07.08.2018

Jülich bereitet Hochsicherheitstransporter für Atommüll vor

Gorleben – als Lagerstätte für Atommüll in Deutschland ist der Standort im niedersächsischen Wendland verbrannt. Seither sucht man andere Lagerstätten. In Dänemark oder in den USA beispielsweise. Ab 2019 könnten Hochsicherheitstransporter heiße Ware aus Jülich dorthin schaffen.

Nachdem Gorleben als Endlagerstätte für Atommüll verbrannt ist, werden andere Endlagerstätten gesucht. Für den späteren Transport werden in Jülich schon Hochsicherheitstransporter getestet.

Wohin mit dem Atommüll?

Atommüll fällt bei der Nutzung der Atomenergie an: zur Stromerzeugung, bei der Forschung, in der Industrie und in der Medizin. Mehr als 90 Prozent des Atommülls in Deutschland sind schwach- oder mittelradioaktiv. Dies sind etwa 120.000 Kubikmeter, schreibt „bund-rvso.de“ und beruft sich dabei auf Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Hinzu kommen noch rund 2.000 Kubikmeter hochradioaktive und extrem gefährliche Abfälle, was etwa 12.500 Tonnen abgebrannten Brennelementen entspricht. Wenn die neun noch laufenden Atommeiler bis etwa 2022 schrittweise vom Netz gehen, werde sich die Menge des eine Million Jahre strahlenden Mülls immer noch weiter erhöhen. Derzeit werden in Jülich Hochsicherheitstransporter getestet, um den Atommüll irgendwann einmal in Endlagerstätten transportieren zu können.

Die Odyssee der Castoren

Seit Beginn der Kernspaltung im ersten deutschen Atomreaktor Forschungsreaktor München I im Jahr 1957 wurden bis Ende 2007 rund 12.500 Tonnen Brennelementemüll erzeugt. Abgefüllt ist der Müll in sogenannten „Castoren“. Castoren ist ein Akronym aus dem englischen „cask for storage and transport of radioactive material“: „Behälter zur Aufbewahrung und zum Transport radioaktiven Materials“ der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS).

In diesen Castoren befindet sich der Müll auf einer Odyssee zu den drei zentralen oberirdischen Zwischenlagern in Gorleben, Ahaus und Rubenow – auch bezeichnet als Lubmin oder Greifswald oder Nord – und in den dreizehn AKW-Standort-Zwischenlagern (Brunsbüttel, Brokdorf, Krümmel, Esenshamm/Unterweser, Lingen/Emsland, Grohnde, Biblis, Philippsburg, Neckarwestheim, Gundremmingen, Ohu/Isar, Grafenrheinfeld; erst beantragt Obrigheim).

Noch wird der Atommüll aus Kernkraftwerken in diesen Zwischenlagern gesammelt. Doch um ihn für alle Zeit sicher  entsorgen zu können, fahnden Politiker und Wissenschaftler seit Jahrzehnten weltweit nach Endlagerstätten.

Von Leese nach Jülich

1.484 Atommüllfässer aus dem niedersächsischen Zwischenlager Leese sollen jetzt in Jülich bei Aachen für die Endlagerung vorbereitet werden. Ab Ende 2019 sollen dafür pro Jahr etwa 150 Fässer auf das Betriebsgelände der GNS unweit des Jülicher Forschungszentrums gebracht werden, berichtet die „Aachener Zeitung“ und beruft sich auf das niedersächsische Umweltministerium. Auf dem Gelände sollen sie bis zum Jahr 2030 für die Endlagerung verpackt werden.

Die 1.484 Fässer enthalten den Angaben zufolge schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus den 1980er und 90er Jahren aus den Bereichen Medizin, Forschung und Technik. Sie sind nicht vergleichbar mit den 152 Castoren mit hochradioaktivem Müll, die im benachbarten Zwischenlager Jülich untergebracht sind. Die niedersächsischen Transporte zur GNS laufen dem Bericht zufolge völlig unabhängig von der verfahrenen Situation um die Castoren, die im nicht mehr genehmigten Lager der Jülicher Gesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) auf ihren Abtransport warten.

Hochsicherheitstransporter von Jülich nach USA oder Dänemark

Für mögliche Atomtransporte aus Jülich wird zur Zeit an speziellen Hochsicherheitstransportern gearbeitet. Nach Angaben der JEN seien bereits drei Zugmaschinen bestellt, die nach der Lieferung im August direkt gepanzert werden sollen, zitiert die Zeitung JEN-Sprecher Jörg Kriewel. Es seien die stärksten Zugmaschinen, die auf deutschen Straßen zugelassen sind.

Die Ausstattung der Transportauflieger für die Castoren sei zur Zeit noch in der Entwicklung. Solche Spezialtransporter seien für einen Transport in die USA oder nach Ahaus notwendig. Beide Möglichkeiten liegen gemessen am Planungsstand zeitlich so gut wie gleichauf, weisen laut JEN aber beide noch Unwägbarkeiten auf. Im günstigen Fall könnte der Transport ins Zwischenlager Ahaus frühestens im Herbst 2019 beginnen, der Transport in die USA im Jahr 2020. Bei der USA-Lösung müsste man die Castoren mit den hochstrahlenden Brennelementen über die Straße in einen deutschen Hafen bringen. Wissenschaftler berechnen zur Zeit, wie die Auflieger dazu ausgestattet sein müssen.

Grüne: Entscheidung für USA oder Ahaus schon gefallen

Oliver Krischer, stellvertretender Grünen-Fraktionschef aus Düren, kritisiert das Vorgehen der JEN. Seit Monaten verbreite die Politik, nach wie vor stünden für den Jülicher Atommüll alle drei Optionen – Ahaus, USA und die weitere Zwischenlagerung in Jülich – gleichrangig im Raum.

Die Anschaffung von Zugmaschinen ist für Krischer „mindestens erstaunlich“. Das Ganze erwecke den Eindruck, dass die Entscheidung zum Transport nach Ahaus oder in die USA längst gefallen sei.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)