12.03.2020

Logistik in Europa durch Corona-Virus stark beeinträchtigt

Fußballspiele abgesagt, Messen, Großveranstaltungen – Corona-Virus hat jetzt auch Europa und Deutschland fest im Griff. Insbesondere die Situation in Italien, das hermetisch abgeriegelt ist, zieht die Wirtschaftsverbindungen über die Alpen in Mitleidenschaft.

Logistik Corona-Virus

Italien-Transporte von Epidemie betroffen

Aufgrund des flächendeckenden Ausbruchs der Epidemie hat Italien die Grenzen dicht gemacht – und die Nachbarländer zu Italien. Quarantäne für zahlreiche Ortschaften, vor allem in der Provinz Lodi (südlich von Mailand), aber auch vereinzelt in anderen Gemeinden im Norden Italiens meldet beispielsweise BHS Spedition und Logistik GmbH mit Sitz Bremen. Demzufolge könne man derzeit keine Abholungen und Zustellungen in diesen Gebieten vornehmen, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Darüber hätten es seine italienischen Partner informiert und folgende Liste von Gemeinden unter Quarantäne herausgegeben:

  • PLZ 26821 Bertonico (Lodi)
  • PLZ 26841 Casalpusterlengo (Lodi)
  • PLZ 26844 Castelgerundo (Lodi)
  • PLZ 26823 Castiglione D’Adda (Lodi)
  • PLZ 26845 Codogno (Lodi)
  • PLZ 26861 Fombio (Lodi)
  • PLZ 26847 Maleo (Lodi)
  • PLZ 26848 San Fiorano (Lodi)
  • PLZ 26867 Somaglia (Lodi)
  • PLZ 26827 Terranova dei Passerini (Lodi)
  • PLZ 35030 Vo’ (Padova)

Die Abwicklung von Sendungen in sonstige PLZs in Italien sei derzeit noch regulär gewährleistet, gegebenenfalls könnte es jedoch zu leichten Verspätungen kommen. Die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen seien verschärft worden, weitere Auswirkungen auf die Speditionen seien noch nicht absehbar.

KV nach Italien

Andere Unternehmen scheinen weniger betroffen zu sein. Die DVZ berichtet über den Kombinierten Verkehr mit Italien, speziell Norditalien. Er läuft demnach trotz den durch den Covid-19-Virus bedingten Einschränkungen noch normal. Die Zeitschrift zitiert dafür Sprecher von Hupac, Kombiverkehr und TX Logistik. Die Zugfrequenzen seien nicht ausgedünnt, Züge verkehrten nach Fahrplan, alle großen Umschlagterminals arbeiteten. Allerdings gebe es offenbar Behinderungen im Zu- und Ablaufverkehr mit den Terminals. Sie könnten dazu führen, dass Umläufe der Ladeeinheiten nicht wie geplant funktionieren.

Beschränkungen für die Lombardei u.a.

Auch in Gebieten mit Reisebeschränkungen fahren die Züge wie geplant, so Hupac laut DVZ. Die italienische Regierung hatte am Sonntag erhebliche Beschränkungen für die Lombardei sowie Teile von Piemont, Venetien, der Emilia Romagna und der Marken verhängt. Die Mitarbeiter kämen aber auch dort ungehindert zur Arbeit. Diese Wege seien von Verboten ausgenommen, so Hupac. Ungeachtet dessen bereiteten alle Anbieter Backup-Lösungen vor für den Fall, dass die Produktion bedingt durch Corona massiv einbrechen sollte.

Länder beschließen Lockerung der Sonntagsfahrverbote

In Deutschland haben einige Länder mit der Lockerung des Sonntagsfahrverbotes für Lkw auf die Epidemie reagiert. Laut einem Bericht der DVZ heben Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen, Hessen und Schleswig-Holstein die Sonntagsfahrverbote für Lkw auf. Das hätten die jeweils zuständigen Ministerien mitgeteilt.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) habe das Verbot für Lkw ab 7,5 t mit sofortiger Wirkung für Transporte von haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln aufgehoben. Es soll bis zum 30. Mai 2020 gelten. Ebenso verfahre Schleswig-Holstein. Auch Sachsen gab die Sonntage zur Fahrt frei. Zuvor hatte das Bundesverkehrsministerium das Land aufgefordert, die Möglichkeiten dafür zu prüfen. Hier endet die Regelung am 5. April. Gleiches gilt für Baden-Württemberg.

Hamburg und Berlin überlegen Lockerung

Zu der Regelung Hessens schreibt die DVZ, dass bis Ende Juni für den Transport von Artikeln des Trockensortiments zur Belieferung des Einzelhandels keine Ausnahmegenehmigung mehr verlangt werde. Damit wolle man eine zeitnahe Belieferung mit diesen Waren sicherstellen. Der entsprechende Erlass gehe kurzfristig heraus. Hamburg sehe derzeit keine Notwendigkeit, das Sonntagsfahrverbot aufzuheben. Berlin habe noch keine Nachfragen aus der Branche erhalten und habe keine Überlegungen angestellt. Das würde sich möglicherweise ändern, wenn Brandenburg das Sonntagsfahrverbot lockern würde.

SPC sagt Short Sea Shipping-Days ab

Aufgrund der Verschärfung der Lage um das Coronavirus haben das spc und die IHK zu Lübeck beschlossen, die Short Sea Shipping Days am 18. und 19. März 2020 nicht stattfinden zu lassen. Man habe die Lage erneut bewertet und sei zu der Überzeugung gelangt, dass eine Durchführung nicht mehr sinnvoll sei. Das Event werde auf die zweite Jahreshälfte 2020 verschoben. Ein neuer Termin befinde sich in der Abstimmung und werde in Kürze mitgeteilt.

„Wir müssen von einer weiteren Verschärfung der Lage ausgehen. Für uns steht die Gesundheit unserer Gäste an oberster Stelle. Auch sind behördliche Restriktionen nicht mehr auszuschließen. Daher bedauern wir sehr, dass wir die ShortSeaShipping Days in die zweite Jahreshälfte verschieben müssen“, begründet spc-Vorstandsvorsitzender Knut Sander die Entscheidung.

Hauptversammlung Transfrigoroute abgesagt

Abgesagt hat die Transfrigoroute Deutschland (TD) e.V. ihre für den 25. und 26.03.2020 geplante Jahreshauptversammlung. Das teilt der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. mit. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, aber die Risiken der bislang noch nicht eingedämmten Verbreitung des Corona-Virus seien zur Zeit nicht abzuschätzen. Letztlich habe die Gesundheit und die Unversehrtheit der Teilnehmer und Referenten allerhöchste Priorität. Man stehe mit dem Tagungshotel in Kontakt und versuche, einen zeitnahen Ersatztermin zu finden.

Auswirkungen der Epidemie auf Güterzugverbindung Mannheim-China

Das Coronavirus wirkt sich auch auf die wöchentliche Güterzugverbindung zwischen Mannheim und China aus. Wie das Logistikunternehmen Contargo mitteilte, ist der Zug aus Zentralchina im Februar zwei Mal ohne Ladung in Mannheim eingetroffen. Die Waren für den chinesischen Zielort, die Millionenstadt Xian, seien ohne Abstriche unterwegs gewesen. Darunter seien etwa Chemikalien und Elektronikteile für Autos.

Seit vergangenem Sommer gibt es die Verbindung zwischen der Metropole am Rhein und der industriell geprägten Hauptstadt der Provinz Shaanxi. Von dort kommen Babysitze, Auto- und Maschinenteile für Europa. Contargo verteilt die Lieferungen von Mannheim aus weiter. Die 21 Wagen des Zugs werden über Polen, Weißrussland und Russland nach China gebracht. Der Zug ist 17 Tage unterwegs.

Luftlinie liegen zwischen den beiden Endpunkten 7.850 km. China ist im vergangenen Jahr erneut zweitwichtigstes Exportland für die Südwest-Unternehmen gewesen. Mehr wurde nur in die USA ausgeführt. Baden-Württemberg lieferte laut Statistischem Landesamt Waren im Wert von 16,4 Milliarden Euro in das asiatische Land. In umgekehrter Richtung exportierte China Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro. Bezogen auf die Gesamtausfuhren Baden-Württembergs in Höhe von 205,2 Milliarden Euro betrug der Anteil Chinas acht Prozent. Der Anteil Chinas am Gesamtimport des Landes von 183,7 Milliarden Euro belief sich auf 7,6 Prozent.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)