09.05.2018

Ladungsverbund: Lkw-Maut auf Bundesstraßen ist existenzbedrohend

Ab Juli 2018 gilt die Lkw-Maut auch auf Bundesstraßen. Damit dürften auf die Spediteure große Belastungen zukommen. Der Ladungsverbund „Elvis“ rechnet mit bis zu acht Prozent höheren Gesamtkosten für dieses Jahr. Was das nächste Jahr bringen wird, weiß niemand.

Der Ladungs-Verbund Elvis betont Unwägbarkeiten für Transportbranche durch Maut auf Bundesstraßen.

Bundesstraßen ab Juli 2018 für Lkw mautpflichtig

Durch die Ausweitung der Lkw-Maut auf die deutschen Bundesstraßen verteuern sich ab Juli die Transporte. Der Europäische Ladungsverbund Internationaler Spediteure AG (Elvis) rechnet mit höheren Gesamtkosten von durchschnittlich:

  • 2,5 Prozent im nationalen Güterfernverkehr
  • 3,6 Prozent im Nahverkehr beim Einsatz von 12-Tonnern
  • 3,9 Prozent im Nahverkehr mit schweren Lkw

Toll Collect darf sich auf zusätzliche Einnahmen freuen

Bislang galt die Maut für rund 15.000 Kilometer Autobahnen und mehrspurige Bundesfernstraßen. Ab dem 1. Juli werden alle Bundesstraßen mautpflichtig. Damit werden rund 52.000 Straßenkilometer für Lkw ab 7,5 Tonnen Gesamtgewicht gebührenpflichtig.

Maut-Betreiber ist die Firma „Toll Collect“. Deren Angaben zufolge werden etwa 30.000 Unternehmen für Fahrten ihrer 140.000 Fahrzeuge erstmals Gebühren zahlen müssen. Im Durchschnitt fallen derzeit 14 Cent pro Kilometer für die Straßennutzung an. Die Gebühr ist gestaffelt nach verschiedenen Schadstoffklassen und der Zahl der Achsen des Lastwagens.

Maut-Kosten werden durchgereicht

Unternehmen müssen die zusätzlichen Kosten kompensieren. Andernfalls drohten ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten. Bei überdurchschnittlich mehr Fahrten im Nahverkehr könnten sich die Kosten sogar um fünf bis acht Prozent erhöhen. Dies dürfte nicht ohne Auswirkungen auf die Frachtpreise bleiben, befürchtet man bei Elvis.

Nur unzureichende Planung wegen ungewisser Mautsätze

Grundlage der Berechnungen sind die derzeit gültigen Maut-Tarife. Was die Zukunft bringt, weiß zur Stunde niemand. Die Mautsätze für das kommende Jahr stehen derzeit noch nicht fest. Damit fehlt den Transportdienstleistern die Planungsgrundlage. Dabei brauchen die Kalkulationen und die Verhandlungen mit den Verladern einen Vorlauf.

Jochen Eschborn, Vorstandsvorsitzender der Elvis AG: „Da man davon ausgehen kann, dass die neuen Maut-Sätze die aktuellen übersteigen werden, müssen die Spediteure diesen aufwendigen Prozess binnen kürzester gleich zwei Mal durchlaufen.“

Eschborn: Maut = Steuer

Eschborn sieht in der Maut letztlich eine Art Steuer. Angesichts ohnehin knapper Margen im Logistikbereich behindere dies das Geschäft erheblich. Die Verlader wiederum würden alles daran setzen, etwaige Preissteigerungen für die Transporte zu verhindern oder diese an den Verbraucher durchreichen.

Im Ergebnis sei mit weiter schrumpfenden Margen im Transportgewerbe zu rechnen. Das könnte sich, so Eschborn, für viele Betriebe existenzbedrohend auswirken.

Künftig auch Nahverkehrsfahrzeuge in der Pflicht

Belastet werden laut Eschborn vor allem Unternehmen, die im Stückgutverkehr aktiv sind. In den meisten Fällen war in diesem Segment bislang nur der Hauptlauf von der Maut betroffen. Dort allerdings fällt nur rund ein Viertel der Stückgutkosten an.

Durch die Ausweitung der Maut auf alle Bundesstraßen werden auch typische Nahverkehrsfahrzeuge erfasst. Sie machten im Stückgutgeschäft rund 40 Prozent der Kosten aus. Der Endverbraucher müsse sich darauf einstellen, dass Bestellungen im Internet künftig teurer werden.

Landstraßenverkehre nächstes Maut-Opfer?

Die Konsequenz werde sein, dass die Transporteure die Zulieferverkehre wo immer möglich über die gebührenfreien Landstraßen lenken. Im Gegensatz zu Autobahnen gibt es zu Bundesstraßen in der Regel zahlreiche Ausweichrouten. Häufig seien diese Strecken nicht einmal mit nennenswerten Umwegen und längeren Fahrzeiten verbunden. Das führe zwangsläufig zu einem höheren Verkehrsaufkommen in Dörfern und Städten.

Damit sei die nächste Restriktion für Transportunternehmen absehbar: Fahrverbote für Lkw auf Landstraßen. Eschborn sieht darin „eine beispielslose Gängelung einer ganzen Branche“. Als Transportunternehmer wirtschaftlich arbeiten – das dürfte schwieriger denn je sein.

Hier kommen Sie direkt zur Homepage von E.L.V.I.S.
Europäischer Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure Aktiengesellschaft mit Sitz in Alzenau

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)