28.02.2019

Intelligente Verpackung soll Verzehrbarkeit von Lebensmitteln anzeigen

Wasser, Energie, Rohstoffe. In jedem Produkt stecken wertvolle Ressourcen. Wäre doch schade, wenn man sie ungenutzt wegwirft. Das will Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) verhindern – u.a. mit „intelligenten“ Packungen, die die Verzehrbarkeit anzeigen.

Intelligente Verpackung

Arbeitskraft, Sorgfalt – und Herzblut

Zustimmung erntete Klöckner bereits von der Verpackungsindustrie. Die Bundesregierung will laut einem Bericht von dpa und „Handelsblatt“ Verbraucher und Wirtschaft dafür gewinnen, in Deutschland weniger Lebensmittel auf den Müll zu werfen. Klöckner gehe es um eine „vereinte Kraftanstrengung“ aller Akteure und höhere Wertschätzung für Nahrungsmittel.

„In jedem Produkt stecken wertvolle Ressourcen: Wasser, Energie, Rohstoffe, aber auch Arbeitskraft, Sorgfalt – und Herzblut“, zitiert der Zeitungsbericht die Ministerin.
Sie strebt eine Halbierung der Menge weggeworfener Lebensmittel bis 2030 an.

Intelligente Verpackung bringt Vorteile für Verbraucher und Handel

Man begrüße die Initiative der Ernährungsministerin, ließ Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e.V. (dvi) in Berlin die Presse in einer Mitteilung wissen. Verpackungen seien für den Menschen seit jeher das Mittel der Wahl, um Lebensmittel zu schützen und in der Qualität zu bewahren. Moderne Verpackungen hätten Lagerfähigkeit und Haltbarkeit von Nahrung immer weiter verbessert. Über Innovationen wie aktive oder intelligente Verpackung könne man diese Leistungen noch weiter ausbauen. Darüber hinaus könnten diese Verpackungen präzise und auf verständliche Art:

  • mit Verbrauchern kommunizieren,
  • sie über die Qualität der Ware informieren und
  • an den rechtzeitigen Verbrauch erinnern.

Zudem könnten Konsumenten die Qualität des Lebensmittels von außen prüfen. Das sei nicht so möglich, wenn sie zur Prüfung die Verpackung erst öffnen müssen. Dann gehe in vielen Fällen die Schutzatmosphäre verloren und das Lebensmittel verderbe rascher. Aber nicht nur Konsumenten, auch der Handel werde von intelligenten Verpackungen profitieren, da er mit ihrer Hilfe den Zustand der Lebensmittel überwachen könne.

Recyclinggerechte Umsetzung

Entscheidend für den massenhaften Einsatz intelligenter Verpackungsfunktionen wird aus Sicht des dvi sein, dass sie recyclinggerecht umgesetzt werden.

Cheng: „Die auf oder in die Verpackung integrierten Indikatoren müssen dazu aus dem gleichen Material sein wie der Rest der Verpackung.“

So könnten sie gemeinsam in die stoffliche Wiederverwertung gehen. Oder die Indikatoren müssten sich beim Recyclingprozess leicht und rückstandsfrei von der Verpackung trennen lassen und einem anderen, passenden Recyclingprozess zugeführt werden.

Faule Äpfel

Seit Jahren wartet laut dvi die Verpackungsindustrie mit intelligenten und aktiven Verpackungslösungen auf. Einige von würden in der Breite eingesetzt, beispielsweise für Obst und Gemüse. Apfelkisten beispielsweise hätte eine spezielle Wellpappe, die das von den Äpfeln natürlicherweise abgegebene Reifegas Ethylen absorbiert und neutralisiert. Dadurch könne man Obst und Gemüse länger lagern, faule Äpfel würden nicht länger anstecken.

Weltweiter Hunger

Laut „Handelsblatt“ leiden derzeit mehr als 800 Millionen Menschen auf der Welt unter Hunger. Klöckner legt dazu eine „Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“ vor. Vorgesehen sind fünf „Dialogforen“ mit Vertretern von Unternehmen, Verbänden, Ländern und Wissenschaft, die konkrete Maßnahmen zum Eindämmen von Nahrungsabfällen erarbeiten sollen – für die gesamte Kette von der Produktion bis zum Teller.

Klöckner will Zielmarken definieren lassen, die der jeweilige Bereich freiwillig umsetzen soll:

  • Bauern
  • Verarbeiter
  • Groß- und Einzelhandel
  • Außer-Haus-Verpflegung der Gastronomie
  • private Haushalte

Laut der Strategie werden dafür unter anderem bessere Prozesse in der Wirtschaft angestrebt:

  • passendere Bestellgrößen
  • kleinere und häufigere Warenlieferungen
  • Verteilen von Produkten zwischen Filialen oder Preisaktionen

Vor allem Jugendliche und junge Familien will Klöckners Strategie mit Informationen über das Internet sensibilisieren. Bund und Länder sollen überdies prüfen, ob es Hürden fürs Weitergeben unverkaufter Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen gibt, etwa bei der Haftung.

Teil der Strategie ist auch eine Forschungsförderung von 14 Millionen Euro – eben zur Entwicklung intelligenter Packungen, die die Verzehrbarkeit anzeigen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)