07.04.2020

Nachschub an Toilettenpapier weiterhin schleppend

Toilettenpapier – das weiße Gold, wie es in Zeichen von Corona mittlerweile genannt wird. In den Läden kommen die Einsortierer nicht nach: kaum eingeräumt, räumen die Kunden die Six-Packs schon wieder aus. Derweil arbeiten die Klopapier-Hersteller rund um die Uhr.

Toilettenpapier

Tacos, Tapas & Tequila oder Toilettenpapier

Weltweit reibt man sich die Augen: in Mexico etwa richten Hamstereinkäufer in den Supermärkten ihr Augenmerk auf Tacos, Tapas & Tequila – in Deutschland auf Toilettenpapier.

Ein Mexikaner sarkastisch: „Von Corona dereinst hingerafft, liegen wir gesättigt, die Deutschen mit sauberem Hinterteil im Sarg.“
In zahlreichen Märkten ging hier Toilettenpapier bereits nach wenigen Wochen aus. Ganze Regalreihen standen leer, wie Redakteursbesuche von „eurotransport.de“ bei etlichen Märkten durch Fotos dokumentiert hätten.

Die Drogeriemarktkette dm etwa räumte demnach gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“ beim Bedarf nach Toilettenpapier eine erhöhte Nachfrage ein.

Man reagiere darauf, „indem unsere Partner in der Industrie die Produktion erhöhen und für dm beispielsweise zusätzliche Produktionsstraßen einrichten“, wie die Zeitung dm-Chef Christoph Werner zitiert.
Insgesamt liefere sein Unternehmen derzeit etwa doppelt so viele Paletten aus wie sonst um diese Zeit. Sie müssten in den Verteilzentren allerdings auch verarbeitet werden.
„Darum fahren wir in unseren Verteilzentren derzeit Sonderschichten“, so Werner.
Samstags werde statt an zwei Schichten rund um die Uhr, auch an Sonntagen gearbeitet.

Die Versorgung ist sicher

„Die Versorgung ist sichergestellt“, teilt ein Sprecher der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, mit. Es habe Hamsterkäufe gegeben. Es könne schon mal ein bis zwei Tage dauern, ehe der Nachschub rolle. Unter Volllast arbeiteten die Maschinen beim Hygienepapier-Hersteller Essity in Mannheim. Er stellt zum Beispiel Zewa-Klopapier oder Tempo-Taschentücher her. Auch hier liefen die Anlagen an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr. In Deutschland gebe es 16 Hersteller von Toilettenpapier, in praktisch jeder großen Papierfabrik werde rund um die Uhr produziert. 750.000 Tonnen Toilettenpapier verbrauchten die Konsumenten in Deutschland demnach im Schnitt pro Jahr. Die Logistik übernimmt eine zentrale Versorgungsfunktion, wie die Grafik der „Wirtschaftsmacher“ anhand der komplexen Lieferkette für Toilettenpapier zeigt.

Lieferkette für Toilettenpapier
Lieferkette für Toilettenpapier

Industrie produziert rund um die Uhr

Der Run auf das weiße Gold sei einmalig in Deutschlands jüngerer Vergangenheit, kommt auf „eurotransport.de“ der Gebietsleiter einer Discounterkette im süddeutschen Raum zu Wort. Er sieht die Ursache dafür weder bei der Industrie noch den Transporteuren. „Die Kunden scheinen verrückt geworden zu sein!“, sagt er. Niemand denke mehr nach. In allen Ländern bleiben ungeachtet aller Einschränkungen die Lebensmittelläden geöffnet. Die Industrie produziere absolut ausreichend Papier, die Lkw führen rund um die Uhr. Die Lebensmittelkette arbeite mit einem automatisierten Nachbestellsystem, das mit den langfristig gewonnenen Erfahrungswerten für ihre Produktgruppen gefüttert werde.

Darauf abgestimmt seien auch die gebuchten Frachträume bei den Logistikern und auch die Lagerkapazitäten in den Filialen. Um möglichst vielen Kunden über die gesamte Öffnungszeit eine normale Menge anbieten zu können, gehen viele Märkte mittlerweile dazu über, leergeräumte Regale nur noch in Schüben aufzufüllen.

Logistik-Initiative „die Wirtschaftsmacher“ gegen Coronavirus

Logistik leistet einen essenziellen Beitrag für die zuverlässige Versorgung von Industrie, Handel und Bürgern. Darauf weist die Loigistiker-Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ hin. Ihr gehören über 100 Unternehmen, logistiknahe Verbände, Vereine und Medien an von Airbus oder BMW und VW bis hin zu Handelsunternehmen wie Edeka oder Logistikdienstleister wie BLG, Duvenbeck, ITG, Kühne + Nagel, LGI, Loxxess, Meyer Logistik, Seifert Logistics oder Zufall, aber auch Verbände und Netzwerke wie die Air Cargo Community Frankfurt oder die Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL).

Die Initiative ist zumal in der gegenwärtigen durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelösten Krisensituation offen für zusätzliche Unterstützer.

Geänderte Bedürfnisse der Menschen

Durch die Corona-Pandemie änderten sich die grundlegenden Bedürfnisse und Anforderungen der Menschen an ihre tägliche Grundversorgung, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative. Die Logistik übernehme eine zentrale Schlüsselfunktion, um diesen veränderten Rahmenbedingungen an Waren- und Lieferketten, der Verfügbarkeit sowie der Bereitstellung wichtiger Güter Rechnung zu tragen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)