09.05.2018

Lieferprobleme machen Hersteller Dräger zu schaffen

Erst hat man kein Glück – und dann kommt auch noch Pech hinzu. So ähnlich scheint es dem Lübecker Technologiekonzern Dräger AG zu gehen. Erst sinkt der Umsatz, dann kommen negative Währungseffekte hinzu – und schließlich hat man noch Lieferprobleme.

1. Quartal 2018: Lieferprobleme, Umsatzrückgang und negative Währungseffekte haben den Kurs der Dräger-Aktie einbrechen lassen.

Weniger Umsatz, negative Währungseffekte, Lieferprobleme

Ein gesunkener Umsatz, negative Währungseffekte und Lieferprobleme sorgen bei der Lübecker Drägerwerk AG für Enttäuschung. Diese wurde in der vorläufigen Bilanz für das erste Quartal 2018 deutlich sichtbar, wie Dräger-Sprecher Peter Müller den „Lübecker Nachrichten“ mitteilte. Als Folge sank der Börsenkurs der Dräger-Aktien erheblich.

Das erste Quartal sei traditionell das schwächste bei Dräger. Diesmal sei aber der Wert ungewöhnlich enttäuschend. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) haben demnach minus 40 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Im ersten Quartal 2017 waren es den Angaben zufolge noch plus 2,8 Millionen Euro gewesen.

Verteilzentrum verursacht Lieferprobleme

Wie die „DVZ“ berichtet, kommen noch Probleme im Verteilzentrum des Medizin- und Sicherheitstechnikherstellers am Frankfurter Flughafen bei der Auslieferung hinzu – und das schon seit Monaten.

Entsprechende Informationen habe Melanie Kamann, die Kommunikationschefin des Unternehmens mit Sitz in Lübeck, der Zeitschrift bestätigt.

„Wir bedauern sehr, dass unseren Kunden aufgrund des Lieferengpasses Unannehmlichkeiten entstehen“, sagte sie demzufolge.

Logistikprozesse umgestellt

Ende 2017 habe das Unternehmen Logistikprozesse umgestellt. Das habe mehr Kapazitäten in Anspruch genommen als geplant. Zudem sei zeitweise fast ein Viertel der Mitarbeiter beim Logistikpartner wegen Krankheit ausgefallen.

„Weil temporäre Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt nur unzureichend verfügbar waren, konnte dieser Engpass nur teilweise kompensiert werden“, zitiert die Fachzeitschrift die Sprecherin.

Die Folge seien Rückstände bei der Bearbeitung von Bestellungen gewesen, „sodass wir unserem eigenen Anspruch an Liefertreue und -qualität nicht gerecht werden konnten“.

Logistikpartner Simon Hegele

Über den Frankfurter Standort wurden jahrelang Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien des Bereichs Medizintechnik verteilt. Dann sollten auch Waren aus der Sicherheitstechnik über das Lager laufen. Damit soll dem Bericht zufolge der Logistikpartner Simon Hegele jedoch mehr Schwierigkeiten bekommen haben als angenommen. Der Dienstleister selbst hülle sich in Schweigen mit Hinweis auf „laufende Geschäftsbeziehungen“.

Die „DVZ“ zitiert nicht näher spezifizierte Insiderkreise, denen zufolge ein regelrechtes „Chaos“ in dem Logistikzentrum herrschen soll. Die Unternehmen versuchten mit zusätzlichen Mitarbeitern und Sonderschichten die Lage in den Griff zu bekommen. In dringenden Fällen würden Sondertransporte veranlasst.

Dräger habe die gewohnte Standardlieferzeit um drei Tage verlängert und die Kunden gebeten, dies in ihrem Beschaffungsprozess zu berücksichtigen. Bei seit 1. April eingegangenen Aufträgen gelinge es innerhalb der EU, diese Lieferzeit mit einer hohen Verlässlichkeit einzuhalten. Hier seien Lieferrückstände bereits abgearbeitet worden. Nun gehe es vor allem darum, auch die Kunden außerhalb der EU wieder stabil beliefern zu können. Man arbeite mit Hochdruck daran, im zweiten Quartal auch hier die Rückstände abzubauen.

US-Dollar nicht schuld an Misere

Bezüglich Währungsproblemen schließt Draeger Probleme mit dem US-Dollar aus. Negative Währungseffekte gegenüber dem Vorjahresquartal machten Unternehmenssprecher Müller zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag aus. Die amerikanische Währung helfe sogar in geringem Maß.

Zu den Verlusten trügen vor allem die Wechselkurse des Euro zur türkischen Lira, zum australischen Dollar, zum brasilianischen Real und zur indischen Rupie bei. Das Problem: Dräger produziert vor allem im Euro-Raum. Deswegen belastet ein starker Euro die Kosten, wenn die Produkte in einem Land verkauft werden, dessen Währung gegenüber dem Euro schwächer geworden ist.

Ernüchternde Quartalszahlen

Aber auch der währungsbereinigt um 2,5 Prozent gesunkene Umsatz schlage sich in den ernüchternden Quartalszahlen nieder. Gleichzeitig seien aber der Auftragseingang und der Auftragsbestand weiter gestiegen. Das seien „ermutigende Signale“ für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres.

Auch von der Wechselkurssituation erwarte man im Laufe des Jahres eine Entspannung. Insgesamt halte man an den zuvor festgelegten Zielen für 2018 fest. Allerdings werde die zwischen vier und sechs Prozent angepeilte Ebit-Marge „eher im unteren Bereich“ dieses Korridors landen.

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Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)