News | Logistik 20.06.2017

Kostensenkung: Nordzucker organisiert Rohstoffbelieferung tagesgenau

Einmal im Jahr ist bei Niedersachsens Bauern Hochbetrieb, dann ist Zuckerrübenzeit. Die Zuckerfabriken nehmen zu bestimmten Zeiten die Kontingente ab – genau kalkuliert nach Erntequalität und Menge. Um dabei Kosten zu senken, nutzt Nordzucker eigens eine neue Software.

Nachschubsteuerung mit neuem PSI-System

Ende Mai 2017 erfolgte die Inbetriebnahme der optimierten Nachschubsteuerung mit dem PSI-System bei Nordzucker aus Braunschweig. Entwickelt wurde die neue Software „PSIglobal“ zusammen mit Software-Entwickler PSI Logistics GmbH. Damit will die Nordzucker AG künftig die Rohstoffbelieferung ihrer Zuckerfabriken organisieren, und zwar unter Berücksichtigung tagesgenauer

  • Kapazitäten,
  • Produktions-,
  • Beschaffungs- und
  • Transportkosten

1,7 Milliarden Euro Konzernumsatz

Nordzucker erzielte laut vorletzte Woche vorgelegter Bilanz im Geschäftsjahr 2016/17 (Stichtag 28.2.) einen Konzernumsatz von 1,7 Milliarden Euro und lag damit sechs Prozent über dem Vorjahr (1,6 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis (EBIT) betrug 131 Millionen Euro. Der Konzernjahresüberschuss hat sich mit 99 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr mit nur 15 Millionen Euro erheblich verbessert. Insgesamt ist die Ertragslage wie erwartet deutlich besser als im Jahr zuvor.

Mehr Zucker verbraucht als produziert

Der globale Verbrauch von Zucker übertraf den Angaben zufolge im Wirtschaftsjahr 2015/16 sowie im noch bis 30. September laufenden Zuckerwirtschaftsjahr die Produktion. Dieses Defizit habe zu einem Abschmelzen der Zuckerbestände geführt. Dadurch seien die Zuckerpreise am Weltmarkt im Verlauf des letzten Jahres deutlich gestiegen. Zudem hätten sich die EU-Marktpreise zeitverzögert nach oben entwickelt. Nordzucker habe durch erfolgreiche Vertriebsaktivitäten auch die abgesetzten Mengen steigern können.

Effizienzprogramm „Force“

Nordzucker hat im abgelaufenen Geschäftsjahr konzernweit seine Prozesse auh zur Kostensenkung weiter verbessert. Das PSI-Modul gehört zum Effizienzprogramm „Force“. Damit erziele man mittlerweile Einsparungen in allen Bereichen. Schwerpunkte lägen zum Beispiel in Einkauf und Verwaltung. Mit „Force“ wurden in den letzten zwei Jahren bereits mehr als 30 Millionen Euro eingespart, heißt es seitens Nordzuckers. Das Ziel liegt bei 50 Millionen Euro.

Bisher nicht realisierbare Kostensenkung

Das neue auf PSIglobal basierende Modul ermögliche es Nordzucker, zusätzliche, bisher nicht realisierbare Kostensenkungen zu erzielen. Bei der Entwicklung des neuen Kernmoduls kam es besonders auf die notwendigen Funktionen und Algorithmen für die kombinierte Verbesserung von Produktion und Logistik im operativen Tagesgeschäft an.

Bedarfskennzahlen der Zuckerfabriken

Die Software erhält in Echtzeit aus einem bei Nordzucker vorgelagerten SAP-System Kapazitäts- und Bedarfskennzahlen der Zuckerfabriken von Nordzucker sowie die zu erwartenden Erntemengen auf den einzelnen Zuckerrübenfeldern der Bauern. Auf dieser Grundlage berechnet die Software die kostengünstigste Versorgung der einzelnen Fabriken unter Berücksichtigung festgelegter Parameter. Dies erfolgt bei der Auswahl der Rübenverträge im Vorfeld der Rübenkampagne und während ihres Verlaufes zur Logistiksteuerung der Rübenanlieferungen.

Individuelle Gewichtung der Rahmenparameter

Der Datenaustausch zwischen PSI-System und vorgelagertem SAP-ERP-System bei Nordzucker erfolgt über eine Schnittstelle mittels SAP Process Integration (PI). Die von dem Modul errechneten Planungsergebnisse können von der Rübenlogistikabteilung bei Nordzucker jederzeit mit PSIglobal analysiert werden. Die zugrundeliegenden Algorithmen ermöglichen es dabei, die Rahmenparameter anders zu gewichten und weitere Spezifikationsprüfungen durchzuführen.

Autor: Franz Höllriegel