03.06.2019

Insolvenzen in der Transport- und Logistikbranche nehmen zu

Logistik ist nicht alles – aber ohne sie ist alles nichts. Doch die Branche selbst ist ins Schlingern geraten. Immer häufiger gehen Unternehmen der Logistik in Insolvenz. Die Zahlungsmoral ist schlecht, in Sachsen noch am besten, am schlechtesten in Berlin. Auskunftei Creditsafe schlägt Alarm.

Insolvenzen Transport- und Logistikbranche

Auswertung öffentlicher Quellen

Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche in Deutschland gingen im vergangenen Jahr häufiger insolvent. Sie haben zudem eine schlechtere Zahlungsmoral als der branchenübergreifende Bundesdurchschnitt. Das geht aus einer Erhebung von Creditsafe Deutschland hervor. Die weltweite Wirtschaftsauskunftei hat laut einer Pressemitteilung des Unternehmens dazu mehr als 3,4 Millionen Unternehmen aus Deutschland untersucht, davon rund 60.000 Firmen aus dem Bereich Transport und Logistik. Die Untersuchungen stützten sich auf Daten aus öffentlichen Quellen, wie dem Handelsregister und dem Bundesanzeiger, Insolvenzbekanntgaben, Amtsblätter oder Gewerbeämter.

Branchencheck Transport und Logistik
Branchencheck Transport und Logistik

Finanzielles Risiko verringern, Geschäftsbeziehungen absichern

Creditsafe sieht sich selbst als meistgenutzte Auskunftei. Egal ob Bonitätsauskünfte, B2B-Marketingadressen oder Compliance Checks, alle Creditsafe-Lösungen seien von Anfang an digital gedacht. Mit Informationen aus mehr als 100 Ländern helfe Creditsafe Unternehmen, sich international rechtskonform aufzustellen, ihr finanzielles Risiko zu verringern und Geschäftsbeziehungen abzusichern. Die Firma ist in 14 Ländern an 16 Standorten vertreten und beschäftigt den Angaben zufolge über 1.200 Mitarbeiter. Mit mehr als 100.000 Kunden sei man überdies die am schnellsten wachsende Wirtschaftsauskunftei Europas. Die Creditsafe Deutschland GmbH ist 2010 an den Start gegangen und beschäftigt unter Geschäftsführer Deutschland Michael Richards 120 Mitarbeiter im Berliner Büro.

Insolvenzen in der Transport- und Logistikbranche nehmen zu

Rund 900 Unternehmen aus der Branche mussten im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden. Dies entspricht einer Insolvenzrate von rund 1,5 Prozent – deutlich höher als der Bundesdurchschnitt, wo im Schnitt 0,6 Prozent der Firmen nicht mehr zahlungsfähig waren. Weitere Ergebnisse:

  • In der Logistik ist der Anteil der insolventen Unternehmen mit 1,33 Prozent,
  • beim Transport bei 1,59 Prozent,
  • in Brandenburg lag die Insolvenzrate mit 2,12 Prozent der Unternehmen aus Logistik und Transport am höchsten,
  • mit 0,76 Prozent in Sachsen am niedrigsten.

Der Anteil an zahlungsunfähigen Unternehmen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren leicht erhöht: 2017 betrug die Insolvenzrate in der Branche noch 1,1 Prozent, 2016 1,14 Prozent.

Überschuldung entspricht dem Bundesdurchschnitt

Rund 3.478 Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche sind den Angaben zufolge überschuldet, weisen also ein negatives Eigenkapital aus. Dies entspricht rund 13,8 Prozent aller Unternehmen aus diesem Sektor und ist somit ungefähr gleich dem Bundesdurchschnitt von 14 Prozent. Führt eine Überschuldung zu einer Zahlungsunfähigkeit, muss unverzüglich, jedoch spätestens innerhalb von drei Wochen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein beantragt werden. Bei rund zwei Dritteln aller Insolvenzen wird laut Creditsafe eine Unternehmensüberschuldung als Ursache angegeben.

Berlin Schlusslicht bei Zahlungsmoral

Vor allem kleine Unternehmen oder Firmen mit geringen Auftragsmargen, wie sie in der Transport- und Logistikbranche häufig vorkommen, seien auf einen pünktlichen Zahlungseingang angewiesen. Im Schnitt zahlten Unternehmen im vergangenen Jahr ihre Rechnungen etwa 5,1 Tage nach dem Zahlungsziel. In der Logistik- und Transportbranche ließen sich Unternehmen indes etwas mehr Zeit und beglichen ihre Forderungen durchschnittlich acht Tage zu spät. Am vorbildlichsten sind in dieser Branche Firmen aus Sachsen, wo die mittlere Verspätung 3,77 Tage betrug. Schlusslicht ist Berlin: Unternehmen aus dem Transport- und Logistikgewerbe zahlten hier ihre Rechnungen erst 12,6 Tage nach dem angegebenen Zahlungsziel.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)