07.10.2021

Kunststoff-Allianz will mehr wiederverwendbaren Kunststoff

Verpackungen, Bau, Landwirtschaft, Haushaltsgeräten – hier verwendete Kunststoffprodukte sollen besser wiederverwendbar sein. Das will die europäische Allianz für Kunststoffrecycling sicherstellen. Zum Gefallen der EU. Solche Produkte machen einen Großteil der Kunststoffabfälle aus.

wiederverwendbarer Kunststoff

Bis 2025 zehn Millionen Tonnen wiederverwendbar machen

26 Kunststoffprodukte hat die Allianz ins Visier genommen. Sie machen über 60 Prozent der in Europa gesammelten Kunststoffabfälle aus. Sie sind im Einsatz:

  • für Verpackungen,
  • im Bau,
  • in der Landwirtschaft und
  • bei Haushaltsgeräten.

Bis 2025 will man in Europa jährlich zehn Millionen Tonnen wiederverwendeter Kunststoffe bei der Herstellung neuer Produkte einsetzen – so das Ziel.

Akteure der gesamten Wirtschöpfung

Den Startschuss für die Allianz gab die EU-Kommission im Dezember 2018, um die Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffverpackungen zu fördern. Die Akteure der Allianz Design for Recycling Plastics mit Sitz in Basel sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgestellt. Sie strebt an, Recycling

  • einfacher,
  • hochwertiger und
  • marktfähiger zu machen.

Man erhofft sich davon geringere Umweltbelastung durch Kunststoffverpackungen. Kunststoff ist ein Sammelbegriff für meist aus Rohöl gewonnene Werkstoffe. Je nach Anwendungsbereich erfüllen sie unterschiedliche Funktionen. Im Einsatz sind hunderte Arten von  Kunststoffverpackungen. Eine präzise Unterscheidung oder Trennung ist laut „Pakt Aktuell“ nahezu unmöglich. Ein reines, qualitativ hochwertiges Ausgangsprodukt bildet die Grundlage für Recycling und Kreislaufwirtschaft.

Bei der Herstellung ansetzen

Um das Recycling von Kunststoffverpackungen zu fördern, setzt man bei der Herstellung an. Das Design for Recycling entwickelt Produkte von Beginn an so, dass sie nach Durchlaufen ihres Verwendungskreislaufes wiederverwendbar sind. Kunststoffverpackungen sollen nicht nur theoretisch wiederverwendbar sein und schließlich trotzdem in der Verbrennung landen. Vielmehr gestaltet man das Design einer Verpackung so, dass aufgrund schon deren Konstruktion die Kreislaufwirtschaft fortgeführt wird.

Qualität stößt auf Nachfrage

Die Zusammenarbeit innerhalb der Branche und aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette sehen die Akteure als einzig richtigen Weg, um freiwillig und ohne gesetzliche Eingriffe ein einheitliches Verständnis zu bekommen und das Konzept koordiniert umzusetzen. Die Allianz setzt sich für ein hochwertiges Kunststoff-Recycling ein. Nur für hochwertige Wiederverwendungsprodukte sieht sie eine Nachfrage. Erst mit dem Wiedereinsatz der Produkte könne man Kreisläufe schließen und entstehe ein Umweltnutzen.

In einer ersten Phase beschränkte sich die Allianz auf Kunststoffflaschen für:

  • Shampoo
  • Waschmittel
  • Reinigungsmittel

Eine Arbeitsgruppe aus Herstellern, Abfüllern, Inverkehrbringern und Aufbereitern erarbeitete Richtlinien für das entsprechende Wiederverwendungsdesign von Kunststoffhohlkörpern für den Schweizer Markt, abgeleitet von bestehenden internationalen Richtlinien. Sie stellen eine freiwillige Handlungsempfehlung für die Industrie und den Handel dar. Die Richtlinien und das dazugehörige Dossier bilden die Grundlage für Anstrengungen zur Verbreitung von ökologischeren Verpackungen im Bereich der Flaschen und der freiwilligen Wahrung der Erweiterten Produzentenverantwortung.

Neuer Fahrplan, neue Methodik

Nun hat die Allianz einen neuen Fahrplan entwickelt, mit dem Ziel von zehn Millionen Tonnen bis 2025. Diesen will sie im Austausch mit nationalen und lokalen Behörden und allen anderen interessierten Akteuren regelmäßig aktualisieren. Außerdem hat sie eine Methodik und Regeln für ein neues Überwachungssystem in der EU für recycelte Kunststoffe angenommen.

Derzeit bereitet sie einen Bericht vor, um die Integration von recycelten Kunststoffen in Produkte bis 2025 zu erhöhen. Seit dem Start der Allianz ist die europäische Produktion von recycelten Kunststoffen um fast 30 Prozent gestiegen. Mittlerweile vertritt die Allianz fast 300 Organisationen aus Industrie, Wissenschaft und öffentlichem Sektor aus der Wertschöpfungskette für recycelte Kunststoffe.

Breton: Großartige Zusammenarbeit

EU-Binnenmarktkommissar Breton: „Mit der Europäischen Allianz für Kunststoffrecycling zeigt die Kunststoff-Wertschöpfungskette eine großartige Zusammenarbeit im Hinblick auf den Übergang zu Kreislaufkunststoffen. Die Mobilisierung aller öffentlichen und privaten Akteure entlang der Wertschöpfungskette und in den wichtigsten kunststoffverarbeitenden Sektoren verbessert auch die Widerstandsfähigkeit Europas, indem sie die Nutzung von Kunststoffabfällen als wertvolle Ressource maximiert. Ich begrüße diese Bemühungen und zähle auf das weitere Engagement der Allianz.“

Chemische Industrie: Verschiedene Recyclingwege komplementär betrachten

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI), Dechema und Plastics Europe Deutschland (PED) skizzieren in einem gemeinsamen Papier Wege zur Umsetzung. Sie sprechen sich für eine Forschungsförderung bei Wasserstofftechnologien aus. Zwei Arten finden bei Recycling von Kunststoffen Anwendung:

  • das chemische Recycling: Kunststoffe werden in chemische Grundbausteine zerlegt, die dann wieder als Ausgangsmaterial für verschiedenste Produkte dienen
  • Das mechanische Recycling: Produkte werden verbrannt oder deponiert.

Chemisches Recycling kann verunreinigte Kunststoffabfallströme recycelbar  oder auch Biomasse stofflich verfügbar machen, die derzeit noch verbrannt oder deponiert werden.

Die Experten von VCI, Dechema und PED sehen mechanisches und chemisches Kunststoffrecycling als sich ergänzende Verwertungswege. Je nach Kunststoffqualität und -zusammensetzung könnten dabei unterschiedliche Technologien vorteilhaft sein. Um die besten Verwertungswege zu identifizieren, müssten Abfallwirtschaft und chemische Industrie eng zusammenarbeiten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)