16.11.2018

Milcheinkäufe: EU zeigt sich mit Wiederverkauf zufrieden

Milchseen und Butterberge sind Angstszenarien der EU seit ihrem Bestehen. Auch jetzt noch. 2015 hatte die Gemeinschaft massenweise Magermilchpulver eingekauft. Sie wollte damit die Preise stützen. Jetzt meldet sie den Verkauf von Restbeständen – ohne negative Folgen.

2015 hatte die Gemeinschaft massenweise Magermilchpulver eingekauft. Sie wollte damit die Preise stützen.

Milcheinkäufe weitgehend in Verkehr gebracht

380.000 Tonnen Magermilchpulver – so viel Milcheinkäufe hatte die EU 2015 getätigt. Die Hälfte davon habe man seither wieder in den Verkehr gebracht. Die Erholung des Milchsektors sei dadurch nicht gefährdet, heißt es in einer Mitteilung der EU-Kommission an die Presse. Der letzte Verkauf von 30.000 Tonnen fand am 8. November statt. 190.000 Tonnen seien bereits verkauft. Die Preise für Milch wie für Magermilchpulver hätten sich laut EU-Preisbericht für den Milchmarkt von voriger Woche verbessert.

EU-Interventionen wichtig für Stabilisierung der Märkte

Die von der Europäischen Kommission verwalteten öffentlichen Interventionen spielten eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Märkte zwischen 2015 und 2017. Die Milcheinkäufe hätten dazu beigetragen, Überschüsse in einem außerordentlich unausgewogenen Szenario zu beseitigen. Die Kommission hatte Ende 2016 mit monatlichen und später halbjährlichen öffentlichen Ausschreibungen begonnen, um diese Bestände schrittweise wieder auf den Markt zu bringen. Dieser Prozess wird online im Portal der Milchmarktbeobachtungsstelle dokumentiert.

Die nächste Ausschreibung findet am 22. November statt. Die Kombination aus einer robusten Nachfrage nach Milcherzeugnissen und einem begrenzten und verantwortungsbewussten Produktionswachstum führe dank sorgfältiger Bewirtschaftung der Bestände seitens der Kommission zu wettbewerbsfähigen Preisen für die Erzeuger. Der Milchsektor macht mehr als die Hälfte des derzeitigen EU-Agrarhandelsüberschusses aus.

Hogan: Kein Anlass für Selbstzufriedenheit

Laut dem für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständige Kommissar Phil Hogan habe das Gleichgewicht auf dem Markt oberste Priorität. Es bestärke die Kommission dabei, dass die Milcherzeugerpreise dank ihren Maßnahmen wieder steigen. Hogan:

„Unsere Vorsicht hat sich bezahlt gemacht.“
Allerdings gebe es keinen Grund für Selbstzufriedenheit. Auch unter den momentanen Marktbedingungen sei Vorsicht bei Produktionsentscheidungen geboten.

Mehr Transparenz im EU-Milchsektor

Die EU-Milchmarktbeobachtungsstelle verschafft dem EU-Milchsektor mehr Transparenz, indem sie Marktdaten und kurzfristige Analysen rechtzeitig verbreitet. Die neuesten Daten der Milchmarktbeobachtungsstelle deuten auf einen stetigen Anstieg der Milchpreise mit einigen Schwankungen hin:

  • Entrahmtes Milchpulver: Die Milchpulver-Preise der EU schwanken in den letzten zwölf Monaten unter dem Interventionsniveau (169,8 €/100 kg). Seit Mai 2018 hat sich die Situation leicht verbessert.
  • Milch: Nachdem Milch im Mai 2018 auf ein Preisniveau von 32 Cent pro Kilo gefallen war, hat sich ein Aufschwung mit einem Durchschnittspreis von 35 Cent im September 2018 eingestellt.
  • Butter: In einem seit 2017 nicht mehr beobachteten Trend lagen die EU-Butterpreise in den letzten sechs Monaten bei über 5000 Euro pro Tonne.
  • Käse: Die Käsepreise in der EU sind trotz leicht gestiegener Lagerbestände auf Herstellerebene weiterhin gut. Die Konsumnachfrage nach Käse zeigt sich nach wie vor robust.

Leichter Anstieg dank starkem Produktionswachstum

Nach einem starken Produktionswachstum in der ersten Jahreshälfte geht die Kommission von einem leichten Anstieg von 0,8 Prozent dank der kumulierten EU-Milcherzeugung für das Gesamtjahr 2018 aus. Die Milcherzeugung werde von den Wetterentwicklung in den letzten Monaten des Jahres und von den Milch- und Futtermittelpreisen abhängig sein. Aufgrund der Sommerdürre müsse eine geringere Futterverfügbarkeit ausgeglichen werden. Die Kommission hat in diesem Sommer eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um Landwirten, die mit Futtermangel zu kämpfen haben, direkte Unterstützung zu gewähren.

An Hersteller gezahlte Milchpreise
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)