21.09.2017

Kein Witz: elektrisch betriebene Oberleitungs-Lkw

Oberleitungs-Lkw, also ein Lkw mit Oberleitung? Kein Scherz. In Baden-Württemberg entsteht bis Ende 2019 eine Teststrecke für schwere Lkw mit elektrischem Antrieb. Nach Hessen und Schleswig-Holstein ist es die dritte Teststrecke mit Oberleitung, doch erstmals auf einer Bundesstraße mit Ortsdurchfahrten.

Elektrisch betriebene Oberleitungs-Lkw

16,8 Millionen Euro vom Bund

Mit rund 16,8 Millionen Euro fördert das Bundesumweltministerium (BMUB) das Pilotprojekt „eWayBW“. Das berichtet die Online-Energieplattform Euwid.

Demnach entsteht das Projekt auf zwei Teilstücken der Bundesstraße 462 im Murgtal zwischen Gernsbach-Obertsrot und Kuppenheim. Die Gesamtlänge der Elektrifizierung beträgt etwa sechs Kilometer in beiden Fahrtrichtungen.

Landesverkehrsministerium Träger des Vorhabens Oberleitungs-Lkw

Das Verkehrsministerium in Stuttgart ist Träger des Vorhabens. Es kooperiert dabei mit der Südwestdeutschen Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG), dem Regierungspräsidium Karlsruhe, dem Landkreis Rastatt sowie dem Konsortium Forschung e-WayBW.

An e-WayBW sind wiederum beteiligt: das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung Fraunhofer ISI, die PTV Transport Consult GmbH, das FZI Forschungszentrum Informatik und das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie. Assoziierte Projektpartner sind die Unternehmen Spedition Fahrner, Huettemann Logistics, Casimir Kast Verpackung und Display, Mayr-Melnhof Gernsbach, Smurfit Kappa Baden Board und Netze BW.

Auch die Bundesanstalt für Straßenwesen, die e-mobil BW GmbH sowie der Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg nehmen an dem Pilotprojekt teil.

Pilotstrecke Stammstrecke der Papierindustrie

Die Region im Nordschwarzwald ist geprägt durch Holz- und Papierindustrie. Auf der Pilotstrecke werden jährlich über 500.000 Tonnen Papier und Pappe rund um die Uhr von drei Papierherstellern in Obertsrot in ein Logistikzentrum nach Kuppenheim verbracht. Damit ergibt sich pro Kalendertag eine Anzahl von durchschnittlich 64 Umläufen.

In Summe legen die Oberleitungs-LKW dem Bericht zufolge nach Angaben des BMUB damit pro Jahr über 250.000 km im Bereich der Oberleitungen zurück, rechnet das BMUB vor.

Oberleitungs-Lkw erstmals auf Bundesstraße mit Ortsdurchfahrten

„Jede der drei Pilotstrecken hat ihre eigene Strecken- und Verkehrscharakteristik“, zitiert die Energie-Plattform Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

In Baden-Württemberg werde das System erstmals auf einer Bundesstraße mit Ortsdurchfahrten erprobt.

Die B 462 zeichnet sich zudem durch eine besondere Tallage aus.

„Die Teststrecke steht daher exemplarisch für die besonderen Anforderungen auf Bundesstraßen mit teilweise sehr anspruchsvollen straßenbaulichen Verhältnissen“, heißt es weiter.

Lösung hin zu klimaneutralem Güterverkehr

Elektrisch betriebene Oberleitungs-Lkw seien eine besonders interessante Lösung auf dem Weg zu einem klimaneutralen Güterverkehr, so Hendricks. Sie seien sehr energieeffizient und ermöglichten mithin viele emissionsfreie Kilometer mit wenig erneuerbarem Strom.

Über das Pilotprojekt „eHighway“ auf der A5 südlich des Frankfurter Flughafens berichtet der dortige Systemlieferant Siemens, dass mit der Nutzung der Oberleitungsinfrastruktur ein Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent zu erreichen sei. Im Vergleich zu konventionellen Verbrennungsmotoren könne mit gegebenem Energieeinsatz die doppelte Strecke zurückgelegt werden.

Projekt ist Fingerzeig in die automobile Zukunft

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) weist auf eine lange Tradition des Landes Baden-Württemberg als Wiege des Automobilbaus und mit Querverbindungen im Murgtal hin.

So führt die Pilotstrecke am Daimlerwerk in Gaggenau vorbei. Dort wurde ab 1895 das erste Serienauto der Welt produziert, dort steht das älteste durchgehend genutzte Automobilwerk der Welt.

„Vor diesem Hintergrund darf eWayBW umso mehr als Fingerzeig in die automobile Zukunft verstanden werden“, so der Minister.
Autor: Franz Höllriegel