06.05.2021

Mittelrhein-Bahn fährt nach Felsrutsch wieder eingleisig

Ein Felsrutsch Mitte März bereitete dem Bahnverkehr im Mittelrheintal ein vorläufiges Ende. Der Abschnitt gehört zu der wichtigen EU-Trasse Genua-Rotterdam. Der Verkehr wurde seither umgeleitet. Die Anwohner haben die Ruhe genossen. Seit 1. Mai rollen die Züge wieder.

Mittelrhein-Bahn

Mit am meisten befahrene Trasse in Europa

Die Trasse ist eine der meistbefahrenen in Europa. Seit dem frühen Samstagmorgen ist sie eingleisig wieder für den Verkehr frei. Das bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bahn dem Südwestrundfunk (SWR). Dem Sender zufolge hat das Unternehmen:

  • einen sechs Meter hoher und 100 Meter langen Schutzwall laut Bahn nur kurzfristig aus Sicherheitsgründen errichtet,
  • alten Schotter entfernt
  • neue Gleise eingebaut und verschweißt
  • die Oberleitungsanlage instandgesetzt
  • einen Masten erneuert
  • an 620 Felsankern Hangnetze befestigt.

Das zweite Gleis benötigt die Bahn zunächst weiter für den Abtransport von Geröll und Gesteinsresten. Ab Sonntag, den 9. Mai 2021, sollen Züge die Mittelrheinstrecke wieder komplett befahren können.

Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam

Die rechtsrheinischen Gleise sind Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam. Am 15. März 2021 waren in Kestert tonnenschwere Schieferplatten von einem Steilhang unter anderem auf die Schienen gekracht. Die Bahn habe die Geröllmasse auf 13.000 bis 16.000 Kubikmeter geschätzt. Verletzte habe es nicht gegeben.

Seitdem hatte die Deutsche Bahn den Hang im Welterbe Oberes Mittelrheintal mit großem Aufwand gesichert. Dazu zählten Sprengungen von gelockertem Gestein. Dort sind in den vergangenen sieben Wochen nur noch regionale Personenzüge gefahren. Die meisten Güterzüge hatte sie linksrheinisch umgeleitet. Dort fahren sonst überwiegend nur Personenzüge. Diese Züge verursachen weniger laute Geräusche als die Güterzüge.

Proteste der Anwohner gegen Lärm

Gegen die durch die Züge verursachte Lärmbelästigung protestieren Anwohner seit Jahren. Den Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Pro-Rheintal“, Frank Groß, zitiert der Bericht im Zusammenhang mit dem Bahnlärm im Mittelrheintal mit „Mord auf Raten“.

Güterzüge dürften seiner Ansicht nach nachts gar nicht mehr oder nur noch langsam fahren. Tagsüber sollten sie nicht mehr mit hohem Tempo durch Orte dicht an Häusern fahren. Die Bahnstrecken beiderseits des Mittelrheins sind schon vor mehr als eineinhalb Jahrhunderten mit engen Kurven gebaut worden. Kritiker halten sie für überlastet.

Die Deutsche Bahn verweist demgegenüber auf Maßnahmen zur Abhilfe wie:

  • Schallschutzwände im Mittelrheintal
  • flächendeckende Umrüstung auf leisere Waggons
  • Einbau von Bremssohlen aus Verbundstoff
  • Laufflächen der Räder nicht wie bei alten Bremsklötzen aus Grauguss aufgeraut; glatte Räder auf glatten Schienen rollten laut Bahn leiser.

Seit Ende 2020 seien besonders laute Güterwaggons in Deutschland verboten. Nicht alle ausländischen Bahnunternehmen haben jedoch rechtzeitig auf Flüsterbremsen umgerüstet, heißt es in dem Bericht des SWR.

Alternative Tunnel durch Westerwald und Taunus

Im Rahmen des aktuellen Forschungsauftrages zur Machbarkeit einer leistungsfähigen Alternativstrecke für den Güterverkehr lässt das Bundesverkehrsministerium nach möglichen Trassenalternativen suchen, um die Belastung im Mittelrheintal durch den Güterzugverkehr zu reduzieren. Schon seit längerem im Gespräch ist dabei ein mehr als 100 Kilometer langes Tunnelsystem abseits des Rheins durch Westerwald und Taunus. Seine Umsetzung würde Milliarden kosten, seine Eröffnung wohl Jahrzehnte dauern.

Alternative Rhein für Politik keine Alternative

Offenbar nicht in Erwägung wird dabei die Möglichkeit, die transportierende Wirtschaft zumindest einen Teil der Transporte, wo dies möglich und sinnvoll wäre, von der Schiene auf die Wasserstraße Rhein zu verlagern. Der Fluss böte ein Vielfaches an Transportkapazität der maximal möglichen auf der Schiene.

Während jedoch die Politik nicht müde wird, zumindest verbal der Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf die Schiene das Wort zu reden, ist der nächste Schritt einer Verlagerung von beiden, Straße und Schiene, auf das Wasser nahezu vollkommen aus dem Sprachschatz der Politik verschwunden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)