24.11.2017

Logistik 4.0 hält nur schleppend Einzug im Transport

Staumeldungen, Feinstaub-Alarm, Verkehrskollaps: 350 Milliarden Leerkilometer werden jedes Jahr auf Europas Straßen zurückgelegt. Das soll sich nun ändern: mit 4.0-Technologien für die Transportlogistik. Wenn sie denn eingesetzt würden. Bei Logistik 4.0 sehen Experten noch viel Luft nach oben.

Logistik 4.0 in der Transportbranche

Logistik 4.0 bedeutet konsequente digitale Vernetzung

Eine konsequente digitale Vernetzung funktioniert beispielsweise über cloudbasierte Logistikplattformen. Transporteure, die mit Gewinnmargen von unter drei Prozent operieren, könnten diese Vorteile erreichen:

  • Lkws besser auslasten
  • mit kürzeren Warte- und Standzeiten Kosten sparen
  • Mitarbeiter besser einsetzen

Hinweis für Verlader

Verlader wiederum können mit dem Einsatz moderner Technologien die Ladeproduktivität erhöhen, was wiederum die Transportkosten reduziert. Hinzu kämen schlankere Abläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette und eine Senkung der Prozesskosten.

Logistik 4.0 bedeutet die Revolution einer ganzen Branche

Davon träumen die Väter von Logistik 4.0: von Echtzeit-Kollaboration, mehr Automatisierung und der Revolution einer ganzen Branche. Gemessen am verkehrspolitischen Potenzial und den wirtschaftlichen Vorteilen gibt es bei den Unternehmen noch viel Luft nach oben.

So hat die Europäische Kommission ermittelt, dass Jahr für Jahr 350 Milliarden Leerkilometer auf Europas Straßen zurückgelegt werden. Diesem Missstand könnte abgeholfen werden: mit 4.0-Technologien in der Transportlogistik.

Tipp

Nutzen Sie jetzt das umfassende Expertenwissen zu Einkauf – Logistik – Transport. Cleverer Einkauf. Durchdachte Logistik. Sicherer Transport.

Direkt online testen – kostenlos und bis zu 30 Minuten.

Nur 37,5 Prozent des Digitalisierungspotenzials genutzt

Doch da sieht es derzeit noch mau aus. Derzeit nutzen Unternehmen im Schnitt erst 37,5 Prozent des gesamten Digitalisierungspotenzials. Das ergab eine Untersuchung zum Thema „Transportlogistik 4.0“ des Cybernetics Lab IMA/ZLW der RWTH Aachen.

Für diese Studie untersuchten Forscher verschiedene marktreife Technologien – sowohl bereits marktreife als auch solche, die sich noch in der Entwicklung befinden. Befragt wurden rund 1.500 Unternehmen verschiedener Branchen und Größe zu ihrer aktuellen Praxis.

Analyse-Software: Logistics 4.0 Maturity Benchmark

Mithilfe der Analyse-Software Logistics 4.0 Maturity Benchmark wurden die Digitalisierungsprozesse der Unternehmen auf den Prüfstand gestellt. Für die Studie „Alles 4.0 oder doch nur Hype? Schlüsseltrends der Transport Logistik“ wurde hieraus eine repräsentative Stichprobe von 282 Unternehmen aus dem deutschen Sprachraum gewählt.

Die Fragen des Analysetools wurden zentralen Handlungsfeldern einer zukunftsweisenden Logistik zugeordnet. Die quantitativen Ergebnisse wurden qualitativ durch Erkenntnisse aus Tiefeninterviews mit 30 Experten der internationalen Transport- und Logistikbranche ergänzt.

Tipp

Für eine Logistik-Kostenanalyse nutzen Sie jetzt diese Excel-Anwendung – hier geht es zum Download:

https://www.weka.de/einkauf-logistik/logistik-kostenanalyse-dl/

Logistik 4.0 setzt moderne Kommunikationsmedien ein

Als Beispiele aus der Praxis nennt die Studie den Einsatz moderner Kommunikationsmedien wie

  • Apps
  • digitale Erfassung aller wichtigen Transportdaten
  • onlinebasierte Bearbeitung der Transportdokumente

Mit diesen modernen Medien lässt sich Arbeitszeit sparen und die Arbeit erleichtern. Der Studie zufolge wickeln aber erst zwölf Prozent aller Unternehmen ihre transportrelevanten Dokumente vollständig digital ab.

Die Vorreiter sind hier

  • Handel
  • Consumer- und Automobilbranche
  • Maschinenbau

In diesen Branchen wickeln bis zu 80 Prozent der befragten Unternehmen ihre Dokumente bereits ganz, überwiegend oder immerhin schon zum Teil online ab. Ein weiteres Ergebnis: Je größer ein Unternehmen ist, desto weiter ist schon es auf dem Weg der Digitalisierung.

Die Dienste anderer Akteure bei Logistik 4.0

Die 4.0-Welt ermöglicht dank entsprechenden Schnittstellen den Zugriff auf Dienste anderer Akteure. Damit wird eine flexible Vernetzung in Form dynamischer Netzwerke erreicht.

„Hier liegt das größte Potenzial für die Transportlogistik“, weiß Peter Schmidt, Geschäftsführer und CCO der Transporeon Group – einer Cloud-Plattform für intelligente Transportlogistik. In Echtzeit verfügbare Informationen erhöhten Transparenz und Flexibilität. Die Logistik der Zukunft werde durch Kooperation selbst konkurrierender Mitbewerber geprägt sein.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)