27.09.2017

Industriebündnis fordert neue Energiewende nach Bundestagswahl

Vielleicht nicht 180 Grad, aber kaum viel weniger sollte die Neuausrichtung der Wende schon bringen. Das jedenfalls fordert eine Initiative zur Energiewende. Zu ihren Unterzeichnern zählen neben Industrie- und Energieunternehmen auch die Gewerkschaft IG BCE.

Weniger Regulierung, mehr Förderung neuer Technologien

Ein Industriebündnis von Unternehmen sowie der IG Bergbau, Chemie, Energie setzt sich für eine Neuausrichtung der Energiewende nach der Bundestagswahl ein. Nötig sei eine Politik, die „weniger auf Regulierung als auf die Förderung neuer Energie- und Klimaschutztechnologien“ setze, heißt es in einer Initiative des Innovationsforums Energiewende (If.E). Unterzeichnet haben sie 30 Partner, darunter namhafte Industriekonzerne aus dem DAX ebenso wie die größten deutschen Energieversorgungsunternehmen und die Industriegewerkschaft Bau, Chemie, Energie (IG BCE).

Kurskorrektur bei der Energiewende

Deren Vorsitzender, Michael Vassiliadis, ist zugleich auch der des If.E. Er fordert nach der Bundestagswahl „eine spürbare Kurskorrektur bei der Energiewende“. Diese Erkenntnis sei längst in weiten Teilen von Wirtschaft und Gesellschaft gereift. Das belege auch das gemeinsame Papier der If.E zentraler Akteure aus Industrie und Energiewirtschaft auf eindrucksvolle Weise. Deren gemeinsame Ziel sei es, mehr wirtschafts- und industriepolitischen Sachverstand in die Energiewende einzubringen. Die Unternehmensvertreter verstehen sich dabei als die eigentlichen Träger der Energiewende. Sie wollen mit eigenem Engagement dazu beitragen, dass Deutschland mit diesem gewaltigen Projekt eine nachhaltig gute Entwicklung nimmt.

Technologische, soziale und wirtschaftliche Innovationen

Nach Einschätzung der Unterzeichner wird die Energiewende „ohne technologische, soziale und wirtschaftliche Innovationen“ nicht gelingen. Sie fordern unter anderem einen verstärkten Einsatz neuer Technologien. Sie müsse man ergänzend zu den erneuerbaren Energieträgern vorantreiben etwa durch:

  • stärkere Erschließung von Energieeffizienz-Potenzialen oder
  • Elektrifizierung des Mobilitäts- und Wärmemarktes mittels
  • Sektorenkopplung

Befreiung der Stromspeicher von Umlagen und Abgaben

Die If.E-Partner setzen sich zudem für eine Befreiung der Stromspeicher von Umlagen und Abgaben ein. Konventionelle Kraftwerke seien noch so lange unverzichtbar, wie Strom aus erneuerbaren Energieträgern nicht zu wettbewerbsfähigen Konditionen erzeugt werden könne. Die Finanzierung erneuerbarer Energien wolle man auf den Prüfstand stellen. Alleine durch Umlagen auf den Stromverbrauch erscheine sie weder sozial gerecht, noch auf Dauer haltbar.

Wandel im Mobilitätssektor

Den Wandel im Mobilitätssektor gelte es auf unterschiedlichen Wegen zu begleiten. So müsse Elektromobilität durch Innovationen Einzug in Deutschland halten etwa durch Aufbau inländischer Batterieproduktion oder Entwicklung leichterer Bauteile durch die Kunststoffindustrie. Parallel sollten andere Zukunftstechnologien wie Brennstoffzellen oder synthetische Treibstoffe vorangetrieben werden.

Öl und Gas bis 2050 marktbeherrschend

Unterdessen mehren sich Anzeichen für ein längerfristiges Fortbestehen des Bedarfes an nicht regenerierbaren Energien wie Öl und Gas. Nach dem aktuellen Barometer für die Wende in der Energieversorgung der Klassifizierungsgesellschaft DNV GL, dem Energy Transition Outlook (ETO), werden beide Energieträger die Zukunft der Weltenergieversorgung weiterhin maßgeblich bestimmen. Erneuerbare Energieträger werden demnach ihren Anteil am Energiemix vergrößern, der Anteil von Öl und Gas an der weltweiten Energieversorgung werde aber von heute 53 Prozent bis 2050 nur um etwa neun Prozentpunkte auf 44 Prozent schrumpfen.

Verbesserungen der Energieeffizienz

Dem ETO zufolge wird sich laut einer DNV-GL-Pressemitteilung die weltweite Energienachfrage 2030 stabilisieren und dann in den folgenden zwei Jahrzehnten dank schrittweiser Verbesserungen bei der Energieeffizienz abnehmen. Der Anteil fossiler Energien am weltweiten Gesamtmix an Primärenergie verringert sich demzufolge von derzeit 81 Prozent auf 52 Prozent bis 2050.

Autor: Franz Höllriegel