24.09.2019

Mehr Elektromobilität im Firmenfuhrpark

Weiter so und alles neu – dazwischen schwankt die Automobilmesse IAA 2019 in Frankfurt. Seit 2017 kräftig geschrumpft, sehen Beobachter sie gleichwohl in einer Art Neuanfangsfunktion. E-Mobilität erobert die Messe. Sie tut es auch in Fuhrparks. Gründe für mehr Elektromobilität im Firmenfuhrpark nennt Leasing-Markt.de.

Der Bund will Unternehmen dabei fördern, den Firmenfuhrpark auf mehr E-Mobilität umzustellen.

Diesel oder nicht Diesel?

Ein Gespenst schwebt über deutschen Großstädten: das Diesel-Gespenst. Lohnt sich der Einkauf von Diesel-Fahrzeugen für das Unternehmen noch? Oder beginnt jetzt der Siegeszug von mehr Elektromobilität im Firmenfuhrpark?

Seit dem 1. Juli 2019 sind zwei weitere Städte von einem Diesel-Verbot betroffen. Essen und Gelsenkirchen haben seit diesem Sommer ein Diesel-Fahrverbot. Ist das die Chance für Elektrofahrzeuge?

Der Anteil der umweltfreundlichen Alternativen auf Deutschlands Straßen ist nach wie vor gering. Zum Jahreswechsel waren laut ADAC in Deutschland 83.175 reine Elektroautos zugelassen – von insgesamt mehr als 47 Millionen Pkw nach Angaben des Kraftfahrt Bundesamtes. Jedoch: immer mehr Unternehmen wollen den Anteil an Elektroautos aufstocken oder vollständig auf Elektromobilität im Firmenfuhrpark umstellen. Robin Tschöpe, geschäftsführender Gründer von LeasingMarkt.de, erklärt, warum E-Mobility verstärkt Einzug in Firmenflotten hält.

Dieselflucht bei Unternehmen aufgrund von Fahrverboten

Über Jahre hinweg haben Dieselfahrzeuge einen Großteil der firmeneigenen Flotten ausgemacht. Je mehr Städte Fahrverbote einführen, desto deutlicher finde bei Unternehmen ein Umdenken statt. Fahrverbote nennt Tschöpe in einer Pressemitteilung seines Unternehmens nur als einen Grund für die Dieselflucht und nennt die weiteren Gründe, die er sieht.

Immer mehr Unternehmen stocken ihren Fuhrpark mit Elektro- und Hybridautos auf. In vielen Fällen folgen sie damit dem Wunsch der Mitarbeiter, so Tschöpe. Diese haben in steuerlicher Hinsicht einen Vorteil davon. Fahrer elektrisch betriebener Dienstwagen müssen ihre privaten Strecken statt mit einem Prozent lediglich mit 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern. Das bedeutet nicht selten eine Ersparnis von mehreren Hundert Euro: Deshalb ist die Dieselflucht laut Tschöpe nicht nur eine Folge der in Großstädten verhängten Fahrverbote

Vorreiterrolle gegen hohen Anschaffungspreis

Immer mehr Firmen setzen sich Tschöpe zufolge verstärkt mit Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) auseinander. Darunter fällt das Ziel, den CO2-Ausstoß zu verringern. Folge: die Bereitschaft bei Unternehmen steige, vermehrt auf E-Mobilität zu setzen. Die Begeisterung für innovative Technologien wachse, zumal sich Mitarbeiter zunehmend von Elektrofahrzeugen überzeugen ließen.

Die Vorreiterrolle von Unternehmen zahle auch auf das Ansehen ein. Dies mache die zunächst hohen Anschaffungskosten erträglicher. Ein positives Firmenimage durch ein aktiv gezeigtes Umweltbewusstsein komme beim Kunden an. Daher könne man die grüne Flotte als Marketingmaßnahme verstehen. Doch eine Steigerung der Elektromobilität im Firmenfuhrpark hat noch weitere Vorteile.

Vorteile der Elektromobilität im Firmenfuhrpark

Ziel der Bundesregierung bis 2020 ist, eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen. Dafür greift sie auch Unternehmen mit einem Umweltbonus unter die Arme:

  • Der Bund zahlt 2.000 Euro für ein neu zugelassenes, reines Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeug und 1.500 Euro für ein Auto mit Plug-in-Hybridantrieb.
  • Er bezuschusst zudem die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.
  • Unternehmen sollen in den Genuss einer zehnjährigen Kfz-Steuer-Befreiung für bis Ende 2020 zugelassene Elektrofahrzeuge kommen.
  • Das Laden der E-Autos beim Arbeitgeber soll von der Einkommensteuer befreit sein. Stellt der Arbeitgeber unentgeltlich oder verbilligt bis Ende 2020 eine Ladevorrichtung für zu Hause, soll der Fiskus diese ebenfalls steuerlich begünstigen.
  • Mitarbeiter, die privat Firmen-E-Autos fahren, sollen nur halb so viele Steuern zahlen wie Fahrer von Benzinern oder Diesel.

Wer also einen Dienstwagen mit Elektroantrieb hat, muss seine privaten Strecken nur noch pauschal mit 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern. Bedingung: das Auto muss mindestens 40 Kilometer rein elektrisch zurücklegen können oder maximal 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Förderungen für Elektormobilität im Klimapaket der Bundesregierung

Welche Förderungen das Klimapaket für die Elektromobilität vorsieht, sehen Sie auf der Website „efahrer“ von CHIP: Elektromobilität im Klimapaket auf efahrer.

Geringere Unterhaltskosten für grüne Firmenwagen

Ein Elektroauto lohnt sich laut Tschöpe vor allem dann, wenn die geschäftlichen Fahrten zum Großteil in der eigenen Stadt stattfinden. Auf kurzen Fahrten spare die umweltschonende Alternative zum Diesel- oder Benzinmotor nicht nur CO2, sondern vor allem Spritkosten. Für E-Fahrzeuge spreche mithin, dass das Betanken mit Strom weitaus günstiger ist.

CO2-Obergrenze heruntersetzen

Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Auto-Hersteller sind seit 2009 verpflichtet, eine CO2-Obergrenze einzuhalten. Alle in der EU neu zugelassenen Fahrzeuge eines Herstellers dürfen einen gesetzlich festgelegten CO2-Durchschnittswert nicht überschreiten. Diesen Wert will die Kommission bis 2020 auf 95 g/km senken.

Unternehmen müssen demnach in Zukunft Abstand nehmen von emissionsreichen Firmenfahrzeugen. Hersteller werden die Produktion dieser Modelle nach und nach einstellen, wodurch Besitzer solcher Vehikel auch Ersatzteile nicht mehr austauschen oder bestellen können. Also werden Tschöpe zufolge Firmen auf lange Sicht gezwungen sein, auf umweltschonende Alternativen umzusteigen. Sie könnten dabei helfen, die CO2-Obergrenze einzuhalten.

Wer zögert, verliert den Anschluss

Die Elektromobilität sieht Tschöpe längst als alltagstauglich an. Sie komme in Unternehmen an. Die smarten Fahrzeuge böten Fahrkomfort und verursachten weniger Lärm und Schadstoffe als Benziner und Diesel.

Tschöpe gibt Fuhrparkmanagern, die auf mehr E-Mobilität im Fuhrpark umstellen möchten, folgende Punkte zu bedenken:

  • Welche Wegstrecken müssen die Mitarbeiter fahren?
  • Sind es immer die gleichen Fahrtwege oder sind auch unkalkulierbare Wege dabei?
  • Welche Modelle kommen als E-Auto zum Einsatz?
  • Wie lange sind die Standzeiten der Fahrzeuge und wo stehen sie üblicherweise?
  • Wie und wo wird der E-Parkplatz gestaltet?
  • Wie garantiert das Unternehmen die Einweisung und Schulung der Mitarbeiter?

Neben der E-Flotte vergisst Tschöpe nicht, andere, alternative Verkehrsmittel zu erwähnen: E-Bikes, E-Lastenräder, E-Carsharing oder Freikarten für den ÖPNV.

Leasingmarkt.de bietet zur Einführung den Elektromobilitätsrechner für gewerbliche Fahrzeugflotten. Er simuliert, welchen Einfluss der Einsatz von E-Fahrzeugen auf die Ausgaben und den CO2-Ausstoß einer Flotte hat.

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Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)