24.04.2017

EU stimmt zu: Maersk übernimmt Hamburg Süd

Die Traditionsreederei Hamburg Süd muss sich aus dem Südamerika-Geschäft zurückziehen. Grund: Nur unter dieser Auflage stimmte die EU-Kommission jetzt deren Fusion mit dem dänischen Konkurrenten Maersk zu.

Maersk übernimmt die Reederei Hamburg Süd

EU-Kommission stimmt nur unter Auflagen zu

Der Hauch der Geschichte umweht diese Nachricht von Mitte April: Die dänische Maersk Line übernimmt die deutsche Containerreederei Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft (HSDG), kurz Hamburg Süd.

Durch den Zusammenschluss würden zwei führende Containerlinienschiffsgesellschaften miteinander verschmelzen: Maersk Line als weltweit größte Containerschiffsreederei, HSDG immerhin noch die neuntgrößte. Beide kooperieren für ihre Dienste auf Handelsrouten mit anderen Schifffahrtsunternehmen.

Auflage der EU-Fusionskontrollverordnung

So funktionieren diese Kooperationen: Die Konsortien oder Allianzen nutzen Schiffe gemeinsam. Sie legen die für den Wettbewerb wichtigen Parameter Kapazitäten, Zeiten und Zielhäfen fest.

Wie die Europäische Kommission mitteilt, genehmigt sie jetzt deswegen die Pläne zur Fusion nur unter bestimmten Bedingungen. Die Auflage der EU-Fusionskontrollverordnung sieht vor, dass sich HSDG aus diesen fünf Konsortien auf folgenden Handelsrouten zurückzieht:

  • Nordeuropa – Mittelamerika/Karibik, Konsortium Eurosal 1/SAWC
  • Nordeuropa – Westküste Südamerikas, Konsortium Eurosal 2/SAWC
  • Nordeuropa – Naher Osten, Konsortium Epic 2
  • Mittelmeer – Westküste Südamerikas, Konsortium CCWM/Medandes
  • Mittelmeer – Ostküste Südamerikas, Konsortium Mesa

Auf diesen Routen würde es nach Einschätzung der Kommission durch den Zusammenschluss nur unzureichenden Wettbewerb geben. Die Kommission untersuchte für 17 Handelsrouten, die Europa mit Amerika, Asien, dem Nahen Osten, Afrika und Australien/Neuseeland verbinden, wie sich der Zusammenschluss auf den Wettbewerb bei der Containerlinienschifffahrt auswirken würde.

Demzufolge hätte der Zusammenschluss in seiner ursprünglich angemeldeten Form neue, bislang nicht bestehende Verbindungen zwischen Maersk Line und den fünf genannten Konsortien, denen HSDG angehört, geschaffen.

Beeinflussung zentraler Wettbewerbsparameter

Dies hätte sich der Kommissionsuntersuchung zufolge auf den genannten fünf Handelsrouten nachteilig auf den Wettbewerb ausgewirkt. Das neue Unternehmen hätte danach auf einem sehr großen Teil der bedienten Märkte zentrale Wettbewerbsparameter wie Kapazitäten beeinflussen können.

Die Kommission befürchtete daher Nachteile für gewerbliche Kunden und damit letztlich auch für die Verbraucher. Die neue Reederei hätte bei Kurzstreckenseeverkehr und Trampdiensten für nicht regelmäßige, auf Anfrage durchgeführte Seetransporte das Angebot an Verbindungen begrenzen können.

Gleiches befürchtete die Kommission bei Tätigkeiten, in denen Maersk Line oder andere Unternehmen der Maersk-Gruppe aktiv sind wie:

  • Containerlinienschifffahrt und -terminaldienste
  • Hafenschleppdienste
  • Speditionsdienste
  • Containerherstellung
  • Inlandtransportdienste

Maersk: Zusagen des Unternehmens

Maersk hat den Rückzug von HSDG aus den fünf Konsortien angeboten. Damit würden die problematischen Verbindungen zur Gänze entfallen und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission wären ausgeräumt.

Um ein geordnetes Ausscheiden aus diesen Konsortien zu gewährleisten, wird die HSDG während der Kündigungsfrist auch weiterhin im Rahmen der fünf Konsortien tätig sein. Ein Überwachungstreuhänder soll sicherstellen, dass in diesem Zeitraum zwischen den fünf Konsortien und dem fusionierten Unternehmen keine wettbewerbsbeeinträchtigenden Informationen ausgetauscht werden.

Bedenken der Kommission ausgeräumt

Angesichts dieser Zusagen ist die Kommission zu dem Schluss gelangt, dass der geplante Zusammenschluss in der geänderten Form keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken mehr aufwirft. Ihr Beschluss steht unter dem Vorbehalt, dass die Unternehmen ihre Zusagen uneingeschränkt einhalten.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige Kommissarin Margrethe Vestager zeigte sich zuversichtlich, dass Maersk Line und HSDG ihre Zusagen einhalten und für die vielen auf die Containerschifffahrt angewiesenen Unternehmen aus der EU auch „weiterhin einen gesunden Wettbewerb“ gewährleisten werden.

Wettbewerbsfähige Seeverkehrsdienste seien für die europäischen Unternehmen und die EU-Wirtschaft insgesamt von grundlegender Bedeutung, so die Kommissarin.

Autor: Franz Höllriegel