24.10.2018

KI in der Logistik: Jetzt werden schon Paletten intelligent!

Das Internet der Dinge wird massentauglich – auch für die Logistik, denn jetzt werden Paletten intelligent. Telekom, Fraunhofer-Institut IML und die European Pallet Association (EPAL) testen die ersten 500 intelligenten Paletten.

500 intelligente Paletten sind gerade im Praxiseinsatz. Sie sollen die beiden größten Probleme der Logistik, nämlich Verlust und Verzögerung, mildern helfen.

500 intelligente Paletten im Praxiseinsatz

Verlust und Verzögerung sind die zwei größten Herausforderungen der Logistik. Frachtdiebstahl kostet die Unternehmen jedes Jahr Milliarden Euro. Wegen fehlender oder falscher Informationen erreichen 30 Prozent aller Lieferungen weltweit nicht rechtzeitig ihr Ziel. Aber nun werden die Paletten intelligent und miteinander vernetzt. Sie werden das neue Datengold der Logistik sein.

Telekom, Fraunhofer IML und EPAL stellen eine neue Generation der standardisierten Palette auf dem Deutschen Logistik-Kongress vor. Unternehmen sollen damit den Gütertransport über Wasser, Schiene und Straße mit der intelligenten Palette gezielter steuern können.

Schnell lokalisiert und vor Dieben geschützt

Entwickelt haben den kleinen Tracker Wissenschaftler der Telekom Open IoT Labs beim Fraunhofer IML. Hier erfolgte auch der Einbau des Trackers in 500 Paletten von EPAL.

Der so genannte „Low-Cost-Tracker“ bestimmt laut einer Mitteilung der Telekom:

  • Position
  • Bewegung
  • Schockeinwirkungen
  • Temperaturverlauf

Und so werden die Paletten intelligent: Ein wasserfester Sensor registriert Stöße, Lage, Kippwinkel, Beschleunigungen und Temperatur der Palette. Diese meldet selbständig Abweichungen durch Erschütterungen oder Temperaturschwankungen. Die intelligente Palette meldet ihre aktuellen Daten automatisch an ein eigenes Portal.

Daten sind die neue Währung der Logistik

Durch die robuste Bauweise lassen sich die Tracker in so gut wie jeden Ladungsträger einbauen. Der Datenaustausch erfolgt über das Maschinen- und Sensoren-Netz der Telekom „NarrowBand IoT“ (NB-IoT). Aufgrund ihrer Beschaffenheit bietet sich die Schmalbandtechnologie als Wegbereiter für das Internet der Dinge an: mit sicherer, stabiler und robuster Konnektivität und universeller Funktionstüchtigkeit.

Als Vorteile der neuen Technologie nennen deren Väter:

  • niedrigen Energiebedarf
  • geringe Kosten
  • hohe Durchdringung in Gebäuden
  • Batterielaufzeit von zehn Jahren

Die Datenflatrate kostet einmalig zehn Euro für zehn Jahre. Laut Telekom wird mit einem lizenzierten Spektrum und Standardisierung gearbeitet. Das sorgt auf der Basis des Funkstandards LTE nach der künftigen Norm 5G mit weltweiter Roamingfähigkeit für Sicherheit.

Künstliche Intelligenz wird massentauglich

Experten schätzen, dass in den nächsten Jahren weit über eine Milliarde Geräte pro Jahr ins Internet der Dinge gehen. Viele davon sollen in der Transport- und Logistikbranche eingesetzt sein. Die kleinen Geräte in Paletten, Containern und Behältern werden künftig Milliarden von Zustandsdaten übertragen. Zudem können sie sich selbst lokalisieren und untereinander kommunizieren.

Low-Cost-Tracker macht Ladungsträger intelligent

Der „Low-Cost-Tracker“ soll Ladungsträger intelligent machen. Für eine Skalierung im Milliardenbereich sind allerdings diese Faktoren notwendig:

  • ein weltweiter Standard mit einer sicheren Zertifizierung und Authentifizierung (zum Beispiel per SIM-Karte)
  • langfristig garantierte, stabile Netze
  • konkurrenzfähige Preise
  • Flatrates
„Das kann zurzeit nur NB IoT“,

sagt Prof. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML.

„Mit den intelligenten Paletten beginnt für EPAL eine neue Ära. Entscheidend für uns ist das Innovationspotential durch die neue Verfügbarkeit von Daten. So können wir unseren Kunden zuverlässige Mehrwerte bieten und ein für uns nachhaltiges Geschäftsmodell schaffen“,

äußert sich Ingo Mönke. Er ist Vorstandsvorsitzender der GPAL, des deutschen Nationalkomitees der European Pallet Association e.V.

„Wir haben den Low-Cost-Tracker spezifisch für EPAL als einen unserer ersten Kunden gebaut. Allein in Europa hat die Vereinigung mehr als 500 Millionen Paletten im Umlauf. Dies ist ein riesiges Potenzial zur Digitalisierung der Lieferkette“,

resümiert Ingo Hofacker, verantwortlich für das IoT-Geschäft der Deutschen Telekom.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)