20.02.2019

LNG: öffentliche Tankstelle für Flüssigerdgas in Hessen geplant

Andere reden – Elvis handelt. Der Güterverkehrsverbund will für Lkws den Umstieg von Diesel auf LNG forcieren. Damit Spediteure ihre Lorries mit dem umweltfreundlicheren Gas betreiben, braucht es ein Tankstellennetz. Der Aufbau dauert. Elvis baut deswegen eine erste LNG-Tanke im hessischen Knüllwald.

Der Ladungsverbund Elvis will mit seiner geplanten Tankstelle für LNG den Umstieg von Diesel auf Flüssigerdgas fördern.

Elvis macht Nägel mit Köpfen bei Flüssigerdgas

Alle rufen nach umweltfreundlichen alternativen Antrieben im Güterverkehr. Doch keiner tut was. Das will man beim Europäischen Ladungsverbund Internationaler Spediteure AG (Elvis) für sich aber nicht gelten lassen. Der Verband will mit gutem Beispiel vorangehen. Er fördert jetzt den Bau einer öffentlichen Tankstelle für LNG am Teilladungshub in Knüllwald. Damit will er dem Problem der bis dato schwachen Infrastruktur für Flüssigerdgas (Liquid Natural Gas, LNG) zu Leibe rücken.

Durch die zentrale Lage in der geographischen Mitte Deutschlands und die direkte Anbindung an die A7 sei eine gute Versorgung der Fahrzeuge im Linienverkehr gewährleistet, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation.

LNG-Tankstelle offen auch für Nichtmitglieder von Elvis

Elvis hat jetzt seinen Mitgliedern das LNG-Konzept in Alzenau am Spessart vorgestellt. 65 Partnerspeditionen hätten dabei großes Interesse an der Diesel-Alternative gezeigt. Spätestens im Frühjahr 2020 soll die Tankstelle in Betrieb gehen und auch Nicht-Elvis-Mitgliedern offenstehen.

„Wir wollen, dass sich flüssiges Erdgas als Alternative zum Diesel etabliert“, sagt Elvis-Chef Jochen Eschborn.

Deswegen wolle man mit dem Bau einer öffentlichen LNG-Tankstelle die Infrastruktur in Deutschland verbessern helfen. Bislang war das kaum vorhandene Tankstellennetz das stärkste Argument gegen den Einsatz von LNG-Lkws im Fernverkehr. Im Linienverkehr könne jedoch schon eine einzige Tankstelle entlang der Strecke das Problem lösen, zeigt sich Eschborn überzeugt. Mit der Integration einer LNG-Tankstelle in den Neubau des Teilladungssystems in Knüllwald werde man diese Möglichkeit bieten.

Die geplante LNG-Tankstelle soll nicht nur Elvis-Mitgliedern zugänglich sein. Um minimale Standzeiten zu garantieren und das Tanken auch für ungeschultes Fahrpersonal zu gewährleisten, will Elvis den Tankvorgang durch den Einsatz eines betriebseigenen Tankwarts beschleunigen. Weitere Details zur Umsetzung des Projektes diskutieren die Kooperationsteilnehmer derzeit.

Netzwerk für Transportbedarfe

Die Elvis AG besteht seit 2006 und verfügt eigenen Angaben zufolge mittels ihrer Mitglieder heute über eine Flotte von mehr als 17.000 Lkws. Zum Leistungsportfolio des Verbunds zählen der zentrale Einkauf von Waren und Dienstleistungen, der Onlineshop „Elvis Truckstar“ sowie Beratungslösungen.

Der Verband informiert seine Mitglieder frühzeitig über Markt- und Branchenveränderungen sowie über relevante politische Entwicklungen. Als Dachorganisation fungiert er als zentraler Ansprechpartner und Interessensvertreter seiner Mitglieder. Mit dem Ziel, praxisrelevante Mehrwerte und Vorteile für die angeschlossenen Mitgliedsunternehmen zu generieren, initiiert und betreut die Elvis AG zudem Pilotprojekte und Kooperationen mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen.

Zudem unterhält der Verband diese operativen Netzwerke:

  • Part Load Network
  • Full Load Network
  • Volume Load Network
  • Baustoffnetzwerk
  • Palettenportal

Tankstelle als Teil der LNG-Offensive

Der Bau der Tankstelle ist Teil der gestarteten Offensive:

„Wir möchten künftig die Einkaufsvolumina von Erdgas-Lkw unserer Mitgliedsspeditionen im Elvis-Zentraleinkauf bündeln, um günstigere Preise zu erzielen“, erklärt Eschborn.

Bei einigen Mitgliedern seines Verbands sind bereits jetzt LNG-Fahrzeuge im Einsatz, weitere sollen bestellt sein. Gemäß den Angaben verschiedener Hersteller könnten die Treibstoffkosten mit dem Einsatz von Flüssigerdgas-Lkws um 10 bis 20 Prozent gesenkt werden. Analog dazu sei eine CO2-Reduktion von rund 10 Prozent garantiert. Stammt das Gas nicht aus fossilen Quellen, sondern aus Biogas-Anlagen, sei gar eine Senkung der Emission um bis zu 90 Prozent möglich.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)