13.12.2018

Kunststoffverpackungen: Allianz der EU-Kommission nimmt Arbeit auf

Recyclingfähig, mehrwegkompatibel und weniger mikrolastig: die EU-Kommission hat sich für Kunststoffverpackungen viel vorgenommen. Den EU-Markt dafür will sie grundlegend umkrempeln. Jetzt gab die Kommission den Startschuss für eine kreislauforientiertere Wirtschaft.

Die Kommission hat den Startschuss für eine kreislauforientiertere Wirtschaft gegeben.

Europaweite Strategie für Kunststoffverpackungen

Die erste europaweite Strategie für Kunststoffe ist seit Januar 2018 in Vorbereitung. Zielvorgaben für alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt ab 2030 sollen demnach sein:

  • Recyclingfähigkeit,
  • Geringerer Verbrauch von Einwegkunststoffen,
  • weniger absichtliche Verwendung von Mikroplastik.

Diesen Dienstag nun gab die Europäische Kommission den Startschuss für eine Allianz der wichtigsten Industrieakteure. Sie decken laut einer Pressemitteilung der Kommission die gesamte Angebots- und Nachfragekette für Kunststoffverpackungen ab. Sie soll dazu beitragen, die Vermüllung mit Kunststoffen zu verringern, den Anteil an recycelten Kunststoffen zu erhöhen und Marktinnovation zu fördern. Behörden in ganz Europa sollen dabei ebenfalls eine aktive Rolle spielen. Die Kommission will mit Beitrittswünschen zur Allianz zunächst an die Sektoren herantreten, die den größten Bedarf an Kunststoffen in Europa haben, also die Verpackungs-, die Bau- und die Autobranche. Die erste Sitzung der Allianz ist für Anfang 2019 angesetzt.

Wirtschaftlichkeit und Qualität des Kunststoffrecyclings

Um den Übergang Europas hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, soll die Allianz Wirtschaftlichkeit und Qualität des Kunststoffrecyclings in Europa verbessern. Hierzu soll sie Angebot und Nachfrage für recycelte Kunststoffe besser abstimmen. Beflügelt durch bessere Wirtschaftlichkeit und Qualität des Kunststoffrecyclings hofft man, schon bis 2025 zehn Millionen Tonnen recycelte Kunststoffe in neuen Produkten auf dem EU-Markt bringen.

Drei operative Hauptziele hat sich die Allianz vorgenommen:

  • Förderung von Maßnahmen und Investitionen durch wichtige Akteure der Branche.
  • Berichterstattung über mögliche Hindernisse zur Erreichung der gesteckten Ziele.
  • Überwachung der Fortschritte auf dem Weg dorthin. Man hofft, so eventuelle Lücken bei Angebot oder Nachfrage recycelter Kunststoffen zu ermitteln und neue freiwillige Verpflichtungen anregen zu können.

Kurzfristige Maßnahmen und Investitionen

Diese Maßnahmen und Investitionen sollen bereits kurzfristig greifen. Die Akteure sollen sie freiwillig und koordiniert durchführen. Sie können verschiedene Aktivitäten umfassen wie z.B.:

  • getrennte Sammlung von Kunststoffabfällen,
  • Berichterstattung über Sammel- und Recyclingraten und ‑mengen,
  • Investitionen in Sortier- und Recyclinganlagen,
  • freiwillige Standards für die recyclingorientierte Gestaltung von Kunststoffprodukten (design for recycling).

Selbstverpflichtungskampagne in der Industrie

Die Kommission hat bereits eine Selbstverpflichtungskampagne eingeleitet und prüft derzeit die eingegangenen Zusagen der Industrie. Für diese lobte sie Jyrki Katainen, Vizepräsident der EU-Kommission zuständig für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Die europäische Industrie hätte damit bereits eindeutig ihr Engagement für nachhaltigere Kunststoffe bewiesen.

Der Industrie sei bewusst, dass „dies eine Chance für sie ist, innovativ zu sein und bei neuen Technologien und Materialien auf dem Weg hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft weltweit in Führung zu gehen“. Katainen: „Die Plattform, die wir heute einrichten, wird die Zusammenarbeit und den Dialog zwischen den Unternehmen sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite fördern, damit wir gemeinsam einen gut funktionierenden Markt für recycelte Kunststoffe aufbauen können.“

Zehn Einwegprodukte aus Kunststoff im Fokus

Zur weiteren Unterstützung ihrer Strategie hat die Kommission im Mai 2018 neue Vorschriften für die gesamte EU vorgeschlagen. Im Visier stehen die zehn Einwegprodukte aus Kunststoff, die in Europa am häufigsten an Stränden und in Meeren gefunden werden. Auch Fischfanggeräte, die im Meer verloren gegangen sind oder zurückgelassen wurden, haben das Augenmerk der Umweltstrategen auf sich gelenkt – zusammen ein Verursacherpotential von 70 Prozent aller Abfälle im Meer.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)