07.06.2018

Mercedes will in Bremen Logistik auslagern

Noch erfolgt ein Teil der Logistik im Bremer Werk in Eigenregie. Das soll sich in Halle 93 ändern. 400 Mitarbeiter sollen woanders im Werk einen Job finden. Ihre Arbeit soll dann ausgelagert werden.

Logistikjobs in der Halle 93 von Mercedes in Bremen sollen an einen externen Dienstleister abgegeben werden.

Logistik im Mercedes-Werk Bremen

Daimler will Stellen in der Logistik des Bremer Mercedes-Werks auslagern. Das berichtet der „Weser-Kurier“ unter Berufung auf Medienberichte. Davon sollen 400 Jobs betroffen sein. Der Plan sehe vor, dass die betroffenen Mitarbeiter anderweitig im Werk zum Einsatz kommen sollen. Die IG Metall Bremen habe die Ankündigung bereits verurteilt.

„Wir sehen das kritisch“, zitiert die Zeitung Volker Stahmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Bremen. Stahmann habe nach eigenen Angaben vergangene Woche von den Plänen des Autobauers erfahren. Demnach sollen die Logistikjobs in der Halle 93 an einen externen Dienstleister abgegeben werden. Hierzu zählten wahrscheinlich der Transport von Material innerhalb der Halle, aber auch der Transport der fertigen Fahrzeuge.

Weiterbeschäftigung der Logistiker an anderer Stelle im Werk

Wenn die Ankündigung von Mercedes so umgesetzt werden soll, bedeute das jedoch nicht, dass Daimler-Beschäftigte ihren Job verlieren. Die derzeit mit Logistikaufgaben betrauten Mitarbeiter sollen an andere Stellen ins Werk wechseln, etwa in die Produktion. Diese Kollegen müssten allerdings umgeschult werden, wie Stahmann berichtet.

Problematisch sei es noch aus anderem Grund: Gerade in der Logistik gebe es Aufgaben, die besonders gut für ältere Mitarbeiter seien, etwa weil sie nicht an die Taktung der Produktionslinie gebunden sind. Diese Möglichkeit würde durch die Auslagerung nun wegfallen.

Bei Dienstleister andere Bedingungen

Die Hoffnungen liegen nun auf Verhandlungen mit dem Unternehmen. Ausgelagert an externe Dienstleister würden die Mitarbeiter dort zu anderen Bedingungen beschäftigt als die Stammbelegschaft im Mercedes-Werk und womöglich auch weniger Geld bekommen.

Dass Mercedes die Werkslogistik auslagert, ist nicht neu. Solche Überlegungen gibt es laut Stahmann für alle Werke im Konzern. Schon 2014 habe es Streit wegen einer Verlagerung von Jobs aus der Stammbelegschaft an externe Dienstleister gegeben. Damals war bekannt geworden, dass Daimler den Logistikbereich einer der Produktionshallen ausgliedern wird.

Keine Kernkompetenz eines Autobauers

Die bevorstehenden Verhandlungen hat nun der Betriebsratschef des Bremer Werks, Michael Peters, mit den Kollegen zu führen. In Stuttgart gibt man sich bisher wortkarg. Von dort habe es geheißen: „Wir haben im Jahr 2015 gemeinsam mit dem Betriebsrat das Zukunftsbild des Mercedes-Benz-Werks Bremen vereinbart. Die Gestaltung der Zukunftsfähigkeit des Werks Bremen ist ein fortlaufender Prozess.“ Dazu sei man in regelmäßigen Gesprächen mit dem Betriebsrat. Zu den Inhalten der Gespräche äußere man sich grundsätzlich nicht.

Dudenhöffer: ein Trend

In der Zeitung kommt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen zu Wort. Er sagte zu den Überlegungen Daimlers: „Das ist ein Trend.“ Die Logistik sei keine Kernkompetenz eines Autobauers. Mittel- und langfristig sei dieser Trend sinnvoll. Das sei auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, denn die Kosten seien in der Regel niedriger. Doch der Schritt sei in Bezug auf die Mitarbeiter nicht unproblematisch.

Peters: „Wir wollen natürlich möglichst viele Arbeitsplätze in Bremen behalten, und das möglichst zu unseren guten IG-Metall-Tarifverträgen.“ Andererseits müsse man sich als Betriebsrat mit diesen Themen auseinandersetzen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)