17.06.2021

Nachhaltige Produktion von Kunststoffen aus Lemgo

Digital und nachhaltig – so soll nach Willen der Politik Kunststoff zukünftig hergestellt sein. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert zu diesem Zweck mit zwei Millionen Euro ein KI-Reallabor bei dem Spitzencluster Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe.

Nachhaltige Produktion von Kunststoffen

Nachhaltige Produktion von morgen

Technische Innovation und Umweltschutz passen durchaus zueinander. Das zeigt „Cuna“, ein Startup aus Mettmann. 2018 gegründet, stellt die Cuna Products GmbH Mehrwegbecher aus CO2-neutralem, pflanzlichen Material her – mit einem nachhaltigen Konzept und einer zukunftsfähigen Produktidee:

  • Becher aus einem Bio-Kunststoff,
  • Ohne Verwendung von Öl hergestellt,
  • Wiederverwendbar,
  • Recyclingfähig in einem eigens von Cuna organisierten Recyclingkreislauf.

Der Materialkreislauf entsteht über den Rückfluss von genutzten Bechern des Poolsystems. Die ökologischen Mehrwegbecher mit dem Cuna-Markenzeichen, einem Blumensymbol, kommen u.a. als Pfandsystem in der Gastronomie zum Einsatz.

Auswahl für Realproduktion

Das Produkt hat die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Fraunhofer IOSB-INA überzeugt. Diese erforschen im Rahmen des seit Anfang 2020 vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Projekts „KI Reallabor“ für Künstliche Intelligenz (KI) in der industrielle Datenwirtschaft. Dafür suchte das Forschungsinstitut aus Lemgo Produktionspartner für den Aufbau einer Realproduktion in der SmartFactoryOWL, einer gemeinsamen Initiative des Fraunhofer IOSB-INA und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL). Gründe für die Suche nach einer realen Produktion:

  • Umsetzung datengetriebener Anwendungsfälle gemeinsam mit der Plattform „Industrie 4.0“
  • KI-Lösungsanbietern reale Industriedaten offen für die Forschung und Entwicklung industrieller, datenbasierter Lösungen zugänglich machen.

Seit 2016 bringt die SmartFactoryOWL Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammen. Sie entwickelt Lösungen für die Fabrik der Zukunft in der Interaktion zwischen Mensch, Maschine und Produkt. Die Realproduktion wird auch für Besucher der SmartFactoryOWL zugänglich sein.

Zehn Partner für Cuna

Jetzt stellen Cuna und das Fraunhofer IOSB-INA in einer Kooperative aus zehn Partnern eine datengetriebene Fertigung auf die Beine. Hierbei unterstützen sie namhafte Unternehmenspartner, wie z.B.:

  • Der mittelständische Kunststoffverarbeiter Hadi-Plast GmbH & Co. KG: Produktionsleitung und Betrieb der Fertigung in der SmartFactoryOWL, Expertise in der Spritzgussfertigung.
  • Maschinenhersteller Arburg aus Loßburg: Gesamtkonzeption und Integration der Anlagentechnik
  • Robotik-Hersteller Kuka
  • Automatisierungsspezialist fpt Robotik
  • Barth Mechanik GmbH
  • REA Elektronik GmbH: individualisierte Beschriftung der Becher per Laser
  • Der Herforder Mittelständler digicolor GmbH: Hersteller von Granulattrocknern und Farbsystemen, Organisation der Materialversorgung.

Wertschöpfungskette nach Industrie 4.0

Mit dieser vollständig abgebildeten Wertschöpfungskette von Komponentenhersteller über den Betreiber der Produktion bis zum Kunden sei  die Herstellung der Becher in der SmartFactoryOWL nach Industrie 4.0 ausgerichtet. Das Projekt soll zu einem Experimentierfeld für Technologien der Industrie 4.0 und Künstlichen Intelligenz werden. Schneller und agiler Technologietransfer und -integration von gemeinsam entwickelten Lösungen bilden die Grundlage der Zusammenarbeit dieser Produktion in der SmartFactoryOWL. Mit dieser Infrastruktur hoffen die Väter des Projekts, die Zukunft der industriellen Datenwirtschaft mit offenen Daten, Simulationen und Algorithmen vorzubereiten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)