24.08.2017

Haltbarer: Kühne und Nagel stärkt Netz für Perishables

Perishables (leicht verderbliche Lebensmittel) bedürfen in der Logistik besonderer Zuwendung. Besonders betroffen ist hiervon die Frischware Erdbeeren. Das Schweizer Logistikunternehmen Kühne und Nagel hat jetzt sein Netz für solche Lebensmittel mit weltweiten Übernahmen enger geknüpft.

Kühne und Nagel stärkt Netz für Perishables

Zukäufe in Kenia und USA

Mit je einem Zukauf in den USA und in Kenia knüpft Kühne und Nagel (KN) das Netz für Perishables enger. Das teilt das Unternehmen in einer Presseinformation zur Vorlage seiner Halbjahreszahlen mit. Zugleich gewinnt der schweizerische Speditionskonzern Marktanteile in der See- und besonders in der Luftfracht.

KN legte in den sechs Monaten bei Umsatz und Rohertrag zu, der Reingewinn stagnierte. Durch zwei Übernahmen stockt der börsennotierte Konzern sein Aircargo-Aufkommen um gut 150.000 Jahrestonnen auf. Wie bei derartigen Deals üblich, schweigen sich die Beteiligten über den Kaufpreis aus. Beiden Übernahmen müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

CFI startete als Ein-Mann-Unternehmen

Zum einen kauft KN den auf Perishables ausgerichteten US-Spediteur Commodity Forwarders Inc. (CFI). Dieser wurde 1974 als Ein-Mann-Unternehmen von Alfred Kühlewind in Los Angeles gegründet, um Erdbeeren nach Europa zu verschiffen. Heute betreibt die Spedition 14 Standorte in den Vereinigten Staaten einschließlich Alaska und Hawaii mit gut 700 Mitarbeitern.

Zum Portfolio gehören neben Erdbeeren Ex- und Import sowie Vertrieb von Meeresfrüchten, landwirtschaftlichen Produkten und Blumen. Durch die CFI-Übernahme steigt KN nach eigenen Angaben zur zweitstärksten Luftfrachtspedition der USA auf.

Trillvane auf verderbliche Ware spezialisiert

Zum anderen erwerben die Schweizer die kenianische Trillvane Ltd.. Diese ist auf den Transport verderblicher Ware spezialisiert. Mit dem Erwerb will KN seine Position beim Transport verderblicher Waren stärken: zwischen Kenia und Europa, insbesondere nach Großbritannien.

Trillvane ist am Flughafen Nairobi ansässig und hat 130 Mitarbeiter. Sie hat sich mit dem Export von Blumen und Gemüse einen Namen gemacht.

In USA jetzt Nummer Zwei

Im ersten Halbjahr 2017 hat KN 8,8 Milliarden Schweizer Franken umgesetzt. Das ist ein Plus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr. Der Reingewinn erreichte mit 356 Millionen Schweizer Franken das Vorjahresniveau.

Im zweiten Quartal 2017 gewann die Entwicklung an Dynamik. Der Rohertrag legte um 3,9 Prozent zu, das Ebit und der Reingewinn jeweils um 2,1 Prozent. Die starke Dynamik im zweiten Quartal spiegelt sich auch in der Entwicklung der See- und Luftfrachtmengen. So zählte KN in den sechs Berichtmonaten 2,1 Millionen Teu (Standardcontainer) und damit 7,7 Prozent beziehungsweise 151.000 Teu mehr als im Vorjahr.

Mit dieser Tonnage setzte KN 4,26 Milliarden Schweizer Franken um gegenüber 3,76 Milliarden Schweizer Franken vor einem Jahr. Im zweiten Quartal verbuchte der Konzern nach einem Plus von neun Prozent 1,1 Millionen Teu. Ein starker Margendruck führte dazu, dass der Rohertrag im ersten Halbjahr um 2,7 Prozent und das Ebit um 10,4 Prozent einbrachen.

Gefragte Industrielösungen

In der Luftfracht kam KN im ersten Halbjahr auf 731.000 t beziehungsweise auf 381.000 t im zweiten Quartal. Hinter diesen Mengen verbergen sich Zuwächse von 18,3 beziehungsweise 21 Prozent. Damit legte der Konzern etwa doppelt so stark zu wie der Markt.

Anders als in der Seefracht gelang es KN in der Luftfracht, die Mengensteigerungen in bare Münze umzuwandeln. Bei einem von 2,6 Milliarden auf 3,1 Milliarden Schweizer Franken erhöhten Umsatz ging der Rohertrag um 3,3 Prozent nach oben und das Ebit um 2,7 Prozent. Vor allem bei Lösungen für die Pharmaindustrie, die Luft- und Raumfahrt sowie bei Perishables gewann KN erhebliches Neugeschäft hinzu.

Erfreulich: Ertragsentwicklung im Landverkehr

Als „sehr erfreulich“ bezeichnet der Konzern die Volumen- und Ertragsentwicklung im Landverkehr. Höhere Aufkommen bei den Stückgut-, Komplettladungs- und Intermodalverkehren führten zu einem von 2,05 Milliarden auf 2,13 Milliarden Schweizer Franken gesteigerten Umsatz.

Dabei stieg der Rohertrag um 3,5 Prozent und das Ebit um 47 Prozent. Konzernchef Detlef Trefzger will sich im zweiten Halbjahr erneut auf Volumenzuwachs und eine weitere Steigerung der Produktivität konzentrieren.

Autor: Franz Höllriegel