03.08.2018

Künstliche Intelligenz: Wie die Logistik von ihr profitiert

Deutschland will Weltmeister werden – auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Der Haken an dem Vorhaben: Bislang sind das andere mit großem Vorsprung. Eine neuer „Masterplan KI“ der Bundesregierung soll es richten. Unterdessen geht man in Meitingen bereits voran mit künstlicher Intelligenz in der Logistik.

Zum Thema künstliche Intelligenz in der Logistik gibt es bereits erfolgreiche Praxisbeispiele, so ein digitalisiertes Transportleitsystem bei SGL Carbon in Meitingen bei Augsburg.

Künstliche Intelligenz hilft immer mehr in der Logistik

Ob der künftige Masterplan der Bundesregierung dabei helfen wird, künstliche Intelligenz in der Logistik voranzubringen? Wir berichten über ein Beispiel aus der Unternehmenspraxis, das jetzt schon funktioniert.

Deutschland soll zu einem führenden Standort bei künstlicher Intelligenz (KI), englisch Artificial Intelligence (AI), werden. Eckpunkte einer Strategie dafür hat laut „Spiegel Online“ das Bundeskabinett nun beschlossen. Im Dezember 2018 soll das ursprünglich „Masterplan künstliche Intelligenz“ genannte Konzept fertig sein. Damit soll „Artificial Intelligence made in Germany” zum weltweit anerkannten Gütesiegel werden. KI-Computersysteme sollen in der Lage sein, Probleme eigenständig aufgrund eigener Einsicht des Systems intelligent zu erfassen und zu lösen. Bei der KI-Technologie liegen jedoch die USA und China weit vorne.

Besserer Zugang zu Daten

Kernpunkte der Strategie sind der bessere Zugang zu Daten – etwa auch auf dem Verkehrssektor – sowie eine höhere Bezahlung von KI-Experten. Zumal im Wettbewerb gerade mit USA und China müsse Deutschland „einen Zahn zulegen“, zitiert das Online-Magazin Forschungsministerin Anja Karliczek.

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, Deutschland zu einem weltweit führenden Standort bei der KI-Forschung zu machen. Vorgesehen ist beispielsweise, die Forschung in Deutschland und Europa zu vernetzen und damit zu stärken. Karliczek will einen schnelleren Transfer von Ergebnissen und Unternehmensgründungen fördern. Sie will internationale Fachkräfte anwerben sowie die Abwerbung von Experten ins Ausland verhindern. Auch die Einrichtung neuer KI-Lehrstühle in Deutschland ist vorgesehen.

Unternehmenspraxis: künstliche Intelligenz in der Logistik

Während man in Berlin noch grübelt, macht man in Meitingen bei Augsburg beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Logistik bereits KI-Nägel mit Köpfen. Dort berichtet die „Augsburger Allgemeine“ über das Unternehmen SGL Carbon in Meitingen. Es stellt Produkte aus Carbon, Kohlenstoff und Grafit her. Die Zeitung zitiert Tilo Hauke, Leiter der Forschungsabteilung des Unternehmens: „Kein Unternehmen wird es sich leisten können, sich nicht mit KI zu beschäftigen.“

SGL Carbon ist auf verschiedene Arten mit dem Thema KI verknüpft:

  • Künstliche Intelligenz, die technisch auf Halbleitern basiert,
  • Computerchips und
  • Datenspeichern, die aus Silizium hergestellt werden.

Digitalisiertes Transportleitsystem ersetzt Gabelstaplerfahrer

Für die Herstellung von Chips und Datenspeichern werden spezielle Halterungen benötigt, hergestellt aus Grafitmaterialien von SGL Carbon. Ohne Grafithalter gibt es keine Siliziumchips – und damit auch keine KI.

Künstliche Intelligenz hilft dem Meitinger Unternehmen auch bei der Logistik im eigenen Werk. Im vergangenen Jahr wurde diese komplett umgestellt. Früher fuhren die Gabelstaplerfahrer in Eigenregie. Sie verteilten Aufträge eigenständig unter sich. Kevin Krause von der Zentrale der SGL Carbon in Wiesbaden erklärt: „Das war unstrukturiert und es gab viele Leerfahrten. Ein unheimlicher Verlust an Zeit und Ressourcen.“

Mittlerweile gibt es ein neues, vollständig digitalisiertes Transportleitsystem. Es verteilt und sortiert automatisch die Aufträge und teilt sie den Fahrern zu, die ihre Aufgaben dann über ein Smartphone erhalten und nur noch ausführen müssen.

Künstliche Intelligenz in der Logistik: Angst vor Jobverlust

„Für die Mitarbeiter ist so eine Umstellung nicht immer einfach“, sagt Hauke. Die Angst um Arbeitsplätze wegen künstlicher Intelligenz ist da. Sie ist so aber nicht berechtigt, wie Hauke meint. In der Vergangenheit haben andere industrielle Revolutionen wie die Dampfmaschine zwar Arbeitsplätze vernichtet, aber dafür wurden auch neue Stellen geschaffen. Das werde bei SGL Carbon versucht. Derzeit gibt es laut dem Zeitungsbericht im Unternehmen einen Höchststand an Beschäftigung.

KI werde Jobs an sich nicht zunichtemachen, beruhigt auch Hans-Joachim Köppen von IBM. „Aber KI wird bestimmte Aufgaben übernehmen. Dafür wird der Mensch höhere Tätigkeiten übernehmen müssen und weiter auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden“, gibt er sich in dem Bericht zuversichtlich.

KI kein Ersatz für das Zwischenmenschliche

Doch das wird keine einfache Veränderung, betont Tilo Hauke von SGL Carbon. Manche Mitarbeiter hätten Berührungsängste und scheuten neue Technik. Der Umgang mit Computern und Smartphones sei für sie ungewohnt. Diese Mitarbeiter dürfe man nicht überrumpeln; sie müsse man mitnehmen und schulen.

Genauso wichtig sei es auch, der Technik nicht blind zu vertrauen, so Hauke. Auch KI sei nicht fehlerfrei. Kein System laufe perfekt. Hauke: „Das muss man wissen.“ Es müsse immer Leute geben, die die Computer begleiten, überprüfen und bei Fehlern eingreifen können.

So gibt es auch bei SGL Carbon Bereiche, in denen Hauke noch keine KI nutzen will. KI setzt man zum Beispiel noch nicht da ein, wo es auf das Zwischenmenschliche ankommt. Bewerbungs- und Mitarbeitergespräche kann kein Computer übernehmen. Innerhalb des Unternehmens ist die Interaktion zwischen den Mitarbeitern wichtig. KI kann das Zwischenmenschliche nicht ersetzen – oder nur noch nicht?

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)