25.03.2022

Intel-Chips künftig aus Sachsen-Anhalt

Das im März 2022 angekündigte 17-Milliarden-Euro-Projekt wird Computerchips mit Intels fortschrittlichsten Transistortechnologien liefern. Baubeginn soll in der ersten Jahreshälfte 2023 sein, Start der Produktion Ende 2027. Damit will man die Lieferkette stabilisieren.

Intel-Chips

Europäisches Chip-Ökosystem der nächsten Generation

Intel gab die erste Phase seiner Pläne bekannt, in den nächsten zehn Jahren bis zu 80 Milliarden Euro in die Europäische Union entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette zu investieren:

  • von Forschung und Entwicklung (F&E)
  • über Fertigung
  • bis hin zu modernen Verpackungstechnologien.

Die Ankündigung enthält folgende Pläne:

  • zunächst 17 Milliarden Euro in einen hochmodernen Mega-Standort für Halbleiterfabriken in Deutschland zu investieren,
  • ein neues F&E- und Designzentrum in Frankreich zu schaffen und
  • in F&E-, Fertigungs- und Gießereidienstleistungen in Irland, Italien, Polen und Spanien zu investieren.

Mit dieser Investition will Intel laut einer Mitteilung des Unternehmens

  • seine Technologie nach Europa bringen,
  • ein europäisches Chip-Ökosystem der nächsten Generation schaffen
  • den Bedarf an einer ausgewogeneren und widerstandsfähigeren Lieferkette zu decken.‎

‎ Fertigungskapazitäten für Chips Made in Europe

‎Das Investitionsprogramm nimmt besonders die globale Halbleiterlieferkette in den Blick. Sie geht einher mit einer nicht unerheblichen Erweiterung der Produktionskapazitäten von Intel in Europa. In der Anfangsphase plant Intel, zwei erste Halbleiterfabriken ihrer Art in Magdeburg, Sachsen-Anhalt, zu entwickeln. Im Magdeburger Gewerbegebiet Eulenberg sollen zunächst zwei Halbleiter-Fabriken entstehen. Langfristig sollen die zwei Fabriken zu einer Mega-Fabrik mit bis zu acht zusammenhängenden Fabriken ausgebaut werden. Mit der Planung beginne man sofort.

Der Bau wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2023 beginnen und die Produktion voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen – die Genehmigungen der Behörden, vor allem durch die Europäische Kommission vorausgesetzt. Bei Intel hofft man, die neuen „Fabs Chips“ mit Intels Transistortechnologien aus der Angstrom-Ära zu liefern. Diese erfüllen laut Angaben Bedürfnisse von „Foundry“-Kunden als auch von Intel für Europa und weltweit im Rahmen der IDM-Strategie (Integrated Device Manufacturer) 2.0 des Unternehmens. Eine Foundry (auch englisch silicon foundry, ursprünglich englisch für Gießerei) ist ein Fertigungsbetrieb in der Mikroelektronik, der in seinen Halbleiterwerken (englisch semiconductor fabrication plant, kurz:„ fab) Produkte für andere Halbleiterunternehmen herstellt. . ‎

‎Im Zentrum Europas und mit Top-Talenten, einer bedarfsgerechten Infrastruktur und einem bestehenden Ökosystem aus Lieferanten und Kunden sieht man bei Intel Deutschland als idealen Ort, um einen neuen Hub – eine Silicon Junction – für die Chipherstellung zu errichten. Intel plant, zunächst im Laufe des Baus 7.000 Baustellen, 3.000 dauerhafte High-Tech-Arbeitsplätze bei Intel und Zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze bei Zulieferern und Partnern zu schaffen. Die Silicon Junction soll als Verbindungspunkt für andere Innovations- und Fertigungszentren im ganzen Land und in der Region dienen.‎

‎Intel investiert weiterhin in sein Expansionsprojekt in Leixlip, Irland, gibt weitere 12 Milliarden Euro aus und verdoppelt die Fertigungsfläche, um die Intel 4-Prozesstechnologie nach Europa zu bringen und die Foundry-Dienste zu erweitern. Nach Abschluss dieser Erweiterung wird Intels Gesamtinvestition in Irland auf mehr als 30 Milliarden Euro steigen.‎

‎Darüber hinaus haben Intel und Italien Verhandlungen aufgenommen, um eine hochmoderne Back-End-Produktionsstätte zu errichten. Mit einer potenziellen Investition von bis zu 4,5 Milliarden Euro würde diese Fabrik etwa 1.500 Intel-Arbeitsplätze sowie weitere 3.500 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Partnern schaffen. Der Betrieb soll hier zwischen 2025 und 2027 aufgenommen werden. Intel und Italien wollen diese Einrichtung mit neuen und innovativen Technologien zu einer Premiere in der EU machen. Dies wäre zusätzlich zu den Innovationen und Wachstumschancen in der Foundry, die Intel in Italien auf der Grundlage der geplanten Übernahme von Tower Semiconductor erwartet. Tower hat eine bedeutende Partnerschaft mit STMicroelectronics, das eine Fabrik in Agrate Brianza, Italien, hat. ‎

‎Insgesamt plant Intel, mehr als 33 Milliarden Euro für diese Fertigungsinvestitionen auszugeben. Zum Vergleich: Für die neue Tesla-Fabrik in Brandenburg wird mit rund 5,8 Milliarden Euro nur ein Bruchteil der Investitionssumme veranschlagt. Durch die deutliche Erhöhung seiner Fertigungskapazitäten in der gesamten EU würde Intel die Grundlage dafür schaffen, verschiedene Teile der Halbleiter-Wertschöpfungskette näher zusammenzubringen und die Ausfallsicherheit der Lieferkette in Europa zu erhöhen.

‎Stärkung der Innovationskapazitäten Europas ‎

‎F&E und Design sind entscheidend, um die halbleiterführende Fertigung voranzutreiben. Europa ist für Intel die Heimat von Weltklasse-Universitäten, Forschungsinstituten und führenden Chip-Designern und -Lieferanten. Die Unterstützung dieses Innovationsclusters mit zusätzlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung und deren Verknüpfung mit den führenden Fertigungsplänen von Intel soll den Innovationskreislauf in Europa stärken, einschließlich der Bereitstellung eines besseren Zugangs kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zu Spitzentechnologien.

‎Rund um Plateau de Saclay, Frankreich, plant Intel, sein neues europäisches F&E-Zentrum aufzubauen und 1.000 neue High-Tech-Arbeitsplätze bei Intel zu schaffen, wobei bis Ende 2024 450 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Frankreich wird Intels europäischer Hauptsitz für High Performance Computing (HPC) und künstliche Intelligenz (KI). HPC- und KI-Innovationen sollen einer Vielzahl von Industriesektoren zugutekommen, darunter

  • Automobil,
  • Landwirtschaft,
  • Klima,
  • Arzneimittelforschung,
  • Energie,
  • Genomik,
  • Biowissenschaften und
  • ‎Sicherheit.

‎Darüber hinaus will der Konzern sein europäisches Foundry-Designzentrum in Frankreich errichten, das französischen, europäischen und weltweiten Industriepartnern und Kunden Designdienstleistungen und Designmaterialien anbietet.‎

‎In Danzig vergrößert Intel seine Laborfläche um 50 Prozent und konzentriert sich auf die Entwicklung von Lösungen in den Bereichen

  • tiefe neuronale Netze,
  • Audio,
  • Grafik,
  • Rechenzentrum und
  • Cloud Computing.

Die Erweiterung wird voraussichtlich im Jahr 2023 abgeschlossen sein.‎ ‎Diese Investitionen sollen Intels langjährige Beziehungen zu europäischen Forschungsinstituten auf dem gesamten Kontinent weiter stärken, darunter:

  • IMEC in Belgien,
  • die Technische Universität Delft in den Niederlanden,
  • CEA-Leti in Frankreich und
  • Fraunhofer-Institute in Deutschland.

Intel entwickelt Partnerschaften in Italien mit:

  • Leonardo,
  • INFN und
  • CINECA

Sie sollen fortschrittliche neue Lösungen erforschen in den Bereichen:

  • HPC
  • Speicher
  • Softwareprogrammiermodelle
  • Sicherheit
  • Cloud.

‎In den letzten zehn Jahren haben das Barcelona Supercomputing Center und Intel in Spanien an der Exascale-Architektur zusammengearbeitet. Jetzt entwickeln sie die Zettascale-Architektur für das nächste Jahrzehnt. Das Supercomputing-Center und Intel planen, gemeinsame Labore in Barcelona einzurichten, um das Computing voranzutreiben.‎

‎ Spillover-Effekte für die EU‎

‎Intels europäische Investitionspläne sollen positive Auswirkungen auf alle Branchen und Mitgliedstaaten haben. Der Aufbau von Fertigungs- und F&E-Kapazitäten in diesem Maßstab sollen einen Innovationszyklus schaffen.‎ ‎Intel ist seit mehr als 30 Jahren in Europa präsent und beschäftigt derzeit rund 10.000 Mitarbeiter in der gesamten EU. In den vergangenen zwei Jahren hat der Konzern mehr als zehn Milliarden Euro bei europäischen Zulieferern ausgegeben. Intel will weltweit das Siliziumangebot wieder ins Gleichgewicht bringen. Deshalb erwartet der Konzern, dass sich diese Ausgaben bis 2026 fast verdoppeln werden.‎

‎Die Investitionspläne von Intel sollen Chip-Designfähigkeiten beschleunigen, europäische Material- und Ausrüstungszulieferindustrie ankurbeln und den starken Kundenstamm in allen Branchen in Europa bedienen. Darüber hinaus wären die Investitionen ein Magnet für Tausende von zusätzlichen Ingenieuren und technischen Arbeitskräften und würden den Pool an Innovatoren, Unternehmern und Visionären erweitern, die die digitale und grüne Zukunft Europas voranbringen werden.‎

Grüner Übergang ‎

‎Ein modernes europäisches Halbleiter-Ökosystem soll den grünen Übergang unterstützen und dazu beitragen, den europäischen „Green Deal“ umzusetzen. Effizientere Chips könnten den Stromverbrauch der nächsten Welle digitaler Hardware reduzieren und gleichzeitig HPC- und KI-Lösungen vorantreiben. 2020 skizzierte Intel seine RISE-Strategie „Responsible, Inclusive, Sustainable, Enabling“ für 2030 und seine Ziele für die Unternehmensverantwortung, um die Integration verantwortungsvoller, integrativer und nachhaltiger Praktiken in diesem Jahrzehnt zu beschleunigen. Im Einklang mit den Klimazielen der EU ist Intel auf dem besten Weg, seine Nachhaltigkeitsziele für 2030 zu erreichen, einschließlich der Erzielung einer positiven Nettowassernutzung durch Einsparung, Recycling und Rückgewinnung von Wasser sowie der Finanzierung lokaler Wasserprojekte, die mehr Süßwasser wiederherstellen, als es verbraucht. Darüber hinaus will Intel seine globalen Produktionsstätten mit 100 Prozent erneuerbarer Energie versorgen und null Gesamtabfall auf Deponien erreichen. ‎

Intel-CEO Pat Gelsinger: „Unsere geplanten Investitionen sind ein wichtiger Schritt sowohl für Intel als auch für Europa. Das EU-Chips-Gesetz wird private Unternehmen und Regierungen in die Lage versetzen, zusammenzuarbeiten, um die Position Europas im Halbleitersektor drastisch voranzutreiben. Diese breit angelegte Initiative wird Europas F&E-Innovation ankurbeln und zum Nutzen unserer Kunden und Partner auf der ganzen Welt spitzen Fertigungsmittel in die Region bringen. Wir sind entschlossen, die digitale Zukunft Europas in den kommenden Jahrzehnten maßgeblich mitzugestalten.“‎

„Magdeburg verfügt aus unserer Sicht über ideale Voraussetzungen für die Fabriken: Zum einen durch die geografische Lage, zum anderen durch die infrastrukturellen Voraussetzungen, durch Anbindung an Autobahnen, an Flughäfen, die Nähe zu größeren Städten wie Berlin, Hannover, Leipzig – das sind wichtige Standortvorteile“, kommt Intel-Deutschland-Chefin Christin Eisenschmid im MDR zu Wort. Ein entscheidendes Kriterium sei die gute Beziehung zu den Ansprechpartnern vor Ort, die schnellen Reaktionszeiten und das Gefühl gewesen, dass man vor Ort, auf regionaler Ebene und auf Bundesebene das Projekt wirklich haben und eine Intel-Fabrik in Deutschland haben möchte.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)