07.01.2021

Kapsch: Navis mit öffentlicher Routenführung möglich

Staus, Abgasmief, Verkehrsgefahren im Stadtverkehr – das muss nicht sein, findet der Wiener Verkehrsberater Kapsch. Er fordert eine digitale Verknüpfung von Navi-Diensten, öffentlicher Routenführung und Vernetzung von Fahrzeugflotten. Damit ließe sich das Stau-Problem lösen.

Navis mit öffentlicher Routenführung

Staus wirksam auflösen

63 Prozent der Bundesbürger sind sauer. Ihnen stinken Abgasmief und Staus zumal in Stadtzentren zu Hauptverkehrszeiten gewaltig. Gut jeder Dritte bewertet Staus als Belastung für die Luftqualität sehr negativ. Das berichtet der Wiener Anbieter von Verkehrslösungen für eine nachhaltige Mobilität Kapsch TrafficCom in einer Mitteilung an die Presse und beruft sich dabei auf Verkehrsforscher. Sie hielten ein Ende verstopfter Straßen für möglich. Ihr Vorschlag: Navigationsdienste mit einer öffentlichen Routenführung sollten zunächst Fahrzeugflotten von Lieferdiensten, Carsharing-Anbietern oder Taxi-Unternehmern digital vernetzt durch die Straßen leiten. So ließen sich Staus wirksam auflösen.

Fließender Verkehr in Echtzeit auf vorgeschlagener Route

„Wenn der fließende Verkehr einer von der Stadt in Echtzeit vorgeschlagenen Route folgt wird es möglich, eine knappe Ressource wie die Straße effizienter zu nutzen“, berichtet Gerd Gröbminger von Kapsch TrafficCom.
Damit, so ist er überzeugt, lassen sich Fahrzeuge heute über eine digital gesteuerte Verkehrsführung der Stadt so im Straßennetz verteilen, dass es an Engpässen gar nicht erst zu Staus komme. Gröbminger:
„Eine aktive Verschmelzung dieser kooperativen Navigation mit bestehenden Verkehrsmanagementsystemen maximiert diesen Effekt.“
Die kritische Masse an Fahrzeugen, die in eine Routenänderung eingebunden werden müssten, wäre schneller erreicht als oftmals angenommen.

Fahrzeugflotten als Partner der Städte

Dafür bieten sich nach Vorstellung des Stadtverkehrstrategen in einem ersten Schritt Fahrzeugflotten als Partner der Städte an, die bisher meist unkoordiniert unterwegs seien. Für Taxis, Lieferdienste oder Carsharing-Anbieter lasse sich die Teilnahme an der kooperativen Navigation beispielsweise steigern, indem Verkehrsbehörden im Gegenzug Erleichterungen erlaubten. Dazu zähle unter anderem, Bus-Spuren für die Fahrzeuge freizugeben oder kurzfristig freies Parken zu erlauben. Fahrzeuge der Stadtreinigung, Grünanlagenpflege oder sonstiger Behördendienste könne man ebenfalls einbinden.

Einbindung der Menschen für Paradigmenwechsel

Darüber hinaus sollte den Menschen das digitale Verkehrsleitsystem ebenfalls von Anfang an offenstehen, um den Paradigmenwechsel möglichst flächendeckend umzusetzen. Vorteile:

  • Geringere Gesamtbelastung durch Staus
  • Bessere Vorhersagequalität
  • Informierung über lokale Baustellen, Events oder kurzfristig eintretende Verkehrshindernisse
  • bestmögliche Streckenführung
  • individuelle Mitteilung an Fahrer.

„Das Phänomen bei Staus ist, dass nur sehr wenige Fahrzeuge ausreichen, um einen Stillstand im Verkehrsfluss auszulösen“, erklärt Gröbminger.
Wenn diese kritische Anzahl an Autos oder LKWs rechtzeitig auf eine alternative Route umgeleitet werde, sänken die Stauquoten bereits deutlich.
„Eine digitale Infrastruktur in den Städten und die Vernetzung von Fahrzeugen sind unverzichtbare Grundlagen, um das beschriebene Bedarfsmanagement in der Praxis umzusetzen“, so Gröbminger.
Flotten seien in der Regel mit Navigationstools ausgestattet. Zudem habe fast jeder private Autofahrer ein Handy mit Ortungs-Programmen. Auf dieser Grundlage könne man ein solches Verkehrsmanagementsystem in einer Stadt zügig und kostengünstig aufbauen.

Neue Ausgangslage durch Corona-Pandemie

Kapsch hat in Metropolen wie Madrid, Buenos Aires oder San Francisco mit digital gesteuerten Mobilitätskonzepten Erfolge erzielt. Die gegenwärtige Renaissance des Individualverkehrs werde anhalten, der öffentliche Nahverkehr erst in etwa fünf Jahren das Vorkrisenniveau erreichen.

Bis dahin suchten die Menschen als Reaktion auf die Corona-Pandemie Sicherheit und säßen lieber im Auto als in überfüllten Bussen oder Bahnen.

Gröbminger: „Städte sollten ihre Mobilitätskonzepte der Zukunft auf diese neue Ausgangslage anpassen. Eine Verknüpfung bestehender Verkehrsinfrastrukturen mit kooperativer Navigation ist für diesen Zweck ein wichtiger Start.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)