18.03.2021

Luftfracht kann Impfstofftransporte nicht für sich nutzen

Flugzeuge bleiben am Boden. Covid macht’s möglich. Die Pandemie hat die Passagierbeförderung in der Luft praktisch zum Erliegen gebracht. Die Hoffnung der Luftfahrtlinien konzentrierte sich auf Luftfracht und vor allem auf die Covid-Impfstoffe. Sie erfüllt sich aber nicht – bislang nicht.

Luftfracht Impfstofftransporte

Träume einer Impfstoff-Luftbrücke verflogen

Haupttransportmittel für Covid-Impfstoffe ist derzeit der LKW – nicht das Flugzeug. Das berichtet „airliners.de“ unter Berufung auf „CargoForwarder“. Damit bleibe die Hoffnung der Luftfrachtbranche auf zusätzliche Einnahmen bislang weit hinter den Erwartungen zurück. Airline-Manager sahen schon die „größte Luftbrücke aller Zeiten“ vor dem geistigen Auge. Das war im vergangenen Oktober und November.

Noch im September des vergangenen Jahres appellierte die International Air Transport Association (Iata) an Regierungen, eine sorgfältige Planung mit den Interessenvertretern der Industrie zu beginnen. Man müsse volle Bereitschaft gewährleisten, wenn die Impfstoffe gegen Covid-19 zugelassen und zur Verteilung verfügbar seien. Der Transport von Coronavirus-Impfstoffen um die Welt werde „die größte Transportherausforderung aller Zeiten“ sein und das Äquivalent von 8000 Boeing-747-Frachtern erfordern, zitiert die Online-Plattform Iata-Chef Alexandre de Juniac.

Um diese Herausforderung zu bewältigen, habe man sogar eine Reihe von Initiativen gestartet mit dem Ziel eines globalen Lufttransportplanes für Impfstoffe. Doch die Träume flogen fürs erste ihnen offenbar auf und davon.

Viel Flugzeuglärm um wenig Impfstofftransport

Heute, rund vier Monate später, sind die tatsächlichen Zahlen eher ernüchternd. Inzwischen produzieren die Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna, Astra Zeneca sowie Johnson & Johnson rund um die Uhr Covid-19-Impfstoffe, ergänzt durch den russischen Sputnik V und das chinesische Serum Sinovac. Doch halten sich Covid-19-Lieferungen an Bord von Flugzeugen in Grenzen. Vorausgesagte Mengen von Corona-Impfstoffen an Bord von Frachtflugzeugen seien trotz eifriger Bemühungen um Öffentlichkeit nirgends gesichtet worden.

Lufthansa-Cargo-Chefin Dorothea von Boxberg zitiert „airliners.de“ dahin gehend, rund 45 Prozent oder rund 87.000 Tonnen des gesamten weltweiten Impfstoffvolumens sollten auf dem Luftweg transportiert werden. Davon hofft von Boxberg, 10.000 Tonnen transportieren zu können, so viel wie in etwa die Hauptdecks von 100 Boeing 777-Frachtern fassen, im Vergleich zu den anfänglichen Iata-Ankündigungen über die benötigte Uplift-Kapazität eher überschaubar.

LKW schlägt Flugzeug

Bislang traten die meisten Impfstoffsendungen ihre Reise von den Produktionsstätten zu den lokalen oder regionalen Impfzentren auf einem LKW an.

„Aktuell sehen wir sogar noch weniger Lufttransporte als ursprünglich gedacht, weil es immer noch einen großen Impfstoff-Engpass gibt und daher vieles in den Regionen bleibt, wo es produziert wird – also: in den USA, Indien, China oder der EU. Das wird sich aber im Laufe des Jahres massiv ändern“, kommt Andreas Seitz, Geschäftsführer des Container-Anbieters Dokasch-TS, auf „airliners.de“ zu Wort.

Flugtransport in der Tiefkühlbox

Für den Transport im Flugzeug kommen Sendungen in mit Eis gefüllte Tiefkühlboxen mit Temperaturen zwischen minus 20 und minus 70 Grad Celsius während des Transports. Doch mittlerweile brauchen die meisten der zur Verimpfung anstehenden Impfstoffe keine Vorhaltung so tiefer Temperaturen mehr. Bei ihnen reichen schon Verhältnisse zwischen plus zwei und plus acht Grad Celsius, wie sie moderne Luftfracht-Container für Pharmazeutika wie die „RAP-Opticooler“ von Hersteller Dokasch Temperature Solutions GmbH aus Kelsterbach oder der RKN e1-Container von Envirotainer GmbH aus Frankfurt/M. bieten. Sie kühlen den Angaben zufolge elektrisch konstant über 120 Stunden.

Warten auf den Einsatz

Bislang warteten beide Container-Anbieter allerdings noch auf Mengentransporte von Covid-19-Impfstoffen durch die Luft. Hier und da eine Lieferung – das sei derzeit alles, so Seitz. Er hofft gleichwohl auf eine Steigerung der Nachfrage im Laufe des Jahres, wenn auch nicht so dramatisch, wie ursprünglich gedacht. Sollte die Nachfrage nach den Kühlboxen seines Unternehmens unerwartet schnell ansteigen, hätte Dokasch-TS rund 100 sofort einsetzbare RAP Opticooler auf Lager. Sie seien direkt vor Ort einsetzbar, um Impfstoffe schnell und sicher auf dem Luftweg zu transportieren.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)