02.10.2019

Nachwuchs: Cargounternehmen bilden verstärkt aus

Alle reden über Nachwuchsmangel – Cargounternehmen nicht. Sie bilden aus. Während deutsche Unternehmen 2019 Erfolge bei der Einstellung von Auszubildenden melden, hat man beispielsweise in Österreich Nachwuchssorgen. Dort wirbt man im Internet für die Branche.

Hilft gegen Fachkräftemangel in der Logistikbranche: Berufsausbildung der Cargounternehmen

Ausbildung in umsatzstarken Niederlassungen

Das Cargounternehmen Quick-Cargo-Service ist Spezialist für See- und Luftfracht. Außerdem erweist es sich als beliebter Ausbildungsbetrieb. Derzeit beschäftigt das Unternehmen laut einer Mitteilung an die Presse 38 Auszubildende. Im neuen Ausbildungsjahr 2019/2020 kamen demnach 14 Auszubildende hinzu.

Die meisten Auszubildenden fördert man in den größten und umsatzträchtigsten Niederlassungen: In Frankfurt sind es zwölf Auszubildende und in der Hamburger Seefracht elf an der Zahl.

Auszubildende sind Führungskräfte von morgen

Ausbildung genießt im Unternehmen einen hohen Stellenwert. „Auszubildende sind die Führungskräfte von morgen“, ist Firmenchef Stephan Haltmayer überzeugt. Schon mehrfach habe man Auszubildende als Jahrgangsbeste auf Länderebene geehrt, beispielsweise im Frühjahr 2019 in München. 2017 habe es einen Jahrgangsbesten in Hamburg gegeben. Der junge Mann sei mittlerweile Assistent des Niederlassungsleiters.

„Uns ist es wichtig, unsere Nachwuchskräfte zu fördern und letztendlich so auch Deutschland als Ausbildungsstandort weiter zu festigen“, bekräftigt Haltmayer.

Der Hamburger Niederlassungsleiter Ingo Schmich weist auf Nachteile für Unternehmen hin, die beispielsweise aus Kostengründen die Berufsausbildung vernachlässigen. Er ist der Meinung, dass solche Firmen

  • ihrer Personalplanung die Basis entziehen,
  • sich mittelfristig beträchtliche Kostennachteile einhandeln und
  • langfristig auf den Nachwuchsmärkten an Vertrauen verlieren.

Logistik-Bachelor bei Quick-Cargo Hamburg

Das Cargounternehmen Quick Cargo Hamburg bietet Abiturienten darüber hinaus die Möglichkeit des Logistik-Bachelors. Das ist ein seit zwölf Jahren etabliertes, ausbildungsintegriertes Studienangebot der Hamburger Fern-Hochschule in Kooperation mit dem Verein der Hamburger Spediteure, dem Akademie Hamburger Verkehrswirtschaft und der Beruflichen Schule für Spedition, Logistik und Verkehr.

„Vorteil im Vergleich zu einem herkömmlichen Studium ist der enge Praxisbezug. Der akademische Anteil wird eng mit den Inhalten der innerbetrieblichen Ausbildung und des Berufsschulunterricht abgestimmt. Für das Wintersemester 2020 suchen wir derzeit noch einen Auszubildenden“, erläutert Schmich.

Auch die Internationalität spielt bei dieser Ausbildung eine immer größere Rolle. Daher bietet man Auszubildenden seit kurzem die Möglichkeit eines Auslandsaustauschs mit einem der unternehmenseigenen ausländischen Stationen, ergänzt Schmich.

Cargounternehmen ist führende inhabergeführte Spedition

Quick-Cargo-Service (QCS) zählt zu den führenden inhabergeführten Iata-Speditionen. Luft- und Seefracht sind die beiden Kern-Handlungsfelder des Unternehmens. In Hamburg unterhält es ein eigenes Seefrachtterminal mit umfangreichen Lager- und Konsolidierungsmöglichkeiten. Im Bereich Luftfracht ist es Partner für weltweite Sendungen. Der Logistiker ist mit zehn Büros an den wichtigsten Standorten Deutschlands präsent und hat weitere Dependenzen in Amsterdam, Rotterdam, London, Basel, Zürich, Kopenhagen und Warschau.

Das Portfolio von QCS reicht von Luftfracht- und Seefracht-Transporten über Healthcare und Aerospace bis zu Projektgeschäften. Das Cargounternehmen ist Mitglied im Bundesverband Spedition und Logistik, Iata und der Internationalen Vereinigung der Spediteure Fiata.

Nachwuchsmangel im Transportgewerbe: Beispiel Österreich

Dabei ist die Branche nicht unberührt vom allgemeinen Nachwuchsmangel. Und das trotz boomendem Güterverkehr, wie die österreichische „Presse“ berichtet. Einschlägige Studien rechnen für Europa mit einer Wachstumsrate von rund 30 Prozent bis zum Jahre 2030. Spediteure und Frachtunternehmen blicken dem Bericht zufolge mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf diese Zahlen. Wie viele andere Branchen leiden auch sie unter einem Fachkräftemangel.

Beispiel Österreich: In Oberösterreich und Salzburg finden sich Speditionsfachleute auf der Mangelberufs-Liste 2019.

„Wir haben tatsächlich Schwierigkeiten, entsprechende Mitarbeiter zu finden“,

bestätigt Gritta Grabner, Geschäftsführerin des österreichischen Fachverbandes Spedition und Logistik. Heiß begehrt seien unter anderem Mitarbeiter in der Lkw-Disposition, Speditionskaufleute und -logistiker sowie Zolldeklaranten. Wie viele Mitarbeiter tatsächlich gesucht würden, sei schwer einzuschätzen, zitiert die „Presse“ Grabner.

Verwechslung von Spedition und Transport

Grabner führt das fehlende Interesse potenzieller Mitarbeiter u.a. darauf zurück, dass Berufsein- oder Umsteiger oft falsche Vorstellungen von der Branche hätten. Viele verwechselten Spedition mit Transport. Vor kurzem starteten der Fachverband und die Gewerkschaft der Privatangestellten in der Alpenrepublik die Initiative www.gibdirdenkick.at. Damit wolle man diesen Irrtum aufklären und für eine Tätigkeit in der Branche werben.

„Wir wollen den Jugendlichen, aber auch bereits im Berufsleben stehenden Personen zeigen, was wir zu bieten haben“, sagt Grabner.

Ein virtuelles Spiel soll Lust auf das Speditionswesen machen; anhand eines Tests können Interessierte ihre Eignung überprüfen. Bereits im Beruf stehende Lehrlinge können sich außerdem mit Hilfe einer App auf die Lehrabschlussprüfung vorbereiten.

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)