21.02.2019

Kölner Metallindustrie mit Blick auf Geschäftsentwicklung zunehmend pessimistisch

Nicht genug Aufträge, Geschäfte gehen schlecht, miese Erträge – die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Köln und Umgebung haben kaum Anlass für Freude. Derweil satteln Stahlverarbeiter an der Ostsee um. Und die Konkurrenz in China investiert fleißig in Software.

Trübe Aussichten

Pessimistischer als noch zum Jahreswechsel 2017/2018 – auf diese Quintessenz bringt Wolfgang Reß, Hauptgeschäftsführer von kölnmetall, Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Köln e. V., die derzeitige Stimmung in der Kölner Metallindustrie. Die „trüben Aussichten“ knüpft er an eine aktuelle Konjunkturumfrage unter ihnen zu Erwartungen bzw. Befürchtungen für die nächsten sechs Monate:

  • Geschäftsentwicklung: Vor einem Jahr bewerteten 50 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut. Heute sind es nur noch 40,6 Prozent. Die Hälfte stuft die momentanen Geschäfte als immerhin befriedigend ein (Vorjahr: 33,3 Prozent), die verbleibenden 9,4 Prozent (16,7 Prozent) berichten von einer schlechten Lage.
  • Auftragsentwicklung: Der Anteil derer, die sich aktuell über eine gute inländische Auftragslage freuen können, ist seit der letzten Umfrage von 37,5 Prozent auf derzeit 31,3 Prozent gesunken. 56,3 Prozent (45,8 Prozent) berichten von einer befriedigenden Auftragslage. Allerdings beschreiben 12,5 Prozent (16,7 Prozent) die derzeitige Inlandsnachfrage als schlecht. Die aktuelle Auftragslage aus dem Ausland wird von 40,6 Prozent (50,0 Prozent) der Unternehmen als gut eingestuft, ihr Anteil ist um 9,4 Prozentpunkte zurückgegangen. 43,8 Prozent (37,5 Prozent) sprechen von einer befriedigenden Lage, 15,6 Prozent (12,5 Prozent) beklagen dagegen eine schlechte Nachfragesituation.
  • Ertragsentwicklung: Rund 31 Prozent der Unternehmen können von guten Erträgen berichten, vor einem Jahr waren es nur 25 Prozent. Weitere 43,8 Prozent (41,7 Prozent) beschreiben ihre Situation zumindest als befriedigend. Allerdings beklagt ein Viertel (33,3 Prozent) der Kölner Metallindustrie eine schlechte Ertragssituation. Jedoch: Nur 12,5 Prozent (16,7 Prozent) rechnet mit einer Besserung der Erträge, 62,5 Prozent (62,5 Prozent) glauben an eine gleichbleibende Entwicklung. Eine schlechtere Ertragsentwicklung befürchtet ein Viertel, im Vorjahr waren es knapp 21 Prozent.
  • Sorge vor einem ungeordneten Brexit, dessen Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft noch nicht ganz abzuschätzen seien.

Was die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate angeht, zeigen sich die Unternehmen deutlich pessimistischer: So erwarten nur 3,1 Prozent (12,5 Prozent) der Befragten eine bessere, 62,5 Prozent (79,2 Prozent) eine gleichbleibende Entwicklung. 34,4 Prozent (8,3 Prozent) befürchten eine Verschlechterung, ihr Anteil ist gegenüber der vorangegangenen Konjunkturumfrage damit merklich gestiegen.

Doch es gebe auch Licht am Horizont:

  • Die Beschäftigungsentwicklung: Sie sei in den letzten sechs Monate stabil. Zudem wolle die Mehrzahl der Firmen auch in den nächsten sechs Monaten an ihren Stammbelegschaften festhalten.
  • Die Unternehmen zeigten weiterhin ein hohes Ausbildungsengagement.

Ostseestaal sattelt um auf Aluminium

An der Ostsee denkt man unterdessen bereits um. Der Metallverarbeiter Ostseestaal in Stralsund verbreitert sein Angebot um große Tankdächer in Leichtbauweise aus recyceltem Aluminium. Dafür gründete das Spezialunternehmen eine neue Produktionsfirma, die Ostsee Tank Solutions GmbH, wie ein Sprecher mitteilte. Die Abdeckungen sollen eine Spannweite von 25 bis zu 150 Metern haben.

Wie „svz.de“ berichtet, sollen sie die Tanks, deren Inhalte bereits durch schwimmende Dächer geschützt werden, zusätzlich vor Witterungseinflüssen abschirmen. Zudem verhinderten sie die Emission von Schadstoffen in die Umwelt. 20 neue Arbeitsplätze sollen anfangs entstehen. Bisher beschäftigt das Unternehmen rund 180 Mitarbeiter.

Tankdächer aus Aluminium-Platten

Die Firma werde die Tankdächer aus dreieckigen Aluminium-Platten im Auftrag von internationalen Projektgesellschaften herstellen, die weltweit Tanklager errichten. In den Tanks werden etwa Wasser, Mineralölprodukte oder Flüssiggas gelagert. Vor allem der verstärkte Einsatz von umweltschonendem Flüssiggas als Treibstoff in der Schifffahrt erfordere neue Tankkonzepte und -technologien, zitiert „svz.de“ den Business Development Manager bei Ostseestaal, Thomas Schmidt. Die weitgehend automatisierte Fertigung der Tankdächer solle Mitte des Jahres beginnen. Derzeit würden Fachkräfte dafür gesucht.

China im Zeichen von Industrie 4.0

Wie das Berliner Softwarehaus PSI Software AG mitteilt, hat der chinesische Stahlhersteller HBIS Laoting Steel Co. Ltd. nach einer zweijährigen Evaluierungsphase die PSI Metals mit der Implementierung der Produktionsmanagementsoftware PSImetals Planning, Quality Management, Production and Logistics im neuen Stahlwerk in Tangshan Laoting beauftragt.

PSI Metals sieht sich als weltweiter Marktführer bei Produktionsmanagementsoftware für die Metallindustrie. China hat die beiden Initiativen „Industrie 4.0“ und „China 2025“ gestartet. Die Software soll bei der Erreichung der Projektziele der HBIS Laoting helfen. Diese umfassen neben der Digitalisierung der Produktionsprozesse für mehr Transparenz, die Systemintegration für die Harmonisierung der Informationsbasis sowie die Unterstützung der Geschäfts- und Datenflüsse durch Big-Data-Anwendungen.

10 Millionen Tonnen hochwertige Stähle aus dem Reich der Mitte

In der neuen Produktionsanlage sollen zukünftig hochwertige Stähle mit einer Kapazität von rund 10 Millionen Tonnen produziert werden. Bereits zu Beginn der Planung des neuen Werks, bildete das neue Informationssystem einen entscheidenden Bestandteil im Gesamtprojekt. Zhang Chi, General Manager bei HBIS Laoting Steel erläuterte dazu: „Gemessen an den relativ geringen Investitionen spielt das Informationssystem als zentrales System eine wesentliche Rolle.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)