19.10.2021

Logistikflächen sorgen für mehr Versorgungssicherheit

Alles wird knapper: Material, Personal – international. In der Logistik stehen die Waren- und Lieferketten unter Druck. Mehr Regionalisierung und Ausbau lokaler Bevorratung stehen ganz oben auf der Agenda von Wirtschaft und Politik. Hierbei spielen Logistikimmobilien eine Hauptrolle.

Logistikflächen Versorgungssicherheit

Personalknappheit in der Logistik

Deutschland ist einer der Hauptleidtragenden der zunehmenden Personalknappheit in der Logistik. Sie stellt die internationalen Waren- und Lieferketten vor große Herausforderungen. Es fehlt an Personal, um Rohstoffe und Bauteile an Ort und Stelle zu bringen. Viele Unternehmen sind branchenübergreifend dem damit einhergehenden Mangel ausgeliefert. Die Engpässe betreffen

  • Vorprodukte wie
    • Stahl,
    • Kunststoffe oder
    • Mikrochips,
  • Rohstoffe wie
    • Holz.

Schäden aufgrund der Materialknappheit

Besonders der Mangel an Chips macht Unternehmen zu schaffen. Laut Ifo-Institut kommen vier von fünf Herstellern von Elektro-Produkten mit der Fertigung nicht nach – der höchste bisher vom Ifo-Institut ermittelte Wert. Hersteller wie der von Haushaltsgeräten Miele sowie die Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW verordneten Kurzarbeit, Opel musste bereits ein Produktionswerk in Deutschland schließen.

Die wirtschaftlichen Schäden der Materialknappheit machen sich auch volkswirtschaftlich bemerkbar. So korrigierte das Ifo-Institut jüngst seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr aufgrund der Engpässe um 0,4 Prozent nach unten. Vielerorts reagieren Unternehmen mit Ausbau der heimischen Produktions- oder Bevorratungsstrukturen.

Solche Local Sourcing-Strategien sind in Halbleiter- und anderen Industrien gefragt, um eine künftige Versorgungssicherheit in Krisenfällen gewährleisten zu können.

„Die Disruptionen bei den Lieferketten sowie die Knappheit an Vorprodukten erfordern eine zusätzliche Lagerhaltung sowie eine höhere Anzahl an Zulieferern, am besten in der Nähe des eigenen Standortes und in geografisch unterschiedlichen Regionen“, erklärt Rainer Koepke, Managing Director sowie Head of Industrial & Logistics Germany bei CBRE.
Zudem sei die heimische Produktion besser zu kontrollieren als in Schwellenländern mit zunehmenden Problemen wie

  • Zöllen,
  • Währungsschwankungen,
  • Bürokratie sowie
  • mangelnder Planungs- und Rechtssicherheit.

Regionalisierung und lokale Bevorratung

Strategien zur Regionalisierung und dem Ausbau lokaler Bevorratungsstrukturen dienen innerhalb der Supply Chain der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit sowie der wirtschaftlichen Stabilität und des Wachstums. Um dieser Funktion gerecht werden zu können, braucht es bei Ansiedlungsvorhaben von Logistikimmobilien in der breiten öffentlichen Wahrnehmung allerdings mehr Akzeptanz, gibt die Initiative Logistikimmobilien (Logix) in einer Pressemitteilung zu Bedenken. 2021 engagierte sich die Initiative für die vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) herausgegebene Studie „Logistik in der Kommune“. Dafür hatten beide gemeinsam eine Umfrage unter Kommunen deutschlandweit zu ihrer Sicht auf Logistik durchgeführt.

Eine solche Umstrukturierung der Supply Chains ginge mit einer Abkehr vom bislang vorherrschenden Just-in-time-Prinzip einher. Das habe spürbare Auswirkungen auf die Logistikimmobilien-Wirtschaft. Ein Ausbau der regionalen Bevorratung bedeute eine erhöhte Nachfrage nach Lager- und Logistikflächen, um Güter und Produkte zu lagern und zu verarbeiten.

Risiken der Explosion der Frachtkosten

„Durch die Frachtkostenexplosion, die höheren Risiken und die Angleichung der Lohnkosten lohnt sich eine weit entfernte Produktion immer weniger“, sagt Prof. Dr. Christian Kille von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt FHWS.
Daraus ergäben sich Potenziale insbesondere für Logistikdienstleister. Sie übernähmen neben Lager- auch Montage- oder Produktionsschritte und böten diese vor Ort in der Nähe der Kunden an. Kille: „Dies wird einen Nachfrageschub geben nach Logistik-Dienstleistungen und -Flächen.“

„Die Situation der Logistik hat sich in den letzten zwei Jahren enorm verändert“, bestätigt Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe.
Internationale Lieferketten, über Jahre aufgebaut und etabliert, haben ihm zufolge auch durch die Corona-Pandemie an Stabilität verloren. Folge:

  • Warenknappheit,
  • Lieferengpässe und
  • Produktionsausfälle.

Dies führe bei vielen Unternehmen zu einem Hinterfragen der Logistikstrategie. Gerade die internationalen Supply Chains ständen auf dem Prüfstand. Allerdings sei der Handel global. So werde der Bedarf an regionalen Pufferlagern zum Ausgleich von Lieferschwankungen weiter ansteigen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)