03.07.2018

Lkw-Maut auf Bundesstraßen ist da

Seit dem 1. Juli müssen Lkw auch für Fahrten auf Bundesstraßen Maut zahlen. Bislang fiel die Lkw-Maut nur auf Bundesautobahnen und einigen ausgebauten Bundesstraßen an. Das Verkehrsministerium rechnet mit Mehreinnahmen von 7,2 Milliarden Euro jährlich.

Auch die Lkw-Maut auf Bundesstraßen wird von der Toll Collect abgerechnet.

Inkasso durch Toll Collect

Seit Sonntag, dem 1. Juli, fällt die Lkw-Maut auf Bundesstraßen an. Dies gilt für Lkw ab 7,5 Tonnen. Eingetrieben wird die Gebühr von dem Unternehmen Toll Collect. Das hat zum Start der Mautausweitung die automatische und die manuelle Mauterhebung technisch auf Vordermann gebracht.

Mit der Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen vergrößert sich laut „transport-online.de“ das mautpflichtige Streckennetz auf rund 52.000 Kilometer. Schätzungen zufolge sind Fahrzeuge aus ca. 30.000 Unternehmen unterschiedlicher Branchen von der neuen Mautpflicht betroffen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer rechnet mit Mehreinnahmen von jährlich durchschnittlich 7,2 Milliarden Euro für den Staatshaushalt 2018 bis 2022. Der Bund will sie in moderne und sichere Straßen in Deutschland stecken. „Das sind jährlich rund 2,5 Milliarden mehr als bisher“, zitiert die Fachplattform den Minister. Davon profitierten Unternehmen, die auf eine leistungsstarke Infrastruktur angewiesen sind, sowie alle Autofahrer.

Lkw-Maut auf Bundesstraßen: Bezahlt wird vor Antritt der Fahrt

Bezahlen müssen die betroffenen Lkw-Transporteure die Maut weiterhin vor Beginn der Fahrt.

Die Fahrer können dafür das automatische Einbuchungssystem nutzen. Dies sei, so eine Mitteilung von Toll Collect, der komfortabelste Weg. Von Oktober 2017 bis Ende März 2018 würden rund 1,1 Millionen On-Board Units schrittweise von der dezentralen auf eine zentrale Mauterhebung umgestellt.

Die On-Board Units senden zeitversetzt und verschlüsselt Fahrtdaten und mautrelevante Fahrzeugmerkmale an das Toll Collect-Rechenzentrum. Dort wird die Maut für die befahrenen gebührenpflichtigen Streckenabschnitte berechnet. Informationen zu den einzelnen Fahrten können Transportunternehmer und Fahrer im Kunden-Portal unter „Nicht abgerechnete Fahrten“ spätestens nach 48 Stunden, in der Regel früher, einsehen.

Wenn für die einzelnen Fahrten und Kunden Kostenstellen in der OBU vergeben werden, gelinge die Zuordnung später leichter. Die manuelle Einbuchung ist per Toll Collect-App auf mobilen Endgeräten, wie Smartphone und Tablet, möglich. Weiterhin kann über stationäre PC oder 1.100 neue Mautstellen-Terminals gebucht werden. Die neuen Mautstellen-Terminals ergänzen die Online-Einbuchung.

Abstufung nach Gewichtsklassen

Die Maut lässt sich nach zusätzlichen Gewichtsklassen differenzieren. Seit 1. Juni 2018 werden auf den On-Board Units die neuen Maut-Gewichtsklassen sichtbar:

  • < 7,5 Tonnen
  • ≥ 7,5 Tonnen – 11,99 Tonnen
  • ≥ 12 Tonnen – 18 Tonnen
  • > 18 Tonnen

Im Fahrzeuggerät ist das zulässige Gesamtgewicht, das bei der Registrierung angegeben wurde, dauerhaft gespeichert. Das Gewicht ist anzupassen, wenn ein Anhänger an- oder abgekoppelt wird. Die aktuell gültigen Mautsätze bleiben zunächst in Kraft. Die falsche Auswahl und Einstellung einer der Gewichtsklassen wird darum vorläufig nicht geahndet. Die Mitwirkungspflichten des Fahrers bleiben vorläufig gleich. Weiterhin ist die aktuelle Achszahl einzugeben, sofern sie von der auf der OBU personalisierten Achszahl abweicht.

Bundesfernstraßenmautgesetz wird angepasst

Das Bundesfernstraßenmautgesetz will man auf der Grundlage eines neuen Wegekostengutachtens schnellstmöglich anpassen. Daraus werden sich neue Mautsätze und neue Mitwirkungspflichten ergeben. Die Einführung neuer Gewichtsklassen ist nach dem neuen Wegekostengutachten grundsätzlich möglich und vom Gesetzgeber beabsichtigt.

Zukünftig werden auf den Bundesstraßen Kontrollsäulen überprüfen, ob die Mautpflicht eingehalten wird. Die Kontrollsäulen ergänzen die mobilen Kontrollen des Bundesamts für Güterverkehr (BAG). Kontrollbrücken werden auf Bundesstraßen nicht errichtet. Technisch sind die Kontrollsäulen mit ähnlichen Funktionen ausgestattet wie die auf den Autobahnen installierten Kontrollbrücken. Die rund 600 Kontrollsäulen, die vier Meter hoch und blau/grün gekennzeichnet sind, überprüfen, ob vorbeifahrende Fahrzeuge mautpflichtig sind und die Gebühr ordnungsgemäß entrichtet haben.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)