18.05.2018

Lkw-Fahrer: Auch hier herrscht Fachkräftemangel

Kapitän der Landstraße – früher ein Traumberuf, ist das Lkw-Fahren heute ein Alptraumberuf. Lenk- und Ruhevorschriften, Mangel an Parkplätzen, der zunehmende Onlinehandel – Politik und BGL haben Lkw-Fahrer jetzt nach ihren Nöten befragt. Wie kann man hier gegenlenken?

Eine Befragung des BGL hat herausgefunden, welche Verbesserungswünsche die Lkw-Fahrer haben.

Die Verbesserungsvorschläge der Lkw-Fahrer

  1. Mehr Wertschätzung
  2. eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  3. mehr Flexibilität bei Lenk- und Ruhezeiten
  4. mehr freie und sauberere Parkplätze

In dieser Reihenfolge fasst Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung e.V. (BGL), die Aussagen der Lkw-Fahrer zusammen.

Gemeinsam mit dem stellvertretenden verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Udo Schiefner, hat der Verband am Autobahnrasthof Frechen Nord Lkw-Fahrer nach ihren Nöten befragt.

Online-Umfrage des BGL für EU-Mobilitätspaket

Die persönliche Fahrerbefragung am Rasthof ist Teil einer groß angelegten Online-Umfrage des BGL im Zusammenhang mit den Verhandlungen zum EU-Mobilitätspaket.

Mithilfe der Umfrage versucht der BGL herauszufinden, was notwendig ist, um die berufliche Situation der Lkw-Fahrer zu verbessern und den Fahrerberuf attraktiver zu machen. Die Ergebnisse will man dann der EU-Kommission für die Beratungen zur Verfügung stellen.

Befragung betroffener Lkw-Fahrer statt nur Diskussion am grünen Tisch

Engelhardt zufolge hat in der Debatte zum Mobilitätspaket kaum jemand der vielen Akteure aus Politik, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden die Lkw-Fahrer befragt, was sie wirklich wollen und was sie eigentlich bewegt. Mit der Umfrage wolle man das nachholen. Schiefner habe sich als Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags schon seit langem für die Anliegen der Branche eingesetzt. Seine Bereitschaft zum Mitmachen sei bei den Fahrern gut angekommen.

Engelhardt: „Sie haben sich gefreut, dass jemand aus der Politik ihnen ein offenes Ohr schenkt.“

Schiefner zufolge müsse man herausfinden, was die Fahrer umtreibt, was sie wollen und wo sie der Schuh drückt. Nur so könne man die Attraktivität des Fahrerberufes erhöhen.

BGL thematisiert Lkw-Fahrermangel in Straßburg

Erst im April 2018 hatten sich Vertreter des BGL und des Verbands des Verkehrsgewerbes Baden (VB) e.V. mit führenden Verkehrspolitikern im Europäischen Parlament in Straßburg zum Austausch u.a. über das Mobilitätspaket getroffen. Das Treffen wurde mitveranstaltet von den Europaabgeordneten Ismail Ertug (SPD) und Markus Ferber (CSU).

„Nach vielen Jahren der Liberalisierung der EU-Verkehrspolitik ist das Mobilitätspaket eine große Chance, wieder für mehr Wettbewerbsgleichheit in der EU zu sorgen und den Kampf gegen Sozialdumping aufzunehmen“, so BGL-Präsident Adalbert Wandt.

Anwendung der Entsenderichtlinie

Der BGL unterstützt die Anwendung der Entsenderichtlinie im Straßengüterverkehr. Auch stimmt der Verband für die Einbeziehung von im Straßengüterverkehr gewerblich genutzten Fahrzeugen bereits ab 2,5 t in die EU-Gesetzgebung – wie z.B. in die Regelung der Lenk- und Ruhezeiten.

Der Marktzugang von gebietsfremden Unternehmen für nationale Verkehre dürfe nicht weiter liberalisiert werden.

VB-Vorsitzender Oskar Dold: „Kabotage darf kein Geschäftsmodell werden!“

Weitere Forderungen des BGL:

  • ein zentrales und ständig aktualisiertes EU-Meldeportal für die Entsendungserklärungen
  • einheitliche EU-Kontrollstandards für die Durchsetzung der neuen Sozialregeln

Auswirkung des Fahrermangels bei Rastatt-Desaster

Bereits im Oktober 2017 hatte der BGL die Auswirkungen des Fachkräftemangels in der Logistik vor allem bei Lkw-Fahrern angeprangert.

Ein besonders krasses Beispiel dafür, wie Fahrermangel unmittelbar zur Laderaumverknappung führt, mussten von der kurz zuvor erfolgten Bahnstreckensperrung bei Rastatt betroffene Unternehmen erleben. Sie konnten über Wochen hinweg für ihre Ladung keine freien Lkw-Kapazitäten finden.

Der boomende Onlinehandel

Der zunehmende Onlinehandel verschärft diese Situation. Im Jahr 2016 hätten zwar insgesamt 16.211 Berufskraftfahrer-Azubis und Prüfungsteilnehmer nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz den Lkw-Führerschein erworben – so viele wie nie zuvor. Aber etwa 30.000 Lkw-Fahrer träten pro Jahr in den Ruhestand.

Angesichts des boomenden Onlinehandels sei weder kurz- noch mittelfristig Entspannung zu erwarten. Beim Fahrermangel auf Entlastung durch das automatisierte Fahren zu hoffen, ist nach Ansicht des BGL keine Option.

Wandt damals: „Auch im Flugzeug hat der Autopilot den Piloten nicht überflüssig gemacht.“
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)