21.01.2020

Kreislaufwirtschaft hilft beim Abbau von Plastik

80 Prozent aller Abfälle in den Ozeanen sind aus Plastik. Schon jetzt schwimmt in den Meeren sechsmal mehr Plastik als Plankton. Das Problem ist der Vorteil von Plastik: es ist sehr haltbar. Er wird nur nicht genutzt. Abhilfe verspricht Kreislaufwirtschaft. Ein Treiber: die VR China.

Kreislaufwirtschaft Plastik

Vorteil von Plastik auch sein Nachteil

Vielseitig verwendbar, abwaschbar, langlebig: Kunststoff – aus kaum einem Lebensbereich ist er noch wegzudenken. Seine Vorteile werden in letzter Zeit jedoch hauptsächlich für eins genutzt: für negative Schlagzeilen. Grund: die traditionelle lineare Wirtschaft – Herstellen, Nutzen, Entsorgen – nutzt den Hauptvorteil von Plastik, die Langlebigkeit, nicht. Kunststoffprodukte erwartet irgendwann nur ein Schicksal: Kunststoffabfall. Er vermüllt Landstriche und Meere. Darauf weist Full-Service-Berater HR Management Selecteam in München in einer Mitteilung an die Presse hin.

Massenprodukt Kunststoff

Kunststoff gibt es demnach etwa seit 70 Jahren als Massenprodukt. Seither findet sich das Material in zahlreichen Gegenständen und Objekten des täglichen Lebens:

  • Verpackung für Lebensmittel,
  • in der Industrie,
  • verbaut in elektronischen Geräten.

Entsprechend hoch ist die Menge an Kunststoffabfall: allein 2017 insgesamt 348 Millionen Tonnen. 80 Prozent des Mülls im Meer stammen von Quellen an Land. Das berichtet die Nachhaltigkeitsplattform Reset und beruft sich auf einen Bericht von Greenpeace. Plastik kann demnach bis zu 500 Jahre erhalten bleiben. Deshalb habe es große Chancen, über Flüsse und den Wind irgendwann im Meer zu landen – selbst wenn man es ursprünglich auf einer Müllhalde weit weg vom Meer gelagert hatte.

Auch dann, wenn man es gar nicht vermute, produziere man Plastikmüll. Bis zu 2.000 Kunstfasern aus Fleece-Kleidungsstücken, meistens aus Polyester oder Polyacryl, gelangen pro Waschgang ins Abwasser und somit irgendwann ins Meer, weil sie in den Klärwerken nicht zurückgehalten werden können – nur eine Quelle von Mikroplastik.

Plastik ist der umgangssprachliche Sammelbegriff für viele verschiedene Kunststoffe, also synthetisch hergestellte Stoffe auf Basis von Erdöl, Kohle oder Erdgas. Die aus diesen Grundstoffen synthetisierten Kohlenstoffverbindungen oder synthetische Polymere werden zu Kunststoffen verarbeitet. Zusammen mit einer breiten Palette hinzugegebener Zusatzstoffe entsteht daraus je nach den gewünschten Eigenschaften das Endprodukt.

Kreislaufwirtschaft als Alternative zur linearen Wirtschaft

Im Gegensatz zur linearen Wirtschaft sehen die Experten von Selecteam die Kreislaufwirtschaft. Das alternative Modell sieht ihnen zufolge vor, Ressourcen so lange wie möglich zu nutzen und so deren Wert für die Wirtschaft zu erhöhen. Insbesondere Kunststoffe eigneten sich dank ihren einzigartigen Eigenschaften für die Kreislaufwirtschaft. Sie machten aus Abfällen neue Rohstoffe. Beispiel: eine leere PET-Flasche. Dem Werkstoffkreislauf wieder zugeführt, ließen sich wieder hochwertige Produkte herstellen wie:

  • Folien,
  • Flaschen,
  • Fasern.

Das Interesse an der Kreislaufwirtschaft steige. Treiber der aktuellen Entwicklung sei nicht zuletzt die chinesische Regierung. Diese stoppte 2018 den Import von Plastikmüll. Sie forderte die deutsche Abfallwirtschaft auf, neue Wege zu gehen. Zahlreiche Anbieter verwerten nun Plastik, so Selecteam-Autorin Maritza Cataldo. Dabei sortieren sie die verschiedenen Kunststoffsorten und reinigen das Material von Verschmutzungen. Am Ende bleibe so nur noch ein reines Kunststoffmaterial. Eingeschmolzen entsteht ein körniger Rohstoff. Durch Erwärmen könne man aus der dann flüssigen Masse wieder neue Produkte herstellen.

Auch beim Recycling von carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) meldet Selecteam Fortschritte. Dieser findet Verwendung beim Flugzeug- und Fahrzeugbau oder beim Sport. CFK ist leicht. Das Problem: Bei der Produktion von Carbon werden organische Materialien in graphitartig angeordneten Kohlenstoff umgewandelt. Dieser Prozess ist energieaufwendig und erschwert das Recycling.

Doch auch dieses Problem scheint gelöst zu sein: Durch Pyrolyse könne man CFK in einen vollständigen Kreislauf führen. Die thermochemische Spaltung durch Wärme und ohne Sauerstoff löst organische Verbindungen auf. Am Ende bleiben die Carbonfasern zurück, die zu Pellets oder Fasermehl verarbeitet werden können. Diese dienen anschließend als Rohstoffe der Kunststoffindustrie, die daraus neue Bauteile oder Produkte herstellt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)