22.06.2018

Mehr Transparenz im Einkauf durch Blockchain

CPO für Chief Procurement Officer war gestern – künftig wird das Kürzel übersetzt mit Chief Purpose Officer, der Vorstand mit dem Zugriff auf Transparenz in der Lieferkette. Sein Werkzeug: die Blockchain. So Dr. Marcell Vollmer, CDA SAP Ariba, gegenüber „Themenwelt Einkauf & Logistik“.

Industrie 4.0 oder digitale Transformation heißt auch mehr Transparenz in der Lieferkette. Dafür sorgt die neue Blockchain-Technologie.

Blockchain: Transparenztreiber der Zukunft

Effizient, nachvollziehbar und dauerhaft – mit diesen Eigenschaften glänzt die Blockchain-Technologie. Sie kann eine  hohe Transparenz schaffen über die Herkunft von Waren und Inhaltsstoffen, und zwar für jedes Glied der Lieferkette.

Diese Transparenz ist ein entscheidender Marktvorteil: Heutzutage wollen Kunden verstärkt wissen, woher die Produkte kommen. Und die Kunden wollen Bescheid wissen über den Produktionsprozess – wie Zutaten geerntet oder hergestellt werden, ob sie frei von Kinderarbeit und nachhaltig sind.

Dr. Marcell Vollmer
Dr. Marcell Vollmer, Chief Digital Officer bei SAP Ariba

Das sagt Dr. Marcell Vollmer, Chief Digital Officer SAP Ariba, im Exklusiv-Interview mit unserer „Themenwelt Einkauf & Logistik“. Dr. Vollmer war bereits in unterschiedlichen Funktionen für SAP tätig.

So führte er SAP Ariba operativ als Chief Operating Officer (COO). Auch war er verantwortlich für die Neuausrichtung des globalen Einkaufs als Chief Procurement Officer (CPO) für SAP, für den Aufbau und die Globalisierung, für die Konsolidierung und Zentralisierung von Dienstleistungsprozessen bei SAP (Shared Services-Organisation).

Die Beschaffung spielt Vollmer zufolge eine Schlüsselrolle. Laut Vollmer verwaltet sie die Beziehungen zu allen Lieferanten und ist damit die einzige Funktion, die alle notwendigen Erkenntnisse liefern kann.

Der Nutzen der Blockchain für die Beschaffung

Blockchain definiert Vollmer als eine offene und dezentrale Datenbank. Sie kann die Transaktionen zwischen zwei Parteien effizient, nachvollziehbar und dauerhaft erfassen.

Diese Technologie hat damit das Potenzial, die volle Transparenz in allen Aspekten der Lieferkette, also die Transparenz über die Herkunft der Waren und der Standards für alle Beschaffungsmaßnahmen zu liefern.

Source-to-Pay

Der Chief Procurement Officer müsse das Zugpferd für die Implementierung von Blockchain in der Supply-Chain sein. Dies umfasst alle Aktivitäten in der Auftragsabwicklung – von der Herstellung bis zur Bezahlung (Source-to-Pay).

Dabei sollte der CPO eng mit dem Chief Information Officer (CIO) sowie der IT-Abteilung zusammenarbeiten. Diese sollten gemeinsam die verschiedenen Möglichkeiten und einzelnen Nutzerbelange festlegen. Vollmer: „Der CPO als Chief Procurement Officer.“

Die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain in der Beschaffung

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Blockchain umfasst alle Transaktionen von Beginn bis Ende der Lieferkette

Die Blockchain-Technologie kann beispielsweise Transaktionen vom Beginn der Lieferkette bei den Rohstoffen bis zum Kunden in Gestalt des Handels verfolgen. Vollmer: „Zuverlässige Quellen sind der Schlüssel für Unternehmensmarken und Konsumenten.“

Vollmer nennt als Beispiel die Palmölproduktion. Nur 17 Prozent der weltweiten Produktion sei nachhaltig zertifiziert. Der World Wild-Life Fund (WWF) arbeitet am Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) an einer durchgängigen Zertifizierung.

Für transparente Lieferketten

Die Einbettung der Blockchain-Technologie in Einkaufsanwendungen und Unternehmensnetzwerke führt nach Einschätzung Vollmers zu schnelleren, intelligenteren und transparenteren Lieferketten.

Von Daten getrieben, von Menschen gesteuert

Derzeit werden immer mehr operative und taktische Aktivitäten automatisiert. Das hat Auswirkungen auf Source-to-Pay-Fachleute, die in den Bereichen Einkauf, operative Beschaffung, Kreditorenbuchhaltung, Finanzen sowie Reise- und Spesenabrechnung tätig sind.

Diese Fachleute müssen sich strategischer und informationsorientierter aufstellen. Vollmer schlägt eine neue Beschreibung vor: „Der Einkauf der Zukunft wird von Daten getrieben, aber vom Menschen gesteuert sein.“

Kosten senken und Mehrwert schaffen

In der Vergangenheit hätten CPOs den Erfolg vor allem an Einsparungen innerhalb der Wertschöpfungskette gemessen. Die Kostensenkung bleibe auch weiter entscheidend. Aber mit dem Aufkommen der digitalen Netze hätten viele jetzt eine größere Chance, Mehrwert zu schaffen.

Mit Netzwerken und Innovationen wie künstlicher Intelligenz, lernenden Maschinen und dem Internet der Dinge könnten CPOs Einblicke aus einer Vielzahl von scheinbar nicht zusammenhängenden Daten gewinnen. Mit der Digitalisierung bekämen sie die Möglichkeit, sich auf strategische Prioritäten wie die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Lieferkette, den Schutz der Marke vor Risiken durch Dritte und auf das Vorantreiben neuer Innovationen konzentrieren. Vollmer: „Der CPO als Chief Purpose Officer.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)