25.06.2018

Künstliche Intelligenz in der Beschaffung

Ware aufs Band, Ware bezahlen, Ware in die Einkaufstasche – Einkaufen kann ja so stupide sein. Auch in der Beschaffung von Unternehmen gibt es Aufgaben, die weniger anspruchsvoll sind. Künstliche Intelligenz könnte diese abdecken – doch dazu fehlt es oft an hinreichenden Daten.

Was noch gegen die Einführung von Einkauf 4.0 spricht: die mangelhafte Datenlage in vielen Unternehmen.

Mangelhafte Datenbasis verhindert Investitionen in Künstliche Intelligenz

Größere Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) – das steht ganz oben auf den Wunschzetteln von Unternehmen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wollen sie durch KI ihre Arbeitsabläufe streamlinen.

Doch das geht nur, wenn ausreichend Daten vorhanden sind, mit denen man die mit künstlicher Intelligenz beseelten Computer und Roboter füttern kann. Die agieren nämlich nach dem Motto: Ohne Daten keine Taten.

Künstliche Intelligenz für Finanz-, Supply-Chain- und Beschaffungsmanager

Eine neue Studie des Marktforschers Forrester Consulting und des Anbieters von Spend-Management-Lösungen in der Cloud Ivalua zeigt: Finanz-, Supply-Chain- und Beschaffungsmanager glauben in zunehmendem Maße, dass die größte Herausforderung bei der Einführung von KI die schlechte Qualität der Unternehmensdaten ist.

Nahezu zwei Drittel der Befragten (59 Prozent) sagen, die schlechte Datenqualität mache es der KI unmöglich, genaue und informierte Entscheidungen zu treffen. Das untergrabe das Ziel, mit Investitionen in KI Gewinne zu machen.

Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Beschaffung

Im Hinblick auf den praktischen Nutzen von Künstlicher Intelligenz zeigt die Studie, dass die Befragten glauben, KI entfalte die größten Wirkungen in folgenden Bereichen:

  • Alarmierung der Unternehmen und der Lieferanten bei Unterbrechungen der Lieferkette: 44 Prozent
  • Erkennen und Kennzeichnen von Compliance-Problemen bei Lieferanten: 39 Prozent
  • schnelle Identifikation von Betrugsfällen: 37 Prozent

Darüber hinaus wird nach Ansicht der befragten Beschaffungsmanager die KI zu mehr Automatisierung von einfacheren Aufgaben führen. Sie würden künftig in Minuten oder Sekunden statt in Stunden oder Tagen erledigt.

Zu den betroffenen Bereichen zählen die Befragten

  • Rechnungsverarbeitung: 51 Prozent
  • Genehmigung vorgeschlagener Einkäufe: 35 Prozent

Problem Nr. 1 bei der Einführung von KI: die Daten

Das Hauptproblem zur Einführung von Künstlicher Intelligenz ist offenbar die Qualität der Daten. Sie zu verbessern, sei keine leichte Aufgabe. 44 Prozent geben an, dass sie nicht auf Daten zugreifen können. 43 Prozent sehen eine Normierungslücke in ihren Datensätzen. Für 41 Prozent liegt die größte Herausforderung in ungenauen Daten.

36 Prozent der Befragten geben außerdem an, dass eine Überfülle an Informationen und fehlende interne Kompetenzen eine sinnvolle Nutzung der Daten erschwerten. Außerdem fehle häufig die Unterstützung der Geschäftsführung für KI-Innovationen (44 Prozent).

In der mangelnden Reife der KI-Anwendungen sehen 62 Prozent ein Problem. Das Marketing der KI-Anbieter sei hier weiter entwickelt als die Funktionalitäten. 47 Prozent sind auch unsicher, wie KI in bestimmten Anwendungsfällen eingesetzt werden könnte.

Wandel in der Beschaffung durch KI

Letztlich könnten Unternehmen aus KI am meisten Nutzen ziehen, wenn sie sich vor allem um die Datenqualität kümmern. Nach Auffassung von David Khuat-Duy, Corporate CEO von Ivalua, kann durch Automatisierung einfacher Aufgaben oder mithilfe wertvoller Erkenntnisse die KI einen starken Wandel in der Beschaffung und in den Prozessen der Lieferkette bewirken. Sie könne beispielsweise eine intelligentere und effizientere Beschaffung mit fundierteren Entscheidungen ermöglichen.

Khuat-Duy: „Ein echter Wettbewerbsvorteil für alle, die in KI investieren.“ Damit KI genaue Erkenntnisse liefert, müsse sie auf eine solide Datenbasis zugreifen können. Dies sei in den meisten Unternehmen das größte Hindernis. Die Unternehmen, die in KI investieren, könnten nur dann erfolgreich sein, wenn sie gleichzeitig die Qualitätsprobleme bei ihren Unternehmensdaten angingen.

Applikationen und Erfolgsberichte abwarten

Ivalua ließ weltweit Supply-Chain-, Beschaffungs- und Finanzmanagern zu ihren Vorhaben der Einführung künstlicher Intelligenz befragen. Danach planen dies 55 Prozent der Unternehmen. Weitere 25 Prozent sähen kleinere Investitionen vor.

„Es gibt ganz klar einen großen Bedarf an KI und er wird weiter zunehmen, sobald mehr Applikationen und Erfolgsberichte verfügbar sind“, kommentiert Khuat-Duy. Unternehmen, die in KI investieren wollen, sollten die Probleme angehen. Sie könnten sonst die Vorteile zunichtemachen. Wer zu spät in KI investiert, den bestraft die KI – der anderen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)