10.10.2018

Make-or-buy: Wie Outsourcing Waren bezahlbar macht

Wie viel darf ein Auto kosten? Kommt drauf an. Sicher ist: So viel, wie es kosten würde, wenn die Hersteller jedes Teil davon selbst herstellen müssten, würde niemand bezahlen. Marktgängige Preise sind nur möglich dank Zukauf der meisten Teile. Für Logistik eine Herausforderung.

Eine Make-or-buy-Entscheidung ist eine der maßgeblichen Gründe für den weltweiten Material- und Warenfluss.

Make-or-buy – Entscheidung für weltweiten Warenfluss

Wenn Hersteller alle für eine Ware nötigen Produktionsteile selbst herstellen würden, wären Produkte wie Autos, Kühlschränke, Smartphones, Kleidungstücke und sogar Lebensmittel schlichtweg unbezahlbar. Zudem verbauen Unternehmen auch immer mehr Technik.

Beim Kauf eines Fahrzeugs sind bei der Kombination aller Wahlmöglichkeiten mehrere Billarden Varianten möglich. Doch welche für eine fertige Ware benötigten Einzelteile und Arbeitsleistungen soll das Unternehmen selbst produzieren, und welche zukaufen?

Dies ist eine Make-or-buy-Entscheidung und einer der maßgeblichen Gründe für den weltweiten Material- und Warenfluss, schreibt Prof. Dr. Michael Schröder, Wissenschaftlicher Leiter Supply Chain Management, Logistik und Produktion im Master in Business Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Center for Advanced Studies (DHBW CAS) in einem beachtenswerten Beitrag für die „Stuttgarter Zeitung“.

Auswirkungen von Make-or-buy auf logistischen Arbeitsalltag

Dieses Outsourcing habe wiederum große Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von Logistikmanagern. Ein Fahrzeughersteller könne für diese Variantenvielfalt unmöglich alle Teile selbst produzieren. Hinzu käme noch der Betrieb von Material- und Teilelager. Deswegen beschaffe er sich Produktionsteile und Dienstleistungen von externen Anbietern.

In Industrie und Handel zum Beispiel übernähmen Logistikdienstleister zu herkömmlichen Logistikdienstleistungen wie den Gütertransport oder die Lagerhaltung mehr und mehr Aufgaben in der Kontralogistik. Dazu zählt Schröder:

  • Materialbereitstellung in Produktionshallen,
  • Sendungsverfolgung von Waren,
  • Displaybau,
  • anspruchsvolle Montagetätigkeiten.

Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern

Je höher der Individualisierungsgrad der Dienstleistungen an die Bedürfnisse und Wünsche des Auftraggebers ist, desto attraktiver werde das Logistikdienstleistungsangebot für das Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern sei aber nicht nur „reines Zuckerschlecken“, so Schröder. Sie sei zudem mit viel Aufwand und hohem Klärungsbedarf verbunden. Nach Recherche und Auswahl von möglichen Betrieben, und das weltweit, müssten sich die Unternehmensvertreter erst einmal ein Bild vor Ort machen.

Gemeinsam fänden dann Planungen statt, Verhandlungen würden geführt, Übersetzer und Rechtsanwälte mit einbezogen. Am Ende müssten Verträge geschlossen und kontrolliert werden. Arbeitet der Lieferant sauber? Sollte man eine Wareneingangskontrolle durchführen? Was, wenn aus nicht vorhersehbaren Gründen nachverhandelt werden muss? Kann der Vertrag im Notfall wieder aufgehoben werden?

„All diese Vorgänge verursachen“, so Schröder, „Kosten, die sogenannten Transaktionskosten, die am Ende so hoch sein können, dass das Unternehmen, um effektiv und effizient zu arbeiten, die Produktion und Arbeitsleistungen besser selber übernimmt.“

Daten-Basis für Industrie 4.0

Das alles funktioniert aber nur bei effizient gesteuerten, globalen Warenströmen. Die Basis dafür sind im Industrie-4.0-Zeitalter Daten. Mit ihrer Hilfe können Unternehmen flexibel und agil auf Störungen in der Lieferkette reagieren, schreibt Michael Wallraven, Geschäftsführer der Münchner Llamasoft in „MM Logistik“ dazu. Digitale Lösungen ermöglichten optimiertes und komplexes Supply Chain Management. Sie bieten Entscheidungshilfen, um Lieferketten im Bedarfsfall schnell anzupassen. Dabei kommt es vor allem auf die Qualität der Daten an.

Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, die sich durch einen zunehmenden Datenaustausch sowie eine Automatisierung in der Fertigungstechnik auszeichnet. Die Auswirkungen von Industrie 4.0 und der Vernetzung von Maschinen werden oft als Bedrohung der traditionellen Supply Chain betrachtet. Doch neue digitalisierte Supply-Chain-Design-Plattformen können die hohe Störanfälligkeit von Lieferketten dank Industrie 4.0 reduzieren und das Supply Chain Management revolutionieren.

Störanfälligkeit der Supply Chain

Die vielschichtigen Gründe für Unterbrechungen der Supply Chain stellen laut Wallraven Logistiker vor große Herausforderungen: Von defekten Maschinen oder Materialien, Explosionen, Naturkatastrophen wie Bränden, Stürmen oder Hochwasser, dem Ausfall von Lieferanten oder auch Mitarbeiterstreiks bis hin zu Handelskonflikten oder Ereignissen wie dem Brexit.

All dies bilden schwerwiegende Faktoren in der Supply Chain. Häufiger lösten weitaus weniger dramatische Begebenheiten Ausfälle in der Lieferkette aus wie zum Beispiel menschliche Fehler, die zu Verzögerungen in der Produktion führen und sich auf die gesamte Supply Chain auswirken können.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)