16.08.2017

Lkw im Modal Split weiterhin auf der Überholspur

Ein Mülllaster gerät im Schwarzwald außer Kontrolle, kann nicht bremsen und kippt in einer Kurve um – auf einen zufällig entgegenkommenden Pkw. Alle fünf Insassen sind sofort tot. Derlei Schreckensnachrichten interessieren Verlader wenig: sie setzen weiter verstärkt auf den Lkw. Dieser legt im Modal Split weiterhin zu.

Lkw im Modal Split

Modal Split: vier Wochen auf dem Ozean – in Stunden auf dem Landweg?

„Ich habe nie verstanden, warum ein Transportgut, das vier Wochen und mehr auf dem Ozean verbringt, plötzlich per Lkw unter absolutem Zeitdruck sozusagen auf der letzten Meile innerhalb weniger Stunden von Rotterdam zum Endkunden in Deutschland gebracht werden muss.“

Gewiss: Der das sagt, ist vorbelastet. Es ist der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB), Martin Staats. Am Gehalt seines Statements ist indes nicht zu rütteln.

Aufkommenszuwächse allein für die Straße

Und doch legt im Modal Split (Anteile der verschiedenen Verkehrsträger bzw. Verkehrsmittel an der gesamten Transportleistung) nicht etwa das Binnenschiff oder die Bahn zu, sondern nach wie vor der Lkw. In einem positiven gesamtwirtschaftlichen Umfeld erzielte demnach von allen Landverkehrsträgern allein die Straße im Jahr 2016 Aufkommenszuwächse.

Das geht aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) zu den Erkenntnissen der verkehrsträgerübergreifenden Marktbeobachtung 2016 hervor:

  • Die im Straßengüterverkehr mit deutschen Lastkraftfahrzeugen im In- und Ausland beförderte Transportmenge erhöhte sich demnach im Vergleich zum Jahr 2015 um 2,5 Prozent auf rund 3,1 Milliarden Tonnen (t). Damit übertraf sie erstmals das Niveau von 2008. Die Verkehrsleistung stieg um 0,3 Prozent auf rund 315,7 Milliarden Tonnenkilometer (tkm).
  • Im Schienengüterverkehr sank demgegenüber die Beförderungsmenge im Vergleichszeitraum um 1,0 Prozent auf rund 363,5 Millionen t. Die Verkehrsleistung nahm um 0,4 Prozent auf rund 116,2 Milliarden tkm ab.
  • In der Binnenschifffahrt stagnierte das Transportaufkommen bei rund 221,3 Millionen t. Die Verkehrsleistung reduzierte sich allerdings um 1,8 Prozent auf rund 54,3 Milliarden tkm. Damit fiel sie auf den niedrigsten Wert der letzten Jahre.

Umsatzsteigerungen für Straße und Schiene

Sowohl der Straßen- als auch der Schienengüterverkehr verzeichneten im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr Umsatzsteigerungen im unteren einstelligen Prozentbereich. Die Binnenschifffahrt verbuchte hingegen hohe Umsatzeinbußen. Letzteres war vor allem eine Folge stark rückläufiger Frachten.

Hohe Wettbewerbsintensität

2016 standen die Beförderungsentgelte verkehrsträgerübergreifend unter Druck. Das lag an einer hohen Wettbewerbsintensität und einer moderaten, teils rückläufigen Kostenentwicklung, die insbesondere durch den weiteren Rückgang der Kraftstoffpreise geprägt war. Die Beförderungsentgelte im Schienengüterverkehr stiegen insgesamt noch leicht an. In verschiedenen Segmenten des Straßengüterverkehrs sind sie aber zurückgegangen – vor allem im Fernverkehr und in der Binnenschifffahrt.

Rückgang der Verkehrsleistung in der Binnenschifffahrt

Ursächlich für den erneuten Rückgang der Verkehrsleistung in der Binnenschifffahrt waren im Jahr 2016 vor allem geringere Beförderungen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Kohle, Nahrungs- und Genussmitteln sowie die Abnahme der Durchgangsverkehre.

Hingegen bedeuteten über 2,4 Millionen TEU (Twenty-foot-Equivalent-Unit), die im Jahr 2016 auf deutschen Binnenwasserstraßen befördert wurden, einen neuen Rekordwert. Wie im Jahr 2015 wurde der Schifffahrtsbetrieb zeitweise wasserstandsbedingt erheblich beeinträchtigt. Nach den deutlichen Steigerungen im Vorjahr verzeichnete die deutsche Binnenschifffahrt im Jahr 2016 hohe Umsatzeinbußen.

Stark rückläufige Frachtenentwicklung in der Binnenschifffahrt

Neben der geringeren Nachfrage war hierfür die stark rückläufige Frachtenentwicklung maßgeblich. Letztere stand unter dem Einfluss eines sehr hohen Kapazitätsangebots im Rheinstromgebiet und einer rückläufigen Kostenentwicklung infolge des weiteren Rückgangs der Gasölpreise.

Nach dem sehr guten Vorjahr schwächte sich die Ertragslage deutscher Binnenschifffahrtsunternehmen im Jahr 2016 mehr oder minder ab.

Güterschifffahrt trotzdem „nicht unzufrieden“

Vor allem die Trockengüterschifffahrt blieb zum Teil deutlich hinter ihren Vorjahresergebnissen zurück. Dennoch zeigte sich ein Gutteil der vom Bundesamt befragten Unternehmen der gewerblichen Güterschifffahrt mit ihrer Ertragslage nicht unzufrieden. Ausgehend von niedrigem Niveau nahm die Anzahl der Insolvenzverfahren erneut ab. Indes ging die Anzahl der Unternehmen in der gewerblichen Güterschifffahrt in Deutschland jüngst weiter zurück.

Hier geht es zur Website des Bundesamts für Güterverkehr: www.bag.bund.de.

Autor: Franz Höllriegel