09.03.2018

Lebensmittelketten investieren kräftig in ihre Logistik

Modernere Filialen, besserer Service, mehr Online-Angebote – die Lebensmittelketten Aldi, Lidl, Edeka und Rewe stecken derzeit viel Geld in die Logistik. Rewe allein will zwei Milliarden Euro investieren, die Hälfte davon in das Logistiknetz.

Lebensmittelketten wie Rewe investieren verstärkt in ihre Logistik und Filialnetze.

Lebensmittelketten starten Investitionsoffensive in ihre Logistik

Ein Beispiel bei den Lebensmittelketten ist Rewe. Der Handelskonzern will „sieben neue Logistikzentren in Deutschland bauen – in jeder Rewe-Region eins“. So zitiert die „DVZ“ Matthias Bähr. Er ist Leiter Logistik National/Supply Chain Management und hat beim Branchenforum Handelslogistik in Hamm gesprochen.

Demnach sollen alte Standorte in neuen Zentren aufgehen – oder alte Standorte werden technisch überholt und möglichst automatisiert. Das Investitionsvolumen beziffert Bähr laut Bericht auf mehr als eine Milliarde Euro. Er begründet die Offensive mit der Erwartung eines starken Wachstums der Gruppe bis 2025 und nennt diese Ziele: Ab 2021 sollen die ersten Logistikzentren in Betrieb gehen und dabei über 2.500 neue Arbeitsplätze entstehen.

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Investitionen in die Logistik: Rewe sucht Grundstücke

Für ihre Investitionsoffensive in die Logistik brauchen die Lebensmittelketten zum Teil auch neue Grundstücke. Rewe hat bereits Grundstücke von jeweils ca. 30 Hektar erworben: eins in Henstedt-Ulzburg nördlich von Hamburg und eins im hessischen Wölfersheim.

Die Lagerfläche beläuft sich auf jeweils rund 100.000 Quadratmeter. Allein Henstedt-Ulzburg soll ein geschätztes Volumen von 100 Millionen Euro haben. Beide Standorte liegen direkt an den Autobahnen A7 bzw. A45. Zwei alte Standorte mit jeweils insgesamt rund 550 Mitarbeitern seien an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Sie wolle der Konzern in den Regionen dort zusammenführen.

Lebensmittelketten: Belieferung von Filialen und Tankstellen

Bislang umfasst laut Matthias Bähr die Rewe-Markt-Logistik in Deutschland 19 Standorte. Diese haben insgesamt eine Lagerfläche von mehr als 935.200 Quadratmetern. Das Unternehmen beschäftigt in der Logistik rund 10.000 Mitarbeiter. Der Fuhrpark besteht aus rund 2.200 Lkws: mehrheitlich mit Euro 5-, einige mit Euro 6 Abgas-Norm. Täglich werden laut Bähr etwa 4.000 Lkw-Ladungen in die rund 3.300 Märkte geliefert.

Beliefert werden zudem andere Vertriebslinien der Gruppe wie „Rewe To Go“ in Aral-Tankstellen. Deren Öffnungszeiten weichen erheblich von den Filialen ab. Deswegen will man hier eine höhere Geschwindigkeit in der Belieferung erreichen.

Roboter ante portas bei den Lebensmittelketten

Die Gruppe will dem Bericht zufolge alle neuen Lager automatisieren. Bislang ist damit im Logistikzentrum in Neu Isenburg bei Frankfurt am weitesten fortgeschritten. Es ist als einziges fast vollständig durchautomatisiert. Dabei benötigt jeder einzelne Bereich – vom Trockensortiment bis zur Frischware – eine eigene Technik.

Man will alle Logistikzentren für den späteren Einsatz von Robotern vorbereiten. Die Entwicklung mache zwar Fortschritte, allerdings benötige man Roboter, die greifen können. Dafür sei die Technik noch nicht ausgereift, so Bähr.

Neue Einheit Digitalisierung

Große Potenziale sieht Bähr in der Automatisierung der Be- und Entladevorgänge an der Rampe. Hier ließe sich noch erheblich Zeit einsparen.

„Im Lager sind wir auf einem guten Weg“, so Bähr laut „DVZ“.

Um die Digitalisierung im Bereich der Intralogistik voranzutreiben, habe man eine eigene Digitalisierungseinheit im Unternehmen gegründet. Sie beschäftige 15 Mitarbeiter.

Bähr zufolge koste die Automatisierung „richtig Geld“. Sie setze gewaltige Investitionen voraus. Inwieweit der Wettbewerb hier mithalten kann, wird die Zukunft zeigen.

Das Konkurrenzfeld beschränkt sich nicht mehr nur auf Aldi, Lidl oder Edeka. Essenslieferdienste wie Foodora und Lieferando sowie der Online-Händler Amazon machen den Platzhirschen das Leben schwer. Zumal Amazon hat bereits viele Milliarden Euro in seine europäische Logistikinfrastruktur gesteckt.

Hier geht es zur Website des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen, der das Branchenforum Handelslogistik veranstaltet: www.handelsverband-nrw.de.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)