29.01.2018

Kabotage in Deutschland sprunghaft angestiegen

Ein ausländisches Transportunternehmen transportiert in Deutschland Güter. Das nennt man Kabotage. Solche Fahrten haben 2016 sprunghaft zugenommen. Doch sind die Auftraggeber nicht immer ausländische Firmen. Viele Auftraggeber gehören deutschen Unternehmen.

Kabotage

Verkehrsleistung aus Kabotage überproportional gestiegen

Die Verkehrsleistung aus Kabotage ist in Deutschland von 2015 auf 2016 um 30,8 Prozent gestiegen. Damit hat der Anteil der Kabotage an der Verkehrsleistung im Straßengüterverkehr um 1,3 Prozentpunkte zugelegt und liegt jetzt bei 5,8 Prozent.

Das geht aus dem Sonderbericht „Kabotage im Straßengüterverkehr 2016“ zur Entwicklung in Deutschland und der EU hervor, den das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) jetzt vorlegt. Fahrzeuge aus den jungen EU-Mitgliedstaaten steigerten ihre Kabotageleistungen demnach erneut überproportional.

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Kabotage: Hauptauftraggeber aus Deutschland

Dabei erfolgen Kabotagebeförderungen in Deutschland gar nicht einmal im Auftrag ausländischer Unternehmen. Vielmehr sind die Auftraggeber mehrheitlich deutsche Speditions-, Produktions- und Handelsunternehmen. Die Transporte werden zudem mit einer gewissen Regelmäßigkeit durchgeführt.

Diese Erkenntnis ergeben Fahrerbefragungen durch den Straßenkontrolldienst des Bundesamts. So nehme der Anteil derjenigen Fahrer mit fünf und mehr Kabotagebeförderungen pro Monat zu. Bei einem Gutteil der Kabotage handele es sich um wiederkehrende Beförderungen. Dies gelte insbesondere im Falle gebietsfremder Güterkraftverkehrsunternehmen mit deutscher Muttergesellschaft.

Zunehmend Kabotageverstöße beanstandet

2016 wurden bei BAG-Straßenkontrollen rund 1.300 Fahrzeuge wegen Kabotageverstößen beanstandet. Das entspricht einer Beanstandungsquote von 0,8 Prozent. Im 1. Halbjahr 2017 stieg sie gar auf 0,9 Prozent an. Beanstandet wurden vor allem diese Verstöße:

  • Nichteinhalten der höchstzulässigen Anzahl von Kabotagebeförderungen
  • Fehlen einer grenzüberschreitenden Beförderung im Vorfeld
  • nicht oder nicht ordnungsgemäße Mitführen erforderlicher Nachweise

Zuwachs in alten EU-Staaten

In der EU erhöhte sich den Angaben zufolge die Kabotage 2016 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 6,7 Milliarden Tonnenkilometer (tkm) oder 21,3 Prozent auf insgesamt knapp 38 Milliarden tkm. Der Zuwachs ergab sich in der Hauptsache in den alten EU-Mitgliedstaaten. Hier wurden 2016 rund 98,1 Prozent der gesamten Kabotageleistungen in der EU erbracht.

Die beiden größten Aufnahmeländer für Kabotage in der EU sind Deutschland und Frankreich. Auf sie entfielen 42,7 Prozent bzw. 25,4 Prozent der Kabotage.

Polen führendes Kabotageland

Der Anteil von Fahrzeugen aus den alten EU-Mitgliedstaaten (EU-15) an der gesamten Kabotage von EU-Fahrzeugen hat sich von rund 84,6 Prozent im Jahr 2008 auf rund 33 Prozent im Jahr 2016 verringert. Als größte Kaboteure der EU erreichten Unternehmen aus Polen 2016 allein einen Anteil von rund 33,6 Prozent. Der Anteil polnischer Unternehmen an der gesamten Kabotageleistung in Deutschland erreichte 2016 rund 57,2 Prozent.

Auf den weiteren Plätzen folgten Unternehmen aus Rumänien (7,9 Prozent) und Bulgarien (6,7 Prozent). Deutsche Güterkraftverkehrsunternehmen lagen 2016 mit rund 1,6 Milliarden tkm nur noch auf Rang 7. Noch 2008 hatten sie die Spitzenposition inne.

BAG-Mautstatistik 2017

Wie das Amt weiter mitteilt, haben im letzten Jahr mautpflichtige Nutzfahrzeuge rund 33,6 Milliarden km auf dem rund 15.000 km umfassenden gebührenpflichtigen Streckennetz in Deutschland zurückgelegt. Dies bedeutet einen Zuwachs von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Insgesamt legte die mautpflichtige Fahrleistung deutscher Lkw gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent auf 19,3 Milliarden km zu. Die aus anderen Zulassungsstaaten stieg um 7,7 Prozent auf 14,3 Milliarden km an.

Immer weniger umweltschädliche LKW

Der Anteil deutscher Lkw an der gesamten Fahrleistung belief sich damit im Jahr 2017 auf 57,4 Prozent.

Es folgen diese Zulassungsstaaten:

  • Polen (Anteil 16,1 Prozent)
  • Tschechien (4,1 Prozent)
  • Rumänien (3,5 Prozent)
  • Niederlande (2,9 Prozent)
  • Ungarn (2,1 Prozent)
  • Litauen (2,1 Prozent)
  • Slowakei (1,8 Prozent)
  • Bulgarien (1,5 Prozent)
  • Slowenien (1,3 Prozent)

Allerdings werden immer mehr vergleichsweise umweltschädliche durch umweltfreundlichere und mautgünstigere Fahrzeuge ersetzt. Dadurch wurden 2017 inzwischen über 67,2 Prozent der Fahrleistung in den Schadstoffklassen S 6/Euro 6 und EEV zurückgelegt. In der Schadstoffklasse S 5/EURO 5 lag der Anteil bei 28,3 Prozent. Nur noch 4,5 Prozent wird in den Schadstoffklassen S 1/Euro 1 bis S 4/Euro 4 zurückgelegt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)