24.07.2019

Jedi: Streit um Pentagon-Cloud

Amazon – schon in friedlichen Bereichen der Beschaffung eine umstrittene Größe. Jetzt will der Onlinehändler auch in Verteidigungssphären der Cloud mitmischen. Er bemüht sich derzeit zusammen mit Microsoft um einen Milliarden-Auftrag des Pentagons.

Der Onlinehändler Amazon will mitmischen beim geplanten Jedi, der geplanten Cloud des Pentagons für Verteidigungszwecke.

Der Kampf der Jedi-Ritter

Es geht um Geld, sehr viel Geld. Das US-Verteidigungsministerium will für geschätzte zehn Milliarden US-Dollar eine Cloud nur für Verteidigungszwecke aufbauen, eine organisationsübergreifende Verteidigungsinfrastruktur namens „Joint Enterprise Defense Infrastructure“, kurz: Jedi.

Um den Pentagon-Auftrag kämpfen in der finalen Runde Amazon Web Services (AWS) und Microsoft, wie die schweizerische IT-Plattform „inside-it.ch“ unter Berufung auf die Investigativ-Plattform „The Intercept“ berichtet. Google hatte sich auch beworben, dann aber freiwillig zurückgezogen. IBM war zusammen mit der Softwareschmiede Oracle im Rennen, flog aus dem Bieterverfahren, klagte dagegen beim US-Bundesgericht in Washington und scheiterte damit.

Jedi: Beschaffung von Cloud-Ressourcen für das Verteidigungsministerium

Bei Jedi geht es um die Beschaffung von Cloud-Ressourcen für das Verteidigungsministerium über die kommenden zehn Jahre. Das Ministerium will dafür nur einen Provider auswählen. Dagegen machen aber viele Politiker und Experten in den USA Front. US-Präsident Donald Trump will „erhebliche Beschwerden“ zum Beschaffungsprozess erhalten haben. Man werde „einen sehr genauen Blick“ auf das Projekt werfen; er nannte Oracle, IBM und Microsoft als Quell seines Interesses.

Eine Gruppe republikanischer Parlamentarier, Mitglieder eines Armee-Ausschusses, dringt in einem Brief an Trump, dass es

„aus Gründen der nationalen Sicherheit so schnell wie möglich vorwärtsgeht mit der Vergabe und der Implementierung dieses Vertrages“.

Es sei zwar verständlich, dass einige der um den Auftrag konkurrierenden Unternehmen enttäuscht seien, nicht als Finalist ausgewählt worden zu sein. Weitere unnötige Verzögerungen würden jedoch

„nur unsere Sicherheit beeinträchtigen und die Kosten der Beschaffung erhöhen“.

Widerspruch von Rubio

Dem widerspricht der ebenfalls republikanische Senator Marco Rubio. Er bittet in einem Brief an den nationalen Sicherheitsberater John Bolton, einen der der engsten Berater des Präsidenten, um eine Verzögerung des Vertrages. Seine Sorge sei, dass der Zuschlag an nur einen Anbieter

„zu verschwendeten Steuergeldern führen wird und unseren Kämpfern nicht die besten Technologielösungen bietet“.

Kein Vorurteil gegen Kalifornien

Das Gericht, das über Regressforderungen gegen die US-Regierung entscheidet, wies die Klage von Oracle ab mit der Begründung, es habe ein Vorurteil des Pentagons gegen die Kalifornier im Ausschreibeprozess für Jedi nicht nachweisen können. Es habe kein „institutioneller Interessenskonflikt“ bestanden. Eine mögliche Kollision mit persönlichen Belangen habe das Vergabeverfahren ebenfalls nicht beeinflusst.

Die Entscheidung sei generell nicht in sich widersprüchlich, unberechenbar oder in sonstiger Weise rechtswidrig gewesen. Auch einen Missbrauch diskreter Informationen habe man nicht feststellen können.

Welche Rolle spielte Ubhi im Jedi-Verfahren?

Oracle hatte eine Einflussnahme des ehemaligen und jetzt erneuten Amazon-Mitarbeiters Deap Ubhi bei den Vergaberichtlinien unterstellt. Dieser war, wie „heise online“ berichtet, zunächst bei dem E-Commerce-Giganten in der Cloud-Abteilung tätig, bevor er eine eigene Firma gründete und ins Pentagon wechselte.

Dort soll er beim Jedi-Projekt und möglicherweise am Entwurf für die Vergabebedingungen mitgewirkt haben. Diese sehen unter anderem vor, dass die Cloud nur von einem einzelnen Unternehmen umgesetzt werden darf und höchsten Sicherheitsansprüchen genügen muss. Laut Oracle seien diese Vorgaben genau auf Amazon zugeschnitten gewesen. Jetzt gehe es nur noch um AWS oder die Microsoft-Lösung Azure.

Gericht und Rechnungshof einig im Fall Jedi

Zu einem ähnlichen Schluss wie das Gericht waren zuvor Prüfer des US-Rechnungshofes gekommen. Und: auch das Pentagon soll Hinweise auf mögliche „ethische Verstöße“ des ehemaligen Angestellten Ubhi nicht ausgeschlossen haben. Schließlich hatte sich sogar Amazon selbst der Klage Oracles angeschlossen, um alle Verdachtsmomente aus dem Weg zu räumen. Man stehe nun bereit, um „mit unserer Partnergemeinde“ die Mission des Pentagons zu unterstützen, „die Sicherheit unseres Landes zu schützen“, zitiert „heise online“ AWS.

Eine Oracle-Sprecherin erklärte demzufolge, dass die „Cloud-Infrastruktur 2.0“ des Unternehmens „signifikante Leistungs- und Sicherheitsvorsprünge“ gegenüber angestammten einschlägigen Providern biete. Man freue sich darauf, „mit dem Pentagon, den Sicherheitsbehörden und dem öffentlichen Sektor in anderen Projekten“ zusammenzuarbeiten.

Wie das Rennen letztlich ausgeht, ist ungewiss. Ausschlag könnte die Politik geben. Mal sehen, welche Überraschung Trump hier wieder bereit hält.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)