Fleischer, Direktor Supply Chain und IT bei Nestlé Deutschland, erwartet von dem ersten E-Truck seines Unternehmens weniger Emissionen im Transport.

„Durch moderne, intermodale Transportkonzepte und nachhaltige Antriebstechnologien leisten wir unseren Beitrag, um unser globales Ziel von Netto Null Emissionen bis 2050 zu erreichen“, so Fleischer.
Neben dem Ausbau der Flotte an E-Trucks setze Nestlé zudem auf andere Technologien wie etwa Antriebe auf Bio-Gas- und Wasserstoffbasis. „Diese sind bereits im Einsatz und werden in engem Austausch mit unseren Logistik-Partnern kontinuierlich ausgebaut”, ergänzt Björn Stammer, Leiter Logistik bei Nestlé Deutschland.

Null Emission im Güterverkehr

Der Weg zu null Emission im Güterverkehr könne nur durch alternative Antriebstechniken weiter beschleunigt werden, gibt sich Wolfgang Thoma, geschäftsführender Gesellschafter bei der Spedition Ansorge Logistik GmbH & Co.KG in Biessenhofen, überzeugt. „Deshalb ist der Einsatz von Gas- und E-Fahrzeugen in unserem Fuhrpark gelebte Praxis und in Verbindung mit dem intermodalen Verkehr von höchstem Stellenwert“, so Thoma. In den nächsten 15 Monaten will das Unternehmen die LKW-Flotte um neun weitere E-Trucks erweitern. Durch die Nutzung des Kombinierten Verkehres in großem Umfang, d.h. die Verlagerung des Transportes von der Straße auf die Schiene will Ansorge einen aktiven Beitrag zur Senkung der CO2-Emission leisten.

Reduzierungen der Dieselverbräuche

Zusätzliche Reduzierungen der Dieselverbräuche erreicht das Unternehmen eigenen Angaben zufolge durch Einsatz moderner Motorentechnologie in Kombination mit regelmäßigen Fahrerschulungen im Bereich ökonomischer Fahrweise. Seit Februar 2012 nimmt es deutschlandweit mit zwei Lang LKW am „Feldversuch Lang-LKW“ teil und reduziere mit dieser Fahrzeugkombination die Dieselverbräuche pro Palette sowie die CO2-Emissionen um bis zu 30 Prozent.

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Elektromobilität hält im Schwerlastverkehr immer mehr Einzug. Mit einer Elektrozugmaschine Marke Terberg wickelt Ansorge bereits die  Produktionsver- und -entsorgung eines Unternehmen in unmittelbarer Umgebung ab. Emissionsfrei und lärmarm erfolgten die ökologischen Transporte. Weiterhin konzipiert Ansorge einen Schwerlast-LKW (40/44 to), gemeinsam mit MAN und Sensor-Technik Wiedemann aus Kaufbeuren. Größere Reichweite  soll weitere Transportstrecken und -felder eröffnen, z.B.  die vollelektrische Abdeckung der Vor- und Nachläufe zum Kombinierten Verkehr vollelektrisch.

Wege in klimafreundlichere Zukunft

Erstmals öffentlich vorgestellt wurde der E-Truck Ende Oktober 2022 auf der Roadshow der European Clean Trucking Alliance (ECTA) in Brüssel. Dort unterzeichnete Nestlé eine gemeinsame Erklärung mit anderen Industrievertretern und Transportbetreibern, die eine ehrgeizige EU-Politik zur Dekarbonisierung des EU-Straßengüterverkehrs fordert.

Nestlé Waters ist das Unternehmen als Beispiel für die intelligente Kombination unterschiedlicher Verkehrsträger. S.Pellegrino und Acqua Panna transportierten ihr Mineralwasser von Italien nach Deutschland größtenteils mit der Bahn. Sie legen insgesamt 84 Prozent der gesamten Strecke mit dem Zug zurück. Verglichen mit dem herkömmlichen LKW-Transport reduziert sich der CO2e-Ausstoß so den Angaben zufolge um durchschnittlich 8.300 Tonnen pro Jahr.

Durch die Verwendung alternativer Antriebe ließen sich die Emissionen im Vor- und Nachlauf weiter deutlich senken. Die Umstellung auf erneuerbare Energien und der Einsatz emissionsarmer, nachhaltiger Antriebstechnologien im Verkehrssektor stand ebenfalls auf der Agenda der Weltklimakonferenz COP27 im ägyptischen Scharm El-Scheich unter Teilnahme Nestlés.

Kürzere Transportwege, effiziente Fahrzeugauslastung

Nestlé fokussiert global auf Nachhaltigkeit: Bis 2030 will das Unternehmen durch Maßnahmen allein im Bereich Logistik rund 3,5 Millionen Tonnen CO2e eingespart werden. Ziel bis 2050 ist die „Grüne Null“. Neben der Umstellung auf Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen setzt Nestlé auch auf optimierte Logistikprozesse und nachhaltige Lagerstandorte.

So will Nestlé ab 2023 Kunden in Deutschland mit Kaffee und Schokolade aus einem neuen, zentral gelegenen Distributionszentrum beliefern und dadurch Transportkilometer verringern. Der sogenannte „Multicube Osthessen“ in Bad Hersfeld des Logistikpartners Pfenning Logistics befindet sich im Bau und soll als CO2e- neutrales Lager hohe Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Beides trage dazu bei, CO2e-Emissionen bedeutsam zu vermeiden.

Baustein regenerative Landwirtschaft

Ein weiterer Baustein in der Nestlé-Strategie hin Richtung Nachhaltigkeit ist die Landwirtschaft. Die dabei angewendeten Methoden wie beispielsweise Winterzwischenfrüchte sollen helfen:

  • Fruchtbarkeit von Böden erhalten
  • Abbau des Humusanteils verhindern.

Nestlé hat die digitalen Kommunikationskampagne „Mission Klimaböden“ gestartet, mit der das Unternehmen die Komplexität an einem echten Boden-Projekt in Deutschland erklären will. Sie soll zeigen, wie wichtig regenerative Landwirtschaft ist. Nestlé Deutschland greift auf die Kooperation EU Life- „Insektenfördernde Regionen“ zurück mit:

  • Global Nature Fund,
  • Netzwerk Blühende Landschaften
  • Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall ist Partnerin
  • Bodensee Stiftung gesteuerten.

Konkrete Maßnahmen sollen dabei:

  • neuen Lebensraum für Insekten schaffen,
  • Biodiversität fördern
  • Böden zu schützen.

Die Digitalkampagne „Mission Klimaböden“ soll die Ansätze im Bereich Acker- und Grünlandbewirtschaftung erklären. „Maßnahmen wie Winterzwischenfrüchte, Brachflächen und Blühstreifen sollen die Natur gezielt bei der Erhaltung und langfristigen Wiederherstellung ihrer natürlichen Ökosysteme unterstützen. Blühstreifen verhindern beispielsweise Bodenerosionen und bieten einer Vielzahl an Insekten neuen Lebensraum, darunter auch Nützlingen, die unter anderem den Pestizideinsatz verringern können“, erklärt Andrea Schwalber, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Nestlé Deutschland.

Ausflug nach „Treibhausen“

Ein Highlight der Nestlé Deutschland Kampagne „Mission Klimaböden“ sind die Dorfbewohner des fiktiven Ortes „Treibhausen“. Mithilfe kurioser Methoden sagen sie dem Klimawandel den Kampf an. Auf amüsante und dennoch informative Weise zeigen sie, wie sich Treibhausgasemissionen durch regenerative Landwirtschaft vermeiden lassen. Bei der Digital-Kampagne liegt der Fokus auf dem Videoportal YouTube mit einer Reihe von Kurzvideos. Der Algorithmus bevorzugt automatisch das Video, das am besten bei den Nutzern ankommt. Das Unternehmen setzt zudem auf die beiden neuen Formate „Screen on Demand“ und „Smart Stream“, welche die native Einbindung der Videos auf Webseiten ermöglicht. Zusätzlich werden die Assets organisch auf die Nestlé Deutschland Social-Media-Kanäle Instagram und LinkedIn verlängert.

Klimaziele gemeinsam erreichen

Praxiserfahrungen mit nachhaltiger Acker- und Grünlandbewirtschaftung werden aktuell auch auf der mit verschiedenen Partnern gemeinsam gestarteten „Klima-Milchfarm“ in Nordhessen gesammelt. Landwirt Mario Frese hat Blühstreifen auf seinen Äckern angelegt und ein Triticale-Wintererbsen-Gemenge angebaut, was die Fruchtbarkeit seines Bodens erhöht. Um einen Abbau von Humusschichten zu vermeiden und bestenfalls deren Aufbau zu fördern, müssen in Zukunft weitere unterschiedliche Methoden getestet werden. Gesunde Böden leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und verlangen die Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)