05.11.2019

Metropolregion Nürnberg beschafft nachhaltig

Nachhaltige Beschaffung – oft kaum mehr als eine leere Zielvorstellung. Doch in der Metropolregion Nürnberg macht man ernst damit. Auf dem ersten Fair-Trade-Gipfel in Bamberg schworen sich jetzt Kommunen auf einen Pakt dafür ein. Ein starkes Zeichen, nicht nur für die Politik.

Die Region Nürnberg beschafft nachhaltig

Kommunen der Metropolregion Nürnberg als Fair-Trade-Vorreiter

37 Kommunen in der Region Nürnberg haben sich jetzt in einem Pakt zu nachhaltiger Beschaffung verpflichtet. „Ein starkes politisches Zeichen aus der Region“ enpfindet es Andreas Starke, Oberbürgermeister der Stadt Bamberg. Er ist Ratsvorsitzender der Metropolregion und hatte als Gastgeber zum ersten Fair-Trade-Gipfel eingeladen. Der fand am 1. Oktober 2019 statt. Die faire Metropolregion Nürnberg beschafft nachhaltig und freut sich über die Unterstützung des Bundes.

Auf dem Gipfel gab es sieben verschiedene Themenstationen. Zum Thema 6 „Kommunale Einkaufsgemeinschaften für nachhaltige Beschaffung“ konnte über dieses Statement diskutiert werden:

„Durch gemeinsame Ausschreibungen für den kommunalen Bedarf an Materialien und Dienstleistungen können nicht nur bessere Konditionen erzielt werden. Es kann auch von den Erfahrungen und Kompetenzen in dem Gebiet der nachhaltigen Beschaffung von anderen gelernt, oder gemeinsam neues Wissen aufgebaut werden.“ Franziska Singer (sustainability training), Maria Regensburger (Regionalmanagement, Landratsamt Amberg-Sulzbach), Felicitas Schuldes (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, ENGAGEMENT GLOBAL)

Nachhaltigkeitskriterien ökonomische Aufgabe

Die Beschaffungspolitik öffentlicher Einrichtungen umfasst bundesweit 350 Milliarden Euro. Das berichtet „Cebra – Zeitschrift für effiziente Beschaffung rund um Büro und Arbeitswelt“. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien sei eine große ökonomische Aufgabe. Nur 28 Prozent der Kommunen in der Metropolregion beschaffen bislang faire Produkte und berücksichtigen Sozial- und Umweltstandards bei Anschaffungen. Das wollen die Unterzeichner des Pakts zur nachhaltigen Beschaffung ändern.

Mit ihrer Unterschrift erklären sie sich bereit,

  • Stadt-, Gemeinderats- und Kreistagsbeschlüsse sowie verbindliche Beschaffungsleitlinien für nachhaltige Produkte zu prüfen,
  • 2020 acht Millionen Euro in die Beschaffung fairer Produkte fließen zu lassen.

Bislang stimmen dem Pakt zur nachhaltigen Beschaffung 37 Kommunen aus der Metropolregion zu – von kleinen Gemeinden bis hin zu großen Städten und Landkreisen. Weitere Kommunen sind eingeladen, den Pakt zu unterzeichnen.

Nürnberg beschafft nachhaltig und sucht weitere Teilnehmer

„Durch den Pakt fangen wir an, uns noch intensiver mit dem Thema nachhaltige Beschaffung auseinanderzusetzen und profitieren von der Expertise, die es bereits in der Region gibt. Über den Gipfel erhoffen wir uns praktische Tipps und weitere Informationen“, sagt Ilse Dölle, Bürgermeisterin vom Markt Eckental.

Thorsten Glauber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, sieht in dem Fair-Trade-Gipfel eine Chance für fairen Handel und nachhaltige Beschaffung. Hier würden Bürger und Entscheider weiter für das Thema sensibilisiert. Nicht nur Verbraucher seien gefordert. Auch die Kommunen könnten darauf hinwirken, dass Produkte unter umwelt- und sozialverträglichen Standards produziert werden, so Glauber.

Dreiklang bio, fair, regional

Der Gipfel in Bamberg wurde von vielen Fair-Trade-Akteuren mitgestaltet. Im Welt-Café und bei Coachings diskutierten Teilnehmer an sieben Stationen darüber, wie sich der Dreiklang bio, fair und regional stärken und kommunale Beschaffungsleitlinien in den Fairtrade-Towns erreichen ließen:

Faire Kollektionen für Hotellerie und Gastronomie

Hans-Peter Beck von der Greiff Mode GmbH & Co. KG war als Vertreter eines Unternehmens der Metropolregion anwesend, das sich schon jetzt Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Das Unternehmen bietet faire Kollektionen für den Hotellerie- und Gastronomiebedarf an, aber auch faire Business-Outfits für den Büroalltag.

Der Bamberger Bekleidungshersteller arbeitet mit Produzenten zusammen, die sich für faire, sichere und wertschätzende Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter einsetzen.

Die „längste faire Kaffeetafel der Welt“

In Kaffeepausen waren die Besucher des Gipfels Teil der „längsten fairen Kaffeetafel der Welt“. Der Fair-Trade-Gipfel beteiligte sich am „Coffee Fair Day“ von Fairtrade Deutschland. Die bundesweite Aktion lädt zu fairen Kaffeetafeln ein. Beiträge und Erfolge werden mit #MachKaffeeFair auf den sozialen Kanälen geteilt.

Mit auf den Weg gebracht hat den Pakt die Entwicklungsagentur Faire Metropolregion. Sie berät seit 2018 Kommunen der Metropolregion in ihrem Fair-Trade-Engagement. Im Rahmen der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt fördert sie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)