10.07.2019

Nachhaltigkeit im Einkauf: auch im Mittelstand machbar

Alle Nachhaltigkeit steht still, wenn der starke Arm des Einkaufs es will. Oder: Der Einkauf sitzt am Hebel für Nachhaltigkeit im Unternehmen. Auf diesen Nenner lässt sich bringen, was das BME-Fachmagazin „BIP-Best in Procurement“ zur Nachhaltigkeit im Einkauf zusammengetragen hat.

Zum Status quo der Nachhaltigkeit im Einkauf hat der BME jetzt das Fachmagazin mit dem Titel "BIP-Best in Procurement" herausgebracht.

Nachhaltigkeit: Einkauf sitzt am längsten Hebel

Der Einkauf bestimmt, was an nachhaltigen Produkten ins Unternehmen gelangt, egal ob sie weniger Ressourcen verbrauchen, erneuerbare Energien verwenden oder Gefahrstoffe in der Produktion vermeiden helfen.  Wie die Nachhaltigkeit im Einkauf aussehen kann und was der Einkauf alles mit seinen Entscheidungen beeinflusst, das zeigt jetzt das BME-Fachmagazin „BIP-Best in Procurement“ in einem Schwerpunktthema und macht es an konkreten Best-Practice-Beispielen fest.

Bezug von „BIP-Best in Procurement“

Das Heft ist beim BME zu beziehen auf www.bme.de.

Nachhaltigkeit im Einkauf hat außerdem eine soziale Dimension. Der Einkauf beeinflusst mit seinen Entscheidungen auch, ob die Menschenrechte eingehalten werden

  • entlang aller Stufen der Wertschöpfungsketten,
  • bei den Arbeitsbedingungen,
  • bei der Entlohnung,
  • bei der Bildung oder
  • beim Generationendenken.

Zusammen für Nachhaltigkeit

Unternehmen wie Evonik, Airbus und VW sowie der Mittelständler Dibella gehen dem Bericht zufolge zielstrebig in Richtung Nachhaltigkeit im Einkauf. Gemeinsam mit 22 weiteren Unternehmen sind sie Mitglied in der Brancheninitiative „Together for Sustainability“. Evonik-Nachhaltigkeitschef Stefan Haver sieht insbesondere den Einkauf als Schnittstelle für ein stärkeres Umweltbewusstsein.

„Wir haben erkannt, dass der Einkauf den größten Impact für Nachhaltigkeit in unserem Unternehmen hat“, zitiert die Zeitschrift Haver.

Verantwortung für Nachhaltigkeit im Einkauf bei Airbus

Flugzeugbauer Airbus hat unter dem Namen „Supplier Responsibility and Sustainability“ ein System der Lieferantenentwicklung aufgesetzt. Teil der Bewertung ist eine Risikoabschätzung der Lieferanten hinsichtlich Nachhaltigkeit oder das Nachhaltigkeitsengagement potenzieller Lieferanten.

„Ich kann nur sagen, dass unsere Produkte nachhaltig sind, wenn wir uns auch um die 80 Prozent der Wertschöpfung in der Supply Chain kümmern“, erklärt Airbus-Nachhaltigkeitschef Matthias Gramolla in dem Blatt.

Wertschöpfungsanalysen bei Evonik

Evonik führt demnach ebenfalls bereits regelmäßig Wertschöpfungskettenanalysen durch. Gemischte Teams durchleuchten für einzelne Produktgruppen und Geschäftsbereiche des Unternehmens die Wertschöpfung von der Rohstoffquelle bis hin zum Recycling.

Seit 1. Juli 2019 bewertet Volkswagen die Nachhaltigkeitsperformance der Lieferanten in diesen Bereichen:

  • Umwelt
  • Soziales
  • Integrität

Nur mit einem positiven Rating sei die Vergabe möglich.

Nachhaltigkeit auch im Mittelstand möglich

Im Mittelstand sei ebenfalls eine nachhaltige Wertschöpfungskette machbar. Als Beispiel führt der Bericht das Textilunternehmen Dibella an. Es hat die Lieferkette vom Kleinstbauern der Baumwolle bis zum Hotelgast, der die Textilien benutzt, visualisiert und Schritt für Schritt in einzelnen Stufen entwickelt. Geschäftsführer Ralf Hellmann betont, dass Nachhaltigkeit im ersten Schritt immer mit höheren Preisen verbunden sei.

Sozialschulungen beim Lieferanten

Doch das bedeute keine Sackgasse: Ein Ausweg aus der Preisspirale seien Sozialschulungen beim Lieferanten. Sie könnten die Produktivität steigern.

„Oft lassen sich beim Lieferanten gemeinsam auch bestehende Prozesse verbessern, sodass einer Preiserhöhung entgegengewirkt werden kann“, erklärt Yvonne Jamal, Vorstandsvorsitzende vom Jaro-Institut e.V.

Andere Einkäufer wiederum verabschieden sich punktuell vom Preisdiktat. So werde Nachhaltigkeit zu einem Performance-Kriterium – neben Qualität, Lieferzeit und Kosten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)