10.03.2022

Kein russisches Erdöl für USA, EU will LNG aus USA

Der Exodus hat begonnen: nach anfänglichem Zögern verbietet die Biden-Administration jetzt doch den Import russischen Erdöls, von Flüssigerdgas und Kohle. Die EU beschränkt ihr Embargo auf Gas. EU-Bürger sollen Energie sparen. Immer mehr Firmen verlassen Russland.

russisches Erdöl

Abhängig vom Öl

EU-Länder wie Deutschland sind von Importen von russischem Erdgas und Erdöl abhängig, berichtet das ZDF. Europa bezieht zuletzt 45 Prozent ihres Gas-Importes aus Russland. Darauf komplett zu verzichten wäre im Winter ein Problem. Bis Ende dieses Jahres will die EU-Kommission den Import um zwei Drittel reduzieren. Sie wollten deswegen bislang in diesem Bereich keine Sanktionen verhängen. Die EU will russische Gasimporte in einem Jahr um zwei Drittel verringern. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte, Europa habe Energielieferungen aus Russland bewusst von Sanktionen ausgenommen. Nicht so abhängig wie die EU sind US-Präsident Joe Biden zufolge die USA. Aus diesem Grund verbietet Biden im Rahmen neuer Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs den Bezug von russischem Öl, Flüssigerdgas und Kohle in die USA. Unklar ist, ab wann das Importverbot gilt. Großbritannien will seine Öl-Importe aus Russland bis Ende 2022 senken und dann kein Öl mehr von dort importieren.

USA ziehen die Reißleine

Die USA importieren dem Sender zufolge rund 100.000 Barrel russisches Öl pro Tag, was etwa fünf Prozent der russischen Exporte entspricht. Die USA könnten verhältnismäßig einfach das russische Öl durch Lieferungen aus Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten ersetzen, schätzt der Bericht. Russland könnte seinerseits andere Käufer suchen wie etwa Indien oder China. Anders wäre es bei einem umfassenderen Ölembargo gegen Russland. Dann könnten als Ersatz für Russland etwa Länder wie der Iran oder Venezuela wieder als Öllieferanten einspringen, zitiert das ZDF Claudio Galimberti von den Energieanalysten bei Rystad Energy. Solche zusätzlichen Lieferanten könnten die Preise stabilisieren. Mittlerweile sei eine US-Delegation in Venezuela gewesen, um unter anderem über Energiesicherheit zu sprechen, wie das Weiße Haus mitteilte, sprich: um gut Wetter für Öllieferungen von dort nach USA zu bitten nach der kalten Schulter, die die USA in den letzten Jahren der Regierung Maduro in Venezuela gezeigt hatten.

„Präsident Biden hat gesagt, er wolle auf die Hauptschlagader der russischen Wirtschaft abzielen“, so Claudia Bates, ZDF-Korrespondentin in Washington.
Er entziehe Russland deshalb die Milliarden aus dem Ölgeschäft.

Zwei Drittel weniger Gas für EU

Die EU will die Gasimporte aus Russland angesichts der aktuellen Eskalation in der Ukraine um zwei Drittel reduzieren. Um das Ziel schneller zu erreichen, so Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen laut „Spiegel“, sei neben Lieferungen von Flüssiggas aus dem Ausland oder dem wichtigen Ausbau der erneuerbaren Energien auch jeder selbst gefragt. Alle könnten dazu beitragen, unabhängiger zu werden von russischem Gas und allgemein von fossilen Brennstoffen, meint die Politikerin. Man brauche nur Energie sparen. „Jede und jeder an seinem Platz kann das tun“, sagte die CDU-Politikerin im ZDF-„Morgenmagazin“. Hinzu kämen für Sie:

  • Energiesparprogramme für die Wirtschaft
  • neue Lieferwege
  • Ausbau erneuerbarer Energien.

Wenn man alles kombiniere, „dann können wir sehr viel schneller unabhängig werden“, so die EU-Chefin.

Von der Leyen: Tankfüllung für Putin

Von der Leyen verteidigte die Linie der Europäischen Union, trotz dem Krieg in der Ukraine zunächst weiter Energie aus Russland zu importieren, während die USA einen Importstopp für russisches Öl verhängt haben. Die Sanktionen gegen Moskau seien unter den westlichen Verbündeten abgestimmt. Die USA könnten leichter auf Öllieferungen verzichten als die EU. Ölpreise dürften ihrer Ansicht nach aber nicht zu sehr ansteigen, sonst würde das die EU schwächen. Es gehe darum auszutarieren zwischen maximaler Wirkung bei Präsident Putin und minimalem Schaden bei der EU. Umweltschützer und Experten hatten ebenfalls ins Spiel gebracht, die Energieabhängigkeit von Russland durch persönlichen Verzicht zu mildern. „Jede Tankfüllung spült Geld in Putins Kriegskasse“, so der Umweltkonzern Greenpeace. Er fordert ein Tempolimit. Andere Maßnahmen wie Verlängerung der Homeoffice-Pflicht zur Verringerung des Kraftstoffbedarfs oder weniger Heizen, so die Verschläge der selbsternannten Umweltschützer.

Logistiker verlassen Russland

Nicht mehr von und nach Russland haben Lieferungen eingestellt die Logistiker:

  • US-Paketdienstleister UPS und
  • Fedex.
  • die Deutsche-Post-Tochter DHL
    • befördert keine Sendungen mehr nach Russland
    • keine Transportleistungen in die und aus der Ukraine.
  • Die dänische Reederei Maersk setzt Container-Schifffahrten von und nach Russland aus.
  • Die Reederei Hapag Lloyd hat Buchungen für Russland vorübergehend ausgesetzt und Fahrten in die Ukraine gestoppt.
  • Der Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel setzt bis auf Weiteres alle Importlieferungen in die Russische Föderation aus, mit Ausnahme von:
    • Pharma-,
    • Gesundheits- und
    • humanitären Transporten.

Industrie verlässt Russland

Der Elektro- und Energietechnikhersteller Siemens Energy hat sämtliches Neugeschäft in Russland gestoppt. Der frühere Mutterkonzern Siemens hat alle neuen Geschäfte und internationalen Lieferungen in das Land eingestellt. Seine lokalen Service- und Wartungsaktivitäten will der Konzern unter Einhaltung der Sanktionen fortsetzen. Lkw- und Zugbremsenhersteller Knorr-Bremse zieht sich aus seinem Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz zurück, zusätzlich zu dem vergangene Woche angekündigten vorläufigen Stopp aller Lieferungen mit endgültigem Ziel Russland. Außerdem hat der Vorstand laut „Tagesschau“ entschieden, keinerlei Produkte oder Systeme für Lokomotiven mehr nach Russland zu liefern. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass diese für militärische Zwecke eingesetzt würden, heißt es zur Begründung.

Er läuft und läuft nicht mehr in Russland: der VW

Unterdessen ziehen sich auch die Automobilhersteller mehr und mehr aus Russland zurück. „Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs hat der Konzernvorstand entschieden, die Produktion von Fahrzeugen in Russland bis auf Weiteres einzustellen“, gibt der NDR Mitteilungen aus Wolfsburg wieder. Auch Exporte der größten europäischen Autogruppe nach Russland würden „mit sofortiger Wirkung gestoppt“. VW betreibt in Kaluga südwestlich von Moskau und im weiter östlich gelegenen Nischni Nowgorod eine Autofertigung. An beiden Standorten beende der Konzern die Produktion vorerst. „Mit der weitgehenden Unterbrechung der Geschäftstätigkeit zieht der Konzernvorstand die Konsequenzen aus der von starker Unsicherheit und den aktuellen Verwerfungen geprägten Gesamtsituation“, so Volkswagen laut dem Sender. In anderen Ländern hatten die Folgen des Angriffs auf die Ukraine die Produktion bei Autobauern bereits ausgebremst. So gebe es nach der Corona- und Chipkrise weitere größere Arbeitsausfälle in VW-Werken in

  • Zwickau,
  • Wolfsburg und
  • Hannover, weil Zulieferteile etwa aus der Westukraine fehlen.

Die Mercedes-Benz Group, ehemals Daimler und früher Mutterkonzern der Daimler-Lkw-Sparte, beabsichtigt laut „Tagesschau“, ihre 15-prozentige Beteiligung an Kamaz zu verkaufen. Weiter betroffen von dem Embargo des Autobauers:

  • Export von Pkw und Vans nach Russland
  • lokale Fertigung in Russland.

BMW exportiert keine Autos mehr nach Russland und stellt die Produktion in den dortigen Werken ein.

Franzosen verlassen Moskau

Renault hat wegen logistischer Engpässe seine Aktivitäten in russischen Werken zeitweise eingeschränkt. Die Franzosen haben eine Mehrheitsbeteiligung an Russlands größtem Autohersteller Avtovaz. Der schwedische Autohersteller Volvo Cars, eine Tochter des chinesischen Fahrzeugkonzerns Geely, liefert seine Autos bis auf Weiteres nicht mehr nach Russland. US-Hersteller General Motors (GM) hat einen Exportstopp nach Russland angekündigt. Ford Motor hat seinen Joint-Venture-Partner Sollers über das Aussetzen seines Russlandgeschäfts informiert. Das Joint Venture stellt die russische Luxuslimousine und Staatskarosse „Aurus Senat“ her.

Japaner ziehen sich zurück

Der japanische Hersteller Mitsubishi erwägt eine Einstellung seiner Produktion und des Verkaufs seiner Autos in Russland., da die Sanktionen zu Unterbrechungen in den Lieferketten der Japaner führen könnten. Sein japanischer Mitbewerber Toyota stellt bis auf Weiteres die Produktion in seinem Werk in St. Petersburg ein, wo Toyota vorwiegend für den russischen Markt das SUV-Modell RAV4 und den Camry produziert. Als Begründung gab der Konzern Störungen der Lieferkette an. US-Motorradhersteller Harley Davidson hat seine Geschäfte und Lieferungen in Russland eingestellt.

Die Hersteller von Luxusautos Jaguar Land Rover und Aston Martin pausieren den Export ihrer Autos nach Russland. Die Stellantis-Tochter Ferrari und die Volkswagen-Tochter Lamborghini ziehen sich wegen des Krieges in der Ukraine aus dem Russlandgeschäft zurück. Ferrari zitiert die „Tagesschau“ dahingehend, die Produktion von Supersportwagen für den russischen Markt werde bis auf Weiteres gestoppt. Lamborghini wolle das Geschäft auf Eis legen. Reifenhersteller und Autozulieferer Continental stoppe Produktion und Geschäfte nebst dem Im- und Exportgeschäft mit Russland.

Energieriesen kehren heim

Der britische Energiekonzern BP trennt sich von seiner Beteiligung von knapp 20 Prozent am russischen Ölkonzern Rosneft. Der ebenfalls britische Energiekonzern Shell will kein Erdöl und Gas mehr aus Russland kaufen und bestehende Verträge nicht erneuern. Außerdem schließe der Konzern alle Tankstellen in Russland und gebe alle anderen Geschäftsaktivitäten dort auf. Zudem will er seine Gemeinschaftsunternehmen mit Gazprom und zugehörigen Firmen aufgeben.

US-Ölkonzern Exxon Mobil zieht sich aus dem russischen Öl- und Gasgeschäft zurück und tätigt keine neuen Investitionen mehr. Der französische Ölriese Total will kein Kapital mehr für neue Projekte in Russland bereitstellen. Der norwegische Energiekonzern Equinor wird sich von seinen Gemeinschaftsunternehmen in Russland trennen, das betrifft unter anderem auch Rosneft. Der österreichische Energiekonzern OMV hat seine Pläne, sich an einem Gasfeldprojekt von Gazprom zu beteiligen, aufgegeben und prüft dem Bericht auf „Tagesschau“ zufolge seine Rolle bei der Gaspipeline Nord Stream 2. Der Energiekonzern Uniper will keine neuen Investitionen in Russland tätigen. An die russische Kraftwerkstochter Unipro wolle man vorerst keine Mittel überweisen. Der Ende letzten Jahres eingeleitete Prozess zur Veräußerung von Unipro werde vorerst gestoppt.

Autor*in: Friedrich (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)