28.10.2020

Logistikimmobilien wollen gut kommuniziert sein

Tue Gutes, und rede darüber, wusste schon Erich Kästner. Corona hat der Öffentlichkeit vorgeführt, wie berechtigt dies ist. Eine Initiative will jetzt die Kommunikation über Logistik vorantreiben. Das wird für Logistik-Immobilien immer wichtiger. Der Unwille in der Bevölkerung nimmt zu.

Logistikimmobilien Kommunikation

Kein Toilettenpapier ohne Logistik

Leere Regale im Supermarkt, Nudeln, Mehl und Toilettenpapier – alles aus. Die Bilder vom April haben viele noch vor Augen. An den Grenzen stauten sich die Lkw und viele Menschen erfuhren am eigenen Leib, wie unangenehm sich selbst kurzfristige und punktuelle Lieferengpässe mit Gütern des täglichen Bedarfs anfühlen.

Und mit den Drohungen einer beginnenden zweiten Welle drängen sie sich wieder in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung. Allerdings sorgte eine präzise im Hintergrund in der Regel funktionierende Logistik wenigstens in Europa dafür, dass es kaum zu Engpässen kommt.

Bewusstsein für Logistik schärfen

Durch die Corona-Krise scheint sich nun das Bewusstsein für die essenziellen Aufgaben geschärft zu haben, die Logistik für Wirtschaft und Gesellschaft leistet. So ein Ergebnis einer Umfrage, welche die Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ im September 2020 durchgeführt hat.

Sie will der Öffentlichkeit immer wieder Bedeutung, Funktion und Vielfalt von Logistik nahebringen. Man wolle Logistik in Zeiten von Corona im Gespräch halten und die Selbsteinschätzung der Befragten sowie ihren Eindruck der öffentlichen Wahrnehmung der Logistik insgesamt herausfinden. Die Ergebnisse der Befragung können mit knapp 300 Antworten zwar nicht als repräsentativ angesehen werden, als Stimmungsbild zieht die Initiative gleichwohl aus ihnen Erkenntnisse:

  • Nach Ansicht von 92 Prozent der Befragten zeigt die Corona-Krise einer breiteren Öffentlichkeit die Bedeutung von Logistik für das Gesamtsystem.
  • Für 71 Prozent ist seit der Pandemie das eigene Bewusstsein für die Versorgungsfunktion von Logistik für Wirtschaft und Gesellschaft gewachsen.
  • Bei 69 Prozent der Befragten ist die Wertschätzung gegenüber den Tätigkeiten der Logistiker während der CoVid-19-Pandemie gestiegen. Der Wirtschaftsbereich Logistik konnte damit ein gestiegenes Interesse und positive Aufmerksamkeit generieren.
  • Knapp zwei Drittel der Teilnehmenden haben im Laufe der Corona-Krise ein besseres Verständnis von der Komplexität und Vielfalt der Logistik bekommen.

Versorgung in Zeiten von Corona

Frauke Heistermann, Sprecherin der Initiative findet, dass durch eigene Erfahrungen und Medienberichte über Logistik und Versorgung in Zeiten von Corona die Gesellschaft mehr über logistische Funktionen und ihre Bedeutung gelernt habe.

Heistermann: „Logistiker, LKW-Fahrer, Lagermitarbeiter und andere haben mehr Wertschätzung für ihre Tätigkeiten erhalten.“
Das sei erfreulich, wenngleich Heistermann bedauert, dass immer noch zu wenig bekannt sei, was Logistik leiste, wie vielfältig sie sei und welche hervorragenden Job-Perspektiven sie zum Beispiel zu bieten habe.

Zielgruppengerechte Kampagnen

Jetzt müsse weiter daran gearbeitet werden, dass die Öffentlichkeit mehr Verständnis für die komplexen logistischen Prozesse bekomme. Ohne funktionierten Wirtschaft und Gesellschaft nicht, so Heistermann. Man setze als Initiative mit zielgruppengerechten Kampagnen hier an und betreibe Kommunikation über die Logistik.

Die Strategie besteht darin, die systemrelevante Funktion der Logistik in den Vordergrund zu rücken. Heistermann kündigte für die nächsten Wochen eine neue Kampagne an, die der Logistik zu noch mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz verhelfen soll.

Instagram und Facebook

Die Befragung war insgesamt für zwei Wochen über ein Online-Portal sowie über Social Media erreichbar. Mit einer Presseinformation und über die Social Media-Kanäle Instagram und Facebook wurde auf die Umfrage aufmerksam gemacht. Insgesamt wurden mit der Befragung über das Portal und die Social-Media-Kanäle, in denen die einzelnen Fragen direkt beantwortet werden konnten, Antworten von rund 300 Personen gesammelt.

Sieben Millionen Quadratmeter neue Logistikflächen nötig

Ähnliche Ziele verfolgen die Kommunikationsagentur für Logistik Mainblick (Frankfurt) und Teamtosse (München). Sie sehen einen großen Bedarf für eine zielgerichtete Kommunikation im Vorfeld der Planung von Logistikimmobilien. Sie erwarten, dass deutschlandweit jährlich rund sieben Millionen Quadratmeter neue Logistikflächen nötig seien, um Warenströme und Lieferketten in Schwung zu halten und die Bedürfnisse von Verbrauchern und Unternehmen befriedigen zu können.

Vielfach organisiere sich gegen Logistik-Ansiedlungen vor Ort Widerstand durch Einzelpersonen oder Bürgerinitiativen. Dieser werde massiver und zunehmend auch professioneller:

  • Gezielte Kampagnen sollen Ansiedlungsvorhaben torpedieren,
  • politische Entscheidungsträger unter Druck setzen,
  • öffentliche Verwaltung mit Anträgen in Atem halten.

Projektentwickler, Nutzer und Kommunen sähen sich vielfach stereotypen Vorurteilen gegenüber mit Befürchtungen über;

  • starkem Verkehr und Lärm,
  • hohem Flächenverbrauch,
  • geringer Beschäftigung,
  • wenig Gewerbesteuereinnahmen.

Fakten oft Fehlanzeige

So Pauschalierungen gingen meist einher mit geringer Kenntnis der Zusammenhänge. Die Verunsicherung nehme bei allen Beteiligten spürbar zu, Entscheidungen zugunsten logistischer Ansiedlungen verzögerten sich oder fielen negativ aus. Oftmals fehlten objektive Informationen und differenzierte Fakten. Wenn diese nicht frühzeitig kommuniziert werden, sei das „Kind schon in den Brunnen gefallen“, bevor das Projekt überhaupt begonnen habe, wie es in einer Mitteilung von Mainblick heißt.

Projektkommunikation vom ersten Tag an

Damit Ansiedlungsvorhaben bereits vom ersten Tag an erfolgversprechend auf den Weg gebracht werden können, haben die Kommunikationsagenturen ein umfassendes Angebot für die begleitende Projektkommunikation entwickelt. Von einer strategischen Umfeldanalyse über die Identifikation der relevanten Stakeholder und ihrer Positionen über die Entwicklung eines langfristigen Kommunikationskonzeptes bis hin zur Steuerung und Umsetzung aller Maßnahmen vor Ort verstehen sich die erfahrenen Spezialisten als strategischer Partner und Wegbegleiter für alle „Stakeholder“, also Projektentwickler, Kommunen und Wirtschaftsförderungen, Investoren und Nutzer von Logistikimmobilien.

Beide Agenturen haben sich auf die einzelnen Bereiche der Logistik spezialisiert, sind in einer Vielzahl von Gremien und Initiativen aktiv und entsprechend gut vernetzt. Auch die Kontakte zu relevanten Medien aus der Fach- und Wirtschaftspresse sowie einschlägigen Verbänden aus dem Umfeld von Logistikansiedlungen sind über Jahrzehnte gewachsen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)