11.03.2019

Innovation schafft Vorsprung: Die Sieger 2019

Der Deutsche Wetterdienst (DWD), Offenbach, und der Landkreis Schaumburg sind Sieger im Wettbewerb „Innovation schafft Vorsprung“ für öffentliche Auftraggeber. Der vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) initiierte Preis steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Preisträger des BME-Wettbewerbs "Innovation schafft Vorsprung" sind der DWD und der Landkreis Schaumburg.

Auszeichnung für Wetterdienst und Landkreis Schaumburg

Verliehen wurde der Award „Innovation schafft Vorsprung“ auf dem „Tag der öffentlichen Auftraggeber“ am 19. Februar 2019 vom Parlamentarischen Staatssekretär beim BMWi, Christian Hirte, und BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch. Im Rahmen der Veranstaltung treffen sich jährlich Fach- und Führungskräfte aus Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen sowie öffentlich-rechtliche Unternehmen zum Erfahrungs- und Informationsaustausch.

Mit dem Preis „Innovation schafft Vorsprung“ wollen die Initiatoren beispielhafte Leistungen öffentlicher Auftraggeber bei der Beschaffung von Innovationen und der Gestaltung innovativer Beschaffungsprozesse auszeichnen. BMWi und BME treten gemeinsam für mehr Innovationen im öffentlichen Beschaffungswesen ein.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD)

Der DWD ist als Bundesbehörde dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zugeordnet. Er ist für die Erfüllung der meteorologischen Erfordernisse aller Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche in Deutschland zuständig. Zur Sicherung des Luftverkehrs werden an den Flughäfen nach dem Standard „Metar“ standardisierte meteorologische Meldungen ausgegeben. Dabei werden auch Daten über das Auftreten von festem Niederschlag wie Hagel benötigt.

Marktgängige Sensoren und Detektoren für die Erfassung von Hagel beruhen auf der Verwendung einer geschlossenen Prallfläche. Sie lässt eine Unterscheidung von Hagel und starkem Regen nicht zu. Der DWD wollte die Prallfläche deshalb so modifizieren, dass bei der Wechselwirkung eines Hagelkorns mit der Fläche deutlich mehr Impuls übertragen wird als bei der Wechselwirkung mit einem Regentropfen.

Der DWD entschied sich für eine externe Entwicklung. Daraufhin führte der Dienst die Beschaffung als Innovationspartnerschaft in einem zweistufigen Verfahren durch.

Innvoationspartnerschaft

Ergebnis: Eingereicht wurde ein Teilnahmeantrag, der die Eignungsprüfung mit 100 Prozent der möglichen Punkte bestand. In der Angebotsphase legte die Firma ein Erstangebot vor, das zu einer Leistungsbewertung von 80 Prozent führte.

In der darauffolgenden Verhandlungsrunde wurden vor allem vertragliche und fachliche Aspekte des Angebots erörtert, insbesondere über die Konstruktion des Prototyps. Die Firma erhielt den Zuschlag für ein finales Angebot. Es erhielt in der fachlichen Bewertung anschließend 98,9 Prozent der möglichen Punkte, sodass der Sensor nun fast vollumfänglich die Anforderungen des DWD erfüllte.

Der Landkreis Schaumburg

Der Landkreis Schaumburg verfügt über 100 Liegenschaften, darunter sind große Stromverbraucher. Energieeinsparung steht deshalb seit vielen Jahren im Vordergrund beim Einsatz von Spannungsstabilisatoren. Der Grund dafür ist, dass Energieversorger europaweit durch die zunehmende Einspeisung von Strom aus alternativen Energieanlagen eine höhere Spannung liefern, als tatsächlich benötigt wird.

Spannungsstabilisator

Problematisch ist dabei, dass die am Verbraucher anliegende Spannung von 400 Volt im Drehstromnetz bzw. 230 Volt im Wechselstromnetz Schwankungen von bis zu zehn Prozent unterliegen darf. Die elektrischen Betriebsmittel sind so ausgelegt, dass sie ihre Nennwerte bei minimal zulässiger Spannung erreichen müssen. Deswegen ist eine Stabilisierung der anliegenden Spannung nach unten möglich. Der Spannungsstabilisator nutzt diese Möglichkeit und hält die Spannung konstant auf rund 215 Volt.

Ein weiterer Vorteil ist – neben der CO2-Einsparung – die Schonung der elektrischen Betriebsmittel und die damit verbundene Verringerung der Wartungskosten. Der Landkreis hat in einem Pilotprojekt eine Spannungsstabilisierungsanlage am Standort Bad Nenndorf installiert. Durch diese wird seitdem jährlich etwa so viel Strom eingespart, wie 17 Einfamilienhäuser im gleichen Zeitraum verbrauchen.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Anlage ergab eine Amortisationszeit von circa drei Jahren. Inzwischen hat der Landkreis Schaumburg in zwölf Liegenschaften Spannungsstabilisierungsanlagen installiert. Dabei wurde in den einzelnen Anlagen eine durchschnittliche Stromeinsparung von jährlich acht Prozent und damit eine monetäre Einsparung von rund 56.000 Euro pro Jahr erreicht.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)