22.12.2022

Ladungssicherung von Papierrollen soll besser werden

Die Hilfsmittel für die Ladungssicherung sollen sicherer werden. Insbesondere für den Transport von Papierrollen bestand hier nicht unerheblicher Nachholbedarf. Eine Empfehlung der Transporteure ist bereits fünf bzw. elf Jahre alt. Sie haben jetzt eine Neuauflage erarbeitet.

Ladungssicherung von Papierrollen

Verbändeempfehlung zur Ladungssicherung von Papierrollen

Die Technik bei Transport von Papierrollen bleibt nicht stehen. Die Entwicklungen neuer Rollenformaten machten eine Anpassung des Anforderungsprofils notwendig. Der Verband der Papierindustrie e. V. und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. haben deshalb die erstmals im Jahr 2011 erschienene und 2017 überarbeitete Verbändeempfehlung zur Ladungssicherung von Papierrollen neu aufgelegt. Die aktuelle dritte Auflage der Verbändeempfehlung mit Stand Dezember 2022 ersetzt die Verbändeempfehlung aus dem Jahr 2017. Aufgrund des Empfehlungscharakters seien individuelle Vereinbarungen weiterhin möglich, heißt es in einer Mitteilung dazu. Die Empfehlung soll der Definition und Beachtung einheitlicher Vorgaben dienen.

Rutschhemmende Fahrzeugböden

Neu erarbeitet haben die Verbände Empfehlungen für den Einsatz von:

  • Kantenschutzwinkeln
  • Antirutschmaterial
  • Zurrgurten
  • Fahrzeugen mit rutschhemmenden Fahrzeugböden.

Bei der Verladung von Papierrollen kommen unterschiedliche Ladungssicherungshilfsmittel zum Einsatz. Die Vielfalt an Materialien mit teilweise differierenden Eigenschaften und unterschiedlichen Zertifizierungen traf bei den Papierfabriken auf eine teilweise nur eingeschränkte Akzeptanz. Die Papierfabriken haben jeweils eigene Anforderungen an die Beschaffenheit der Ladungssicherheitshilfsmittel. Das stellte Transportlogistiker oftmals vor Probleme. Die Transportfahrzeuge führten deswegen oft eine Vielzahl an Hilfsmitteln mit und damit oft zusätzliches totes Gewicht, was sich wiederum auf die Menge der Zuladung auswirkt. Dies hat zu zusätzlichen Kosten und Verzögerungen bei der Verladung geführt.

Vor diesem Hintergrund setzen sich Papierindustrie e.V. und BGL für eine einheitliche Nutzung von Ladungssicherungshilfsmitteln ein. Dabei orientiert sich das Anforderungsprofil der Verbändeempfehlung an den einschlägigen technischen Normen und Richtlinien zur Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen (VDI 2700-Grundwerk, -Blatt2, -Blatt 9, -Blatt 14, -Blatt 15 und DIN EN 12195-2).

Deutsche Zellstoff- und Papierindustrie

Der Verband Papierindustrie vertritt die Interessen der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie und ist Gesprächspartner für Politik, Sozialpartner, Medien und Öffentlichkeit. In ihm haben sich eigenen Angaben zufolge 105 Unternehmen zusammengeschlossen, darunter internationale Großunternehmen, kleine, mittelständische und Familienunternehmen sowie neun Landesverbände. Entstanden ist der Verband durch den Zusammenschluss vom Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) und der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP). Mit Hauptsitz in Berlin und Dependancen in Bonn und Gernsbach repräsentiert er nach Umsatz über 95 Prozent der Branche und spricht für die größte nationale Zellstoff- und Papierindustrie Europas, die viertgrößte weltweit.

Beschäftigung, Wohlstand und soziale Sicherheit

Der Verband Papierindustrie, seine Landesverbände und seine Mitgliedsunternehmen sehen sich in der Pflicht für eine nachhaltige industrielle Wertschöpfung. Sie wollen einen Beitrag zu Beschäftigung, Wohlstand und sozialer Sicherheit in Deutschland leisten. Die Unternehmen der Branche produzierten 2020 an 152 Standorten mehr als 21,4 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton. In ihr erwirtschafteten rund 47.000 Mitarbeiter einen Umsatz von 12,7 Milliarden Euro.

Die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie ist die Nr. 1 in Europa. Rund 3.000 verschiedene Sorten Papier, Pappe und Karton aus Holz- und Zellstoff sorgen für die Grundlage von Verpackungen:

  • für den Schutz wertvoller Produkte
  • sichere Versorgung mit Lebensmitteln
  • Transport von Gütern des täglichen Bedarfs.

Darüber hinaus sind Verpackungen aus Karton und Pappe unverzichtbar für die Logistik der Exportnation Deutschland. Sie ermöglichen den E-Commerce. Papier ist, so die Vertreter der Industrie, als Druckträger für Medien und Bücher. Es leiste zudem in Medizin und Hygiene Dienste für die Gesundheit der Menschen und sei in vielen technischen Anwendungen unverzichtbar.

Wie wichtig der Rohstoff Papier für die Gesellschaft ist, zeigte sich während der Pandemie, als die Regale mit Toilettenpapier auf einmal leer gekauft waren. „Toilettenpapier – das weiße Gold, wie es in Zeichen von Corona genannt wurde. In den Läden kamen Einsortierer nicht nach: kaum eingeräumt, räumten Kunden die Six-Packs schon wieder aus. Derweil arbeiteten die Klopapier-Hersteller rund um die Uhr. Lesen Sie dazu unseren spannenden Bericht „Nachschub an Toilettenpapier weiterhin schleppend“.

Beschaffenheit von Hilfsmitteln zur Ladungssicherung

Mindestanforderung an die Beschaffenheit von Hilfsmitteln zur Ladungssicherung beim Transport  von Papierrollen auf Straßenfahrzeugen:

  • Prüfung auf hohe Druck- und Formstabilität bei Niederzurrung mit 800 Dekanewton (daN) Belastung (Prüfwert)
  • Ein Kantenschenkel muss entsprechend dem Rollenprofil gebogen ausgefertigt sein
  • Kantennut oder alternative Konstruktion zum Schutz der Rollenkante
  • Druckverteilende und abdruckmindernde Profilgebung
  • Abrutschsichere sowie gewebeschonende Gurtführung
  • Übertragungsbeiwert (k-Faktor) von mindestens 1,6 für eine möglichst beidseitig,
  • gleichmäßige Verteilung der Zurrkräfte
  • Nutzung in einem Temperaturbereich von mind. -20 °C bis +50 °C
  • Frei von Beschädigungen (Ausbrüche, Risse, Verformungen, etc.)
  • Abnutzungsresistente Kennzeichnung durch Hersteller (Aufdruck, Prägung o. ä.):
    • Name des Herstellers
    • Produktname / Artikelnummer
    • Positionierungshinweis (top/belly)
    • Herstellungsdatum

Rutschhemmendes Material

  • Zertifizierter/ nachgewiesener Gleit-Reibbeiwert von μ ≥ 0,6 bei entsprechender Materialpaarung (Rolle/Ladefläche)
  • Breite des Materials mindestens 200 mm
  • Dicke des Materials rund 3 mm
  • Hohe Druck- und Formstabilität auch bei Feuchtigkeit und Nässe
  • Ablegereife frei von Beschädigungen und funktionsbeeinträchtigenden Verschmutzungen
  • Vorzugsweise abnutzungsresistente Kennzeichnung durch den Hersteller (Aufdruck, Prägung o. ä.):
    • Name des Herstellers
    • Produktname / Artikelnummer

Rutschhemmende Fahrzeugböden

  • Zertifizierter Gleit-Reibbeiwert von mindestens 0,6 μ bei entsprechender Materialpaarung von Rolle zu Ladefläche
    • Prüfung auf funktionsbeeinträchtigende Verschmutzungen und Beschädigungen
    • Hersteller- und Produktinformationen beachten
  • Fahrzeug mit gut sichtbarer Kennzeichnung der Verwendung eines rutschhemmenden Bodens, beispielsweise im Innenbereich der letzten Runge des Fahrzeugs, der senkrecht stehenden Strebe an der Ladefläche zur Abstützung von Ladung oder Bordwand, wenn möglich mit Bezug zur Fahrzeugidentifikationsnummer.

Zurrgurte nach DIN EN 12195-2

  • Die Standard-Vorspannkraft (standard tension force, STF), die beim Niederzurren möglich ist, beträgt vorzugsweise 500 daN, um eine Überlastung der Kanten der Papierrollen zu vermeiden.
  • Gurtband-Dehnung mindestens fünf Prozent
  • Frei von Beschädigungen zur Ablegereife wie
    • Risse im Gurtband
    • Verknotungen im Gurtband,
    • Verformungen des Spannelementes, unlesbares Label, etc.
  • optional GS-Zeichen

Papierindustrie steht für Nachhaltigkeit

Die Zellstoff- und Papierindustrie stehe für Nachhaltigkeit. Sie sei ein Musterbeispiel für Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft. Recycling sei für die Papierindustrie seit jeher systemimmanent. Die Branche nutze außerdem den nachwachsenden Rohstoff Holz. Ohne diesen könne der Faserkreislauf nicht funktionieren. Er stamme aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Der Verband Papierindustrie setze sich für eine nachhaltige Forstwirtschaft und den Schutz der Wälder ein. Er ist aktives Mitglied der Zertifizierungssysteme Forest Stewardship Council (FSC) und Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC).

Einkaufen, Lagern, Nutzung – alles muss praktisch sein. Vor allem bei der Verpackung. Luxus-Verschlüsse, Portioning, Versandhandel, Eat and Drink to go, One-way, Dosierhilfen. Deutschland ist zum Europameister beim Verpackungsmüll verkommen. Das Umweltbundesamt schlägt Alarm. Dies zeigt, wie wichtig die Recyclingmöglichkeit bei Papier ist. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag „Deutschland ist Europameister bei Verpackungsmüll“.

Die Zellstoff- und Papierindustrie leiste überdies einen Beitrag zum Klimaschutz. Die Branche unterstütze eine auf Dekarbonisierung und CO2-Neutralität ausgerichtete Klimapolitik. Man trete dafür ein, auf dem Weg zu diesem Ziel auf technologischen Wettbewerb zu setzen, um Innovationskräfte zu entfalten. Die Unternehmen der Zellstoff- und Papierindustrie nutzten bereits innovative Technologien u.a. der Digitalisierung. Die Industrie setze moderne Technologie ein, um ihren spezifischen Energieverbrauch zu senken durch Investitionen in:

  • Kraft-Wärme-Kopplung
  • erneuerbare Energien
  • Wasserstoff
  • Erdwärme
  • effizientere Herstellungsprozesse.

Den spezifischen Energieeinsatz pro Tonne Papier habe die Industrie von 1955 bis 2020 um 66,5 Prozent auf 2.743 kWh/t gesenkt.

Priorität Wasserschutz

Die Papierindustrie räumt dem Wasserschutz hohe Priorität ein. Die Einhaltung hoher Wasserschutzstandards sowie die Anwendung fortschrittlicher Produktionsverfahren zur Verringerung von Schadstoffemissionen gehen laut dem Branchenverband über das gesetzlich erforderliche Maß hinaus. Den spezifischen Wasserverbrauch habe sie von knapp 50 Litern in 1970 auf unter neun Liter/kg Papier im Jahr 2020 verringert. Man setzte sich in der Logistik für weniger Emissionen ein und fordere die Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts von LKW auf 44 Tonnen sowie den Einsatz von Lang-LKW.

Attraktiver Arbeitgeber

Attraktive und moderne Arbeitsbedingungen bei einer flächendeckend hoher Tarifbindung will man als Ausdruck der Sozialpartnerschaft mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie gewertet sehen. Die Branche biete eine Vielzahl an qualifizierten Berufsbildern und Bildungsmöglichkeiten unter anderem in der dualen Berufsausbildung. Ihre Betriebe bilden den Angaben zufolge jährlich über 2.000 junge Menschen aus. Das Bildungscampus im Papierzentrum in Gernsbach schaffe Maßstäbe im Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Eile geboten für Papiereinkäufer

Nicht nur Sprit und Gas werden teurer. Auch Holz. Und damit aus ihm hergestelltes Papier. Auswirkungen davon lassen sich an solchen Beschaffungen wie der von Briefumschlägen ablesen. Die Kosten hierfür sollen bald zum wiederholten Mal steigen, wie im Mai unser Beitrag „Briefumschläge nochmals deutlich teurer“ berichtete.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)