02.08.2017

Lehrstellen 2017: Logistikbranche leidet unter Nachwuchsmangel

Die Logistik sorgt immer und überall für Nachschub. Jetzt hat die Branche selbst ein Nachschubproblem: ihr geht der Nachwuchs aus. Schon längst kann sie nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen. Das LogistikCluster NRW wollte wissen, warum.

Nachwuchsmangel in der Logistik 2017

Nachwuchsmangel: Vorstellung verpasst – Stelle nicht angetreten

Dies sind die Symptome für den Nachwuchsmangel: Ein Viertel der eingeladenen Bewerber erscheint nicht zum Vorstellungsgespräch. Die Hälfte der Azubis tritt eine Stelle gar nicht erst an – trotz unterschriebenem Vertrag. Die Transport– und Logistikbranche ist bei Azubis eher unbeliebt.

Die Branche hat unter der Unzuverlässigkeit von Auszubildenden schon im Vorfeld der eigentlichen Arbeit zu leiden. Allerdings erhielt auch knapp die Hälfte der Azubi-Bewerber keine Absage, wenn ihre Bewerbung nicht berücksichtigt wurde.

Für Azubis eher uninteressant: Logistik, Gastronomie, Bau

Die Logistik- und Transportbranche gehört nach der Gastronomie und der Bauwirtschaft zu den drei Branchen, die die größten Probleme haben, alle angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Auf einer Veranstaltung des Logistikclusters NRW in Bochum ging man jetzt den Ursachen auf den Grund.

Über diese Veranstaltung berichtet die „DVZ“. Markus Rasche, Leiter des Bildungswerks des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e.V. (VVWL NRW), stellte dort die Essenz aus aktuellen Studien zum Thema vor.

Bewerber können sich Ausbildungsunternehmen aussuchen

Für die „Azubi-Recruiting Trends 2017“ wurden mehr als 2.600 Azubi-Bewerber und Azubis, 900 Ausbildungsverantwortliche sowie 150 Eltern befragt. Danach erhalten über 60 Prozent der befragten Azubis und Schüler mehr als ein Ausbildungsplatzangebot.

„Im Ausbildungsmarkt entscheiden sich heute die Bewerber für die Ausbildungsunternehmen, nicht umgekehrt“, zitiert die Fachzeitschrift Rasche. Für einen großen Teil der Schüler sei die Bewerbung zu einem Home Run geworden. Ein Großteil der Bewerber habe die Wahl.

Die Logistikbranche rangiert dabei weit hinten. Als Gründe für deren mangelnde Anziehungskraft werden angegeben:

  • geringe Attraktivität
  • schlechtes Image
  • lange Bewerbungsfristen
  • viele Alternativen

Nicht lernen, sondern ausgebildet werden

Folge: die Verbindlichkeit der Kandidaten bekommt zunehmend Risse. „Früher hatten wir Lehrlinge, die etwas lernen wollten. Heute haben wir Azubis, die ausgebildet werden wollen“, beschrieb Jörn Stratmann, Geschäftsführer der Transport-Kontor aus Witten, das geänderte Anspruchsverhalten. Die Forderungen an die Unternehmen seien höher geworden, so Anja Graf vom Busreiseunternehmen Anton Graf aus Herne. Die Aufgaben der Ausbilder hätten sich verändert.

„Wir müssen uns anpassen“, räumt Joachim Berndt vom Entsorger Remondis aus Bochum ein. Vor allem Logistikbetriebe müssten sich attraktiver aufstellen.

Sympathie und Schnelligkeit

Als Mittel gegen den Nachwuchsmangel raten die Gesprächsteilnehmer der Branche zu Sympathie und Schnelligkeit. Prozessgeschwindigkeit werde zum Erfolgsfaktor. Warteten Azubis nach der Bewerbung zu lange auf eine Antwort, seien sie weg. Dann nähmen sie das Angebot eines Wettbewerbers an.

Ausbildungsbetriebe müssten zudem Bewerbungsfristen verkürzen. Sie sollten mit Abspringern rechnen und den Prozess möglichst lange offenhalten, um einem Teil der Kandidaten noch in letzter Minute eine Chance zu geben und alle Ausbildungsplätze besetzen zu können.

Bewerbung per Post

Einen erheblichen Handlungsbedarf an vielen Schulen deckt der „Azubi Report 2017“ von Ausbildung.de auf. Schulen bereiten demnach ihre Schüler nicht zeitgemäß auf die Berufsorientierung vor. Personaler nutzten vermehrt Online-Bewerbungen. Es zeige sich, dass demgegenüber jeder zweite der insgesamt 2.000 befragten Azubis seinen Ausbildungsplatz online gefunden, sich aber auf dem Postweg beworben habe. Das werde an der Schule eben oft noch so gelehrt. Viele Unternehmen könnten deswegen Stellen nicht schnell besetzen. Zudem bemängelten Personaler die schlechter werdende Qualität der Bewerbungen. Auch hier seien die Schulen gefordert.

Höheres Gehalt

Aufwärts geht es dafür mit dem Gehalt. 2014 konnten nur etwa 40 Prozent der befragten Azubis ihren Lebensunterhalt selbst tragen. Nun ist es schon knapp die Hälfte. Immer weniger sind daher auf die Unterstützung durch Familie, Bafög oder Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) angewiesen. Allerdings haben knapp zehn Prozent einen Nebenjob. 2016 waren das noch knapp zwei Prozent.

Trägerverein des LogistikClusters NRW ist der LOG-IT Club e.V., der sich für das LogistikCluster mit dem Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW zusammengeschlossen hat. Hier geht es zur Website des LogistikClusters NRW: www.logit-club.de/profil/

Hier geht es zur Website von Ausbildung.de, einer Homepage der Territory Embrace GmbH in Bochum: www.ausbildung.de/.

Autor: Franz Höllriegel