24.06.2021

Kombinierten Verkehr und Green Deal für Transporteure attraktiver machen

Kombinierten Verkehr (KV) von Bahnen und Lkw stärken – das haben sich Allianz pro Schiene, BGL und Bund vorgenommen. Startpunkt ist das vom Verkehrsministerium geförderte Projekt „Truck2train“. Die Branche fordert zudem mehr Attraktivität des EU-Green Deals für Transporteure.

Kombinierten Verkehr Green Deal

Vorteile des KV nur für die Großen?

Derzeit nutzen hauptsächlich große Unternehmen gemeinsame Vorteile von Bahn und Lkw. An kleinen und mittelgroßen Transportunternehmen geht der Kombinierte Verkehr noch weitgehend vorbei. Dabei böte sich hier viel mehr Potential, um mehr Güter auf der klimafreundlichen Schiene zu transportieren, ist Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, überzeugt.

Da beständen Hürden. Sie wolle man benennen und aus dem Weg räumen. Die Nachfrage nach Transportkapazitäten steige stetig. Zudem bergen die Anforderungen zur Erreichung der Klimaschutzziele enorme Chancen, ist sich BGL-Chef Professor Dr. Dirk Engelhardt sicher. Diese Chancen müsse man nutzen. Deswegen müsse man jedoch die Hindernisse für kleine und mittelständische Transportunternehmen zur Nutzung des KV beseitigen.

Engelhardt: „Dies geht nur durch eine intelligente Verzahnung der Vor-, Haupt- und Nachläufe.“

Transportbranche – viele kleine Anbieter, großer Markt

Die Transportbranche in Deutschland prägen viele kleine Anbieter. Von den etwa 45.000 Unternehmen des gewerblichen Güterkraftverkehrs beschäftigen rund 80 Prozent weniger als 20 Mitarbeiter und weniger als zehn Fahrzeuge. Dabei erbringen diese Kleinunternehmen zusammen einen erheblichen Teil der Verkehrsleistung. Viele dieser Transportunternehmen nutzen nach Angaben des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. den Kombinierten Verkehr noch nicht. Sie seien fast ausschließlich auf der Straße unterwegs. Ihnen fehlten Experten für die speziellen Anforderungen des KV. Zudem mangele es oft an KV-Ladeeinheiten im Fuhrpark.

Anforderungen an digitale Einstiegsportale

Um solche Firmen in die Lage zu versetzen, am KV mit der Schiene teilzunehmen, benötigen sie nach Ansicht der Initiatoren zur Bewältigung der logistischen Herausforderungen:

  • Informationen und
  • Dienstleistungen.

Hier setzt Truck2train an. Damit wollen Allianz pro Schiene und BGL Anforderungen an digitale Einstiegsportale für den Kombinierten Verkehr Straße-Schiene erarbeiten. Zusammen mit führenden Branchenvertretern erstellen die Verbände Handlungsempfehlungen, um die multimodale Transportplanung zu erleichtern und mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen.

In Deutschland ist der Kombinierte Verkehr der Wachstumsmotor der Güterbahnen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Verkehrsleistung in diesem Segment den Angaben zufolge um mehr als 40 Prozent gestiegen. Damit leiste er einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der von der Bundesregierung ausgegebenen verkehrs- und klimapolitischen Ziele. Bis 2030 soll sie den Anteil der Schiene am Güterverkehr von derzeit 19 Prozent auf mindestens 25 Prozent steigern.

Unterstützung für EU-Klimaziele

Unabhängig von der KV-Initiative unterstützt der BGL den Europäischen Green Deal und betont den Beitrag des Straßengüterverkehrs hierzu. Das zeigte ein Online-Seminar dazu mit über 75 Teilnehmern aus verschiedenen europäischen Transportverbänden, Unternehmen und EU-Entscheidungsträgern. Organisiert hatte der BGL es zusammen mit dem Brüsseler Common Office der Logistikverbände NLA (Skandinavien) und FNTR (Frankreich). Unter andere nahmen daran neben Engelhardt teil Florence Berthelot (FNTR/Common Office), Johan Danielsson (Mitglied des Europäischen Parlaments, sozialdemokratische Fraktion), Daniel Mes (Europäische Kommission, Kabinett des Vizepräsidenten F. Timmermans) und Dr. Manfred Schuckert (Daimler AG).

Im Ergebnis unterstützen die drei Verbände die ehrgeizigen EU-Klimaziele, forderten aber gleichzeitig einen realistischen, pragmatischen und ausgewogenen Ansatz. Die Unternehmen benötigten Investitions- und Planungssicherheit, um den Europäischen Green Deal umzusetzen. Die Hauptbotschaft aller Redner war die Forderung nach einem funktionierenden Geschäftsmodell des grünen Übergangs für alle Marktteilnehmer. In einem waren sich alle einig: billig wird der grüne Übergang nicht. Er werde zu höheren Kosten führen.

Auch hier betonten die Redner deswegen die Bedeutung eines klaren Fahrplans mit Anreizen für das mittelständische Transportgewerbe. Ohne dies sei eine Umsetzung des Green Deals in die Praxis nicht zu haben. Neben dem finanziellen Aspekt unterstrichen die Podiumsteilnehmer die Dringlichkeit des Aufbaus einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe für Lkw.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)